Archive for Oktober, 2011

Was Röhls Kongreß nicht wissen wollte…Es geht um die Krisenkonferenzen im Kaiserreich.

Sonntag, Oktober 30th, 2011

Von Gerd Fesser 20.08.2011 / Signal auf Krieg
ANNOTIERT
Er ist ein Schüler des bekannten Hamburger Historikers Fritz Fischer, der in den 1960er Jahren nachwies, dass das Deutsche Reich die Hauptverantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges trug, un…

https://www.neues-deutschland.de/artikel/204840.signal-auf-krieg.html

Fritz Fischer : „Warum sprecht Ihr nicht zur Sache?“

Donnerstag, Oktober 27th, 2011

Wenn er das lesen würde, was in Welt und FAZ (26.10.2011, S. N3) aus seiner Wissenschaft gemacht wird. Fischer befindet sich nämlich fest in der Hand seiner Gegner. Und die beschäftigten sich in London, wie wenn das Thema Erster Weltkrieg gerade erst wissenschaftlich entdeckt worden wäre, ausschließlich mit Fachfragen wie der Problematik des Flottenbaues, der französischen Politik in der Julikrise 1914 (Hoch lebe das Itinerarium einer isolierten Krise) oder dem „persönlichen Regiment“ Kaiser Wilhelms II. (um nur einiges zu erwähnen). Fischer wurde also lediglich als Anlaß benutzt, um wieder einmal alles zurechtzurücken. Es ist mit Händen zu greifen, dass es auch und vor allem um die Interessen der Ausrichter und Finanziers ging, wie z.B. John Röhl (Brightoner Schule), der sich durch seine – auch über seine Schülerinnen – vertretene veraltete biographische Annäherung an 1914 eher den Blick auf Strukturen, Verhältnisse und übergreifende weltpolitische Bezüge verstellt.

Weiter sind Ausrichtung und Finanzierung – und damit die Auswahl der Diskutanten – nicht voneinander zu trennen. Zählte doch Röhl mit der „Kriegsratthese“ (1969) einmal zu den Gedankengebern Fischers. Das änderte sich seit dem Eulenburg-Editions-Deal mit Herzfeld schon 1978 und damit begann seine breite Absetzbewegung in Richtung „Kotau“ vor der konservativen deutschen Zunft. (vgl. Schulte, Rückbesinnen und Neubestimmen, 2000).

So wurde in London (interessanterweise am Deutschen Historischen Institut, auch ein Finanzier) wieder einmal eher um Fischer herum, als über und mit ihm diskutiert. Dies vor allem, und das ist natürlich auch dem Einfluß der Töpfer-Stiftung Hamburg zuzurechnen, da die Gegner Fischers, die Vertreter der „Düsseldorfer Schule“ Wolfgang Mommsens, mit am Tisch saßen (Krumeich, Afflerbach) . Diese wolle Fischer „weiterentwickeln“ (Foerster an Schulte, 2000) , so hieß das, zerstörte realiter jedoch seine Hamburger Schule.

Der Versuchung, Legendenbildung über Erlebnisse von Zeitzeugen (Assistenten Fischers) zu betreiben, entging man in London nicht. Aber auch die verschiedenen – so wie oben gekennzeichnet – Freunde Röhls, zu denen ja auch der Freiburger Historiker Deist zählte, was Vieles im Nachhinein erklärt, verhinderten, dass über Krisenkonferenzen, Funktionsweisen der Regierungsinstanzen des Reichs im Hinblick auf zielorientierte Entschlußfähigkeit gesprochen wurde. Stattdessen wurden mit einer übergroßen Zahl englischer, canadischer und amerikanischer Forscher die, nicht immer mit Fischer zu verbindendenden, komparatistischen Ansätze (und damit Verschleierungen) überbetont.

Der Peinlichkeit, sich mit Fischers NS-Vergangenheit zu beschäftigen, entging der Kongreß selbstverständlich nicht. Ein Tagebuch von ihm aus dem Jahre 1942 soll (so Röhl in der WELT) nun Aufschluß über Fischers Distanz zum III. Reich gegeben haben. Die Tatsache aber, dass diese Informationen erst ans Licht kamen, als der Vorwurf gegen die Gegner Fischers und dessen NS-Verstrickungen veröffentlicht wurden, zeigt in die richtige Richtung. Dies, zumal Fischer lediglich mit ein paar hundert Reichsmark von Francks Institut gefördert wurde (seine Aussage im Vorfeld meines Filmberichts im hr zum 88. Geburtstag 1988), wohingegen Zechlin – wie Fischer mir sagte – in Berlin ein großes Kolonialinstitut bekam und tausende RM-Zuwendungen des damaligen Staates erhielt. Zechlin machte seine Hochzeitsreise „im Mittelmeerraum“ 1941, als Fischer an der Front war (vgl. Schulte, Weltmacht durch die Hintertür). Der Leutnant Fischer und die Anstellung am Franckschen Institut bilden eine weitere bereitwillige Verquickung Nachlebender, die so nicht hingenommen werden muß.

