Archive for Februar, 2010

Klaus von Borck-Erlecke zum Gedächtnis.

Dienstag, Februar 9th, 2010

Der Gründungskanzler der Hochschule der Bundeswehr Hamburg (später: Universität der Bundeswehr)  ist am 26. Januar 2010, im 90. Lebensjahr, verstorben.

Schon als Leiter der Wissenschaftlichen Gruppe der Heerresoffizierschule Hamburg hatte er gewichtigen Einfluß auf ganze Abfolgen von Offizierjahrgängen der Bundeswehr. Selbst Weltkriegsoffizier und mehrfach verwundet, trat er ganz unter dem Siegel des Gentleman an die Arbeit in der Bundeswehr heran.

Dass die Hochschulen nicht nur äußerlich aus den Liegenschaften früherer Offizierschulen hervorgingen, ließ sich nach 1973/74 nicht verleugnen. Herr von Borck hat sich bemüht, diese inhärente Spannung in der Neugründung der Offizierausbildung der Bundeswehr (Gründungsrektor Thomas Ellwein) aufzufangen.

War es zu Beginn der 70iger Jahre das Ziel der Armee, ein rein akademisches Bildungsangebot aufzustellen (schon aus Gründen der Wiedereingliederung der Bewerber in das Zivilleben nach der Dienstzeit), so ging es dabei doch vordringlich um die Heranbildung  junger -wenngleich zusätzlich akademisch ausgebildeter – Offiziere. Dies trat jedoch zuweilen in den Hintergrund.

Herr von Borck war auch für die Lebeninteressen junger Wissenschaftler an dieser Hamburger Einrichtung der Bundeswehr offen und trat dabei mutig gegen die latent einseitig akademischen Bestrebungen der Professorenschaft auf. Das erwies sich durchaus als ein schwieriges Unterfangen, waren doch die Akzente an der Hochschule der Bundeswehr vordringlich zu Gunsten der, einseitig von den Verfahrensweisen an zivilen Universitäten geprägten, Wissenschaftler ausgestaltet. So unterstützte von Borck den Verfasser im Kampf um die routinemäßige Verlängerung seiner Mitarbeiterstelle  (3 auf 5 Jahre) an der HSBw gegen die Versuche der von den Historikern  Hubatsch (Bonn) und Zechlin (Hamburg) abstammenden Hptm. Dr. Opitz und Dr. habil. Müller, einen diesen unbequemen Fischer-Schüler von der Hochschule zu verbannen [B.F.Schulte, Armageddon des Kommunismus. Strategie, Wirtschaft und die DDR, 1970-1990, Hamburger Studien zu Geschichte und Zeitgeschehen. Reihe I, Bd. 3, Norderstedt (BoD) 2006]. Von Borck verließ die Hochschule enttäuscht und betrat die HSBw nach seinem Aussscheiden, wie er dem Verfasser vor einigen Monaten mitteilte, nicht wieder. Die Universität der Bundeswehr hat – auch auf den Hinweis des Verfassers hin – es bislang nicht für nötig gehalten, einen Nachruf auf ihren Gründungskanzler zu erstellen. Ja, dessen Tod war dieser vorgeblich zu Anfang des Monats sogar nicht einmal bekannt! 

Seit der Mitte der 80iger Jahre verlebte Herr von Borck, in einem kulturell anspruchsvollen Umfelde, eine engagierte Zeit des Ruhestands. Seine Liebe zu Musik, Theater mit vielfachen Gesprächen und Kontakten zu musisch wie intellektuell interessierten Menschen, in und um Lübeck, bestimmten diese Jahre. Nach dem Tode seiner Frau (2003), schloß sich im Umfeld seiner Famile sein Lebenskreis in einem nachgerade beschaulichen, wenngleich von Krankheit nicht verschonten, Blick auf Natur und Gezeiten.

Bernd F. Schulte