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„Diesmal machen wirs mit den anderen“ (Europa), W. Schäuble Dt.Fernsehen, Sonntag 2002.

Donnerstag, September 15th, 2011

13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Ein dritter „Griff nach der Weltmacht“?, 4. Januar 2004
Von Ein Kunde / AMAZON.DE

Rezension bezieht sich auf: Weltmacht durch die Hintertür: Deutsche Nationalgeschichte in der Diskussion (Taschenbuch)

Der gewichtige Band von 529 Seiten, bringt die Aufsätze von vier Autoren, die unter dem Blickwinkel „Deutsche Nationalge-schichte in der Diskussion“ zusammengefasst wurden. Bernd F. Schulte, der Autor und Herausgeber, fasst darin vor allem seine kritische Sicht deutscher Politik vor 1914 zusammen.

Dass die Tagebücher von Kurt Riezler, die 1972 etwas unglücklich ediert wurden, kein authentisches Bild der Vorstellungen des verantwortlichen Reichskanzlers bei Kriegsausbruch 1914 enthalten, wird detailliert erörtert – und mit neuen Einsichten aus dem Briefwechsel Toni Stolper-Theodor Heuss belegt. Die Tatsache, dass diejenigen deutschen Historiker, die in den 60iger Jahren Fritz Fischer, Sch.’s Lehrer, mit allen Mitteln bekämpften, während des III.Reiches zu den „Schwerträgern“ des Systems zählten, richtet neue Schlaglichter auf das Funktionieren einer ganzen Wissenschaft. Deren kurz angebundenes Verfahren bei der Abhandlung von Problemen deutscher Geschichte mit dem Ersten Weltkrieg steht so im direkten Zusammenhang mit den vor 1945 dominierenden Leitvorstellungen deutscher Fachwissenschaft. Dass selbst im neuen Jahrhundert Fackelträger dieser Tradition Einfluss ausüben, erscheint schwer möglich, ist jedoch nach Sch’es Darstellung Fakt.

Sch. bleibt bei 1945 (und etwa Gerhard Ritter) nicht stehen, sondern zeichnet auch ein schwarz-weiss getöntes Bild heutiger Vorstellungen innerhalb der bundesdeutschen bewaffneten Macht. Fussend auf den „roten Fäden“, die Wolfram Wette aus der Produktion deutscher Kriegs- und Militärgeschichte bis 1945 zieht, John Moses Schlaglichtern auf den Bewusstseinsstand der Führungseliten des Kaiserreiches, und deren „Deutschem Weg von 1914“, wie Helmut Ottos Bild des ständisch-verkrusteten Militärtheoretikers Alfred Graf von Schlieffen, kann Schulte seine Theorie von dem ungebrochenen Fortleben des deutschen „Griffs nach der Weltmacht“(Fritz Fischer, 1961) – selbst über 1945 hinaus – schlüssig entwickeln. Dieser, wenngleich über das Vehikel Europa verwirklicht, wäre allerdings derart riskant, so Schulte, dass dies besser nicht Wirklichkeit würde.