Es ließe sich, als „Zeitzeuge“ (was konnte etwa Sösemann „bezeugen“, der gar nicht mit Fischer im Konnex stand?), bedingt durch 10 Jahre engster Zusammenarbeit, vieles sagen. Eines hätte Fischer, nach diesem Kongreß mit Sicherheit getan: er hätte auf den Tisch gehauen und gefragt: „warum sprecht Ihr nicht zur Sache?“ Denn ausschließlich darum ging es ihm.

13-15 October
The Fischer Controversy 50 Years On
International Conference
Venue: German Historical Institute London

In 2011 it will be 50 years since Fritz Fischer’s seminal work Griff nach der Weltmacht (Bid for World Power) was published. His theses had a monumental effect on German and international historiography as well as on Germany’s understanding of its more recent past.

The aim of this international conference is to examine both the significance of the so-called Fischer controversy, one of the most acrimonious historiographical debates of the 20th century, and the significance of Fischer’s work for our understanding of the origins of the war. Using his theses as a starting point, but expanding beyond his focus on Germany and Austria-Hungary, the conference papers will re-examine Fischer’s theses comparatively, and based on the latest research. Speakers from the US, Canada, Germany, Austria and Britain have agreed to deal with controversial issues such as the origins of the war, the war aims of the Central and Entente powers and their crucial political decisions. The conference will also address aspects of the historiographical controversy by highlighting the reception of his work in Germany as well as other European countries.

The organisers are grateful for the generous funding and support received by the German Historical Institute, London. In addition, the conference has been generously funded by The Journal of Contemporary History, the German History Society, the Open University, and the Toepfer Stiftung.

„Die Katze ist aus dem Sack“ – Oder was die USA wollen.

Dienstag, Oktober 25th, 2011

Wieder einmal kommentieren in der WELT vorwiegend die Parteigänger des US-amerikanischen weltpolitischen Interesses die Situation um das Euro-System in Europa. Die Auswahl der interviewten Spezialisten spricht für sich.

Denn, dass eine deutsche D-MARK – Revival ein Auskunftsmittel für Europa wäre, würde niemand mit Verantwortungsgefühl heute in Deutschland in den Mund nehmen. Bildet doch eine Durchlöcherung des mitteleuropäischen Anspruchs, eine Leitregion in der Welt zu sein, das Grundgesetz amerikanischer (1941-45), wie zuvor britischer (1914/1939) Welt- und Europapolitik, so kann dieser Ausgang – wie 1919 und 1945 – das Ergbnis dieses Abschnittes von heutiger Weltpolitik sein. Wir befinden uns in einem historischen Moment des „decision-making-process“: Wer wird Weltmacht sein – bleiben – werden? – So lautet die Frage. Nichts mehr oder weniger.

Bernd F. Schulte

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http://www.welt.de/wirtschaft/article13679229/Washington-Post-fordert-neue-D-Mark-fuer-Europa.html
Euro-Krise Autor: Ansgar Graw|
08:20

„Washington Post“ fordert „neue D-Mark“ für Europa
Die Qualitätszeitungen in den USA sind voll mit Berichten über die Euro-Krise: Einige raten Deutschland, sich schnell von der kollabierenden Währung abzuspalten.

Ein hartnäckiges Vorurteil will wissen, dass sich in den Vereinigten Staaten selbst die Gebildeten nicht für das Ausland interessieren. Wäre aber der Horizont der Weltmacht wirklich ausschließlich auf die 50 US-Staaten beschränkt, würden beispielsweise die Macher der „New York Times“ ihren Lesern kaum eine ausgesprochen differenzierte Auslandsberichterstattung gleich auf den ersten sechs Seiten jeder Ausgabe zumuten, bevor es zur Innenpolitik geht.

Merkel informiert über die Rettungspläne
Andere Qualitätszeitungen, von der „Washington Post“ bis zum „Wall Street Journal“, beleuchten Entwicklungen im „Rest der Welt“ kaum weniger ausführlich. Das Interesse vor allem der amerikanischen Eliten an Entwicklungen im „Rest der Welt“ ist also immens. Derzeit steht der taumelnde Euro weit oben auf der Agenda. Und oft ergänzen kühne Ratschläge die Nachrichten und Analysen.

Merkel über den Euro-Gipfel
Zum Beispiel dieser: „Aber an einem bestimmten Punkt müssen eine Nation und ein Volk tun, was notwendig ist, um die eigenen Interessen zu schützen, und das versuchen die Deutschen“, kommentierte die „Washington Post unter der spektakulären Überschrift „Europas Retter: Eine neue Deutsche Mark.“ Der Kommentator, nach angelsächsischer Methode namentlich nicht identifiziert, befindet, dass „lebensfähige Volkswirtschaften sich von der kollabierenden Euro-Währung abspalten müssen“. Unter Berufung auf Vorschläge des früheren BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel empfiehlt das Blatt die Bildung einer neuen Währung rund um Länder wie Österreich, Finnland und die Niederlande mit Deutschland als Kraftzentrum.

„Teutonic phobia“, also die „Angst vor den Teutonen“, würde mutmaßlich verhindern, „dass die neue Währung Deutsche Mark genannt wird, aber jeder wüsste, dass es genau das ist“, fährt der Kommentar fort. Zwar würden die Franzosen „ausflippen bei der Aussicht, Berlin könne den Euro aufgeben, denn das würde bedeuten, dass sie mit all den Verlierer-Volkswirtschaften des Südens hängen bleiben würden“.

So bewerten Ökonomen die Euro-Krise
Hans-Werner Sinn
Präsident des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo):
Ich hoffe, dass die beiden geplanten Gipfel platzen. Was dort beraten werden soll, ist doch nur, wie das deutsche Portemonnaie weiter geöffnet werden kann, um die Finanzanleger zu beruhigen und den Schuldenstaaten eine Fortsetzung der Verschuldung zu ermöglichen.
Wir werden ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Die Politik sollte aufhören, dem vielen in Griechenland verdorbenen Geld immer mehr neues Geld hinterher zu werfen.
Griechenland ist seit 2008 pleite, denn seitdem finanziert sich das Land mit der Druckerpresse und über Rettungsschirme. Es wird Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen.
Vorher müssen die Euro-Regierungen ihre Banken aber durch Aufkauf neuer Aktien rekapitalisieren, damit sie die Abschreibungsverluste auf griechische und evtl. portugiesische Papiere leichter wegstecken können. Das sollte das Thema auf den beiden Gipfeln sein.

Barry Eichengreen
University of California at Berkeley:
Die große Gefahr ist, dass die Märkte enttäuscht werden. Jeder wartet jetzt darauf, dass die Politik die Banken rekapitalisiert und schusssicher macht und dass die EFSF genügend Geld hat, um auch Italien und Spanien zu schützen. Die Situation ist inzwischen sehr gefährlich und die Politik hat kaum noch Gestaltungsspielraum. Die Euro-Zone ist gelähmt, weil die Regierungen uneins über die weitere Strategie sind.
Die Euro-Länder benehmen sich wie eine zerüttete Familie, die sich ständig streitet.
Europa braucht offenbar erst eine so kritische Situation wie 2008, als die Pleite von Lehman Brothers bevorstand, bis die Politiker sich zusammenraufen und tun, was getan werden muss.
Die Lage ist nicht rosig. Die europäische Politik ist sich einig was nötig ist: eine Bankenrekapitalisierung, ein Schutzwall um Spanien und Italien und ein Schuldenschnitt für Griechenland. Aber die Regierungen sind sich nicht einig, wie sie vorgehen sollen. Das ist in der jetzigen Situation gefährlich.
Ich erwarte nicht, dass Europas Politiker uns nach den Gipfeln die Superwaffe für die Schuldenkrise präsentieren werden.
Ich rechne mit vielen allgemeinen Ankündigungen und noch mehr Krisentreffen, um bis zum Gipfel der G-20 am ersten Novemberwochenende eine Lösung zu präsentieren.

Simeon Dyankov
Finanzminister und stellvertretender Premierminister (Regierungschef) von Bulgarien:
Die beiden Gipfel müssen weitreichende Entscheidung. Wenn die Euro-Zone bis Mittwoch keine substantielle Entscheidung vorlegen kann, wird sich die Situation für Griechenland verschärfen; dann wird das Land einen Schuldenschnitt von 80 oder 90 Prozent brauchen.

Markus Brunnermeier
Professor an der Universität Princeton:
Es ist richtig, dass die Politik die Erwartungen gedrückt hat. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass die Märkte rapide an Vertrauen verlieren und die Situation sich stark verschlimmert, wenn der große Wurf jetzt ausbleibt.
Die Politik muss den Märkten eine langfristige Perspektive geben; anders werden die Probleme nicht gelöst. Wenn die Banken stabilisiert sind, stabilisiert sich das ganze System.
Die Politik muss den Tatsachen ins Auge sehen, ehrlich sein und sagen, dass Griechenland einen Schuldenschnitt braucht und bekommt; 50% wären nötig.

Alberto Alesina
Professor für Politische Ökonomie in Harvard
italienischer Staatsbürger, Fiskalexperte:
Es wird immer klarer, dass diese Krise nicht auf der europäischen Ebene gelöst werden muss, sondern in den betroffenen Ländern.
Von den Euro-Partnern kann Hilfe kommen, aber letzten Endes müssen die betroffenen Regierungen die nötigen Haushalts- und Strukturreformen anpacken und damit die Märkte überzeugen.
Selbst wenn sich die Regierungen der Euro-Zone darauf einigen, die Wirkung des EFSF zu erhöhen, würde das zwar die Märkte für eine Weile beruhigen.
Aber wenn Griechenland, Italien und Spanien ihre Haushalte und ihre Wirtschaft nicht in die richtige Richtung reformieren, werden die Märkte bald wieder nervös werden.
Die europäischen Lösungen können den betroffenen Ländern immer nur Atempausen geben, die Märkte können nur überzeugt werden, indem die nationalen Regierungen ihre Volkswirtschaften wachstumsfähiger machen.

Gustav Horn
Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung:
Ich habe meine Erwartungen an den Gipfel deutlich heruntergefahren. Es wird nicht viel Zählbares herauskommen, die Differenzen zwischen Deutschland und Frankreich sind zu groß.
Die politische Uneinigkeit wird zu erheblichen Marktturbulenzen führen, die Investoren könnten in den kommenden Tagen panisch reagieren.
Eine weitere finanzielle Aufstockung des Rettungsfonds über einen Hebel macht keinen Sinn. Die Debatte geht am Kern des Problems völlig vorbei.
Keine Währung der Welt überlebt, wenn die Zentralbank nicht hinter ihr steht.
Deshalb gibt es nur eine Lösung für die Krise: Die EZB muss glaubwürdig erklären, dass sie im Notball unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen wird. Nur dann ist der Fond glaubwürdig genug, die Märkte zu beruhigen.

Clemens Fuest
Finanzwissenschaftler Oxford:

Der Gipfel wird nicht den großen Durchbruch bringen. Allerdings kann er das auch nicht, es gibt nicht das eine Patentrezept gegen die Krise.
Die Politik dürfte die Sparauflagen für die Krisenstaaten abermals verschärfen und die Pläne für eine Hebelung des Versicherungsmodells konkretisieren. Eine Klärung der Griechenland-Krise erwarte ich dagegen nicht.
Die Panik auf den Finanzmärkten wird weitergehen, die Anleger werden sich weiter um Italien und Spanien sorgen. Direkt nach dem Gipfel erwarte ich aber keine neuen Turbulenzen an den Börsen.
Es muss endlich ein klarer Fahrplan her, wann und wie die Hilfen für die Euro-Krisenstaaten abgebaut werden sollen.
Außerdem muss Griechenland umgeschuldet werden, vielleicht auch Portugal.
Darüber hinaus muss die Politik schleunigst einen Plan für die Bankenrekapitalisierung vorlegen.

Thomas Mayer
Chefvolkswirt Deutsche Bank:
Ich habe meine Erwartungen an den Gipfel heruntergeschraubt, der große Durchbruch wird nicht kommen.
Krisenmanagement allein reicht nicht, es muss auch Anpassungen in den Peripherie-Staaten geben. Und die brauchen Zeit.
Die Entschuldung senkt das Wachstum in den Ländern, gleichzeitig nimmt die Konjunkturunsicherheit zu. Die Länder sind wie ein Flugzeug auf Tiefflug, das ständig zu crashen droht.
Die Politik will mit einer Teilkasko-Versicherung wieder mehr Anleger zum Kauf von Staatsanleihen bewegen. Die Versicherungslösung könnte allerdings die Kapitalprobleme italienischer Banken verschärfen.
Wenn der Wert der alten Staatsanleihen ohne Versicherung sinkt, bekommen italienische Banken im Repomarkt der Banken untereinander wegen höherer Abschläge dafür weniger frisches Geld.
Da die Banken hohe Bestände an Altbonds halten, droht ihnen dadurch eine Finanzierungslücke.

Holger Schmieding
Chefvolkswirt Berenberg Bank:
Bekommt die Politik die Euro-Krise nicht in den Griff, droht der Eurozone eine Lehman-Krise hoch Zehn.
Bekommt die Politik die Krise erst im nächsten Frühjahr in den Griff, wird Deutschland im Winter wohl für kurze Zeit in eine Rezession rutschen.
Die Anleger sind verängstigt. Sie sehen Griechenland als Präzedenzfall für Italien. Deshalb ist die Ansteckungsgefahr, die von Griechenland auf die anderen Euro-Krisenstaaten ausgeht, immens.
Eine Umschuldung Griechenlands würde auch Deutschland in eine längere Rezession stürzen. Diese würde Deutschland 30 bis 50 Milliardeb Euro kosten.

Carsten Patrick-Meier
Kiel Economics:
Der Konvergenzprozess ist in Gang. Die Peripheriestaaten werden wettbewerbsