Archive for Oktober, 2010

Was leistet sich die Niederlassung Mercedes/HH noch?

Samstag, Oktober 16th, 2010

Überpreise bei Mercedes Hamburg?

Vor einer Woche fuhr sich ein Hamburger Mercedesfahrer, typischerweise vor einem Polizeirevier dort, eine üble, offensichtlich künstlich hergestellte, Krampe in den hinteren rechten Reifen seines Mercedes.

Was herauskam war

1. dass eine sofortige Reparatur in der Hamburger Niederlassung angeblich nicht möglich war,
2. „tirefit“, das in dem Wagen serienmäßig an Bord war, anscheinend nichts brächte,
3. der Reifen nicht am Lager war,
4. das Auto bis Dienstag dieser Woche in der Kollaustrasse stand,
5. per Barzahlung 445,22€ entrichtet werden mußten.

Umfragen ergaben, dass

a) in Meschede/Mercedes der Reifen mit Anbau 420,- €,
b) in Lüneburg/VW-Porsche 390,- €,
c) in Soltau/Mercedes 378,- €,
d) in Bönningstedt, bei Reifen Kahl, 372,- €
(Bridegestone „Potenza“, 285/30ZR19 98Y XL)

gekostet hätte.

Mit „tire-fit“, und der Kenntnis, dass Reifen-Kahl auch am Samsag Vormittag arbeitet, hätte der Mercedes-Fahrer die Folgen der überdimensinierten Reifen-Ausstattung seines SL 280 /Sportpaket (19″) ausgleichen und viele Euros sparen können. Aber was soll das, Reifen dieser Dimension zu fahren? Sind wir nicht selber Schuld – neben all den interessanten Einblicken, die ein solches Ereignis zusätzlich bietet?

Auf dass die Deutschen 1914 auch militärisch nicht kriegsbereit waren.

Donnerstag, Oktober 7th, 2010

Epkenhans, wer anders, lobt Steins Werk zur deutschen Heeresrüstungspolitik zwischen 1890 und 1914 (vgl. sehepunkte).

Es geht in dieser, durch die „Düsseldorfer Schule“ (W.J.Mommsen, Stig Foerster, Afflerbach, Krumeich) angeregten Arbeit darum, auch für den militärischen Bereich nachzuweisen, dass Deutschland (aus inneren Defekten) den Ersten Weltkrieg nicht „vom Zaune gebrochen“ haben könne. Eben das zeigt Schulte in „Deutsche Policy of Pretention“ für den Zeitraum 1871(1862) bis 1914!

Es geht ferner darum zu zeigen, dass, da  ja ein Primat der Politik über das Militärische im Kaiserreich bestanden habe (eine wesentliche Korrektur des Bildes, das Gerhard Ritter zwischen 1958 und 1968 entwarf), die Militärische Führungselite, aus antiquierter Einstellung heraus (Linnebach 1935/40), diejenige Rüstung, welche zum Kriege befähigt haben würde, a) nicht forderte und b) die Politik diese nicht zuließ. Plötzlich soll der „Philosoph von Hohenfinow“ ein zupackender und „gerissener“ Politiker, der „mit allen Wassern gewaschen“ war, gewesen sein. Diese, Fischers Deutung vor 50 Jahren, wurde allerdings zuvor stets geschmäht. In der Julikrise hinwiederum soll der Reichskanzler verzweifelt und ein düsterer Pessimist („in wenigen Jahren sind die Russen da“, Riezler Tagebuch) gewesen sein.

Ja, es gilt eine positive deutsche politische Tradition (Unschuld am Krieg) zu retten, die in der Vergangenheit zu nah an die Hitlerepoche gerückt worden sei. Dafür wird in Kauf genommen, die Mängel der Heeresrüstung vor 1914 Bethmann Hollweg „in die Tasche zu schieben“; war doch der, nach allgemeinem Verständnis, schon an sich gute Primat der Politik auch dort durchgehalten (wie heute).

Was soll da noch alles Diskutieren, wenn die Funktionsfähigkeit der deutschen Reichsleitung vor 1914 wieder einmal, als von irrationalen (hier: antiquierten) Vorstellungen beherrscht, und ins Unzeitgemäße verschoben, überverkompliziert dargestellt wird? Kurzum ein Sieg der vorgefaßten Meinungen. Und das Alles nur, um Fischer zu widerlegen?

Wann spricht Frau Merkel von „Pinschern“?

Freitag, Oktober 1st, 2010

Dieses fatale Diktum des unglücklichen Kanzlers Erhard leitete 1965 den Weg Deutschlands in seine erste ökonomisch-politische Krise ein. Was folgte waren Demonstrationen (gegen die Notstandsgesetze Gerhard Schröders) und schließlich die APO, in deren Gefolge es zur RAF kam. Nicht zufällig werden gerade heute Restprozesse zu diesem unerquicklichen Thema geführt.

Aber war es nicht das Gefühl der Menschen, falsch repräsentiert zu werden, das nach dem Abbrechen des Wirtschaftswunders 1960ff. zu breiter, militanter Opposition der Straße gegen das Regierungssystem der Bundesrepublik führte? War es nicht der mangelnde Konnex zwischen Regierenden und Regierten, der dahin führte? Adenauers Stern war bereits in der Bundestagswahl 1961 im Verbleichen. Eine Notfrist bis 1962/63 wurde ihm, unter Zähneknirschen, von seiner eigenen Partei gegönnt. Die „Personalsäge“ der CDU, anerkannt erbarmungslos, arbeitete bereits.

Im Grunde sind beide Situationen – 1965 und 2010 – vergleichbar. Die Politik erreicht das Volk nicht mehr. Der Aufstand der Straße ist die notwendige Folge. Wir wollen hoffen, dass mit „Stuttgart 21“ nicht gerade die unruhigen Jahre der Endsechziger erneut bereitwillig „vom Zaune gebrochen“ werden. Die Regierenden sagen: „Das tun die nicht“. Wie sehr haben sich Ludwig XVI., Zar Nikolaus II. und Wilhelm II. eben darin getäuscht. Hoffen wir auf einen Kurswechsel, denn wie kann sich ein Staat des Reichtums der Bundesrepublik leisten, Teile der Gesellschaft in die Hände der Extremisten zu treiben? Bismarck kam zur Invalidengesetzgebung, um den Sozialisten das Wasser abzugraben, nicht aber aus Agape.

Und das Beispiel der DDR, das einseitig gerade wieder einmal „gefeiert“ werden soll, weil angeblich das stärkere über das schwächere politische System gesiegt haben soll. Auf fatale Weise demonstriert gerade die Finanzkrise, dass es möglich ist, dass das neue Deutschland die gleichen Probleme bekommt, die zum Niedergang der DDR geführt haben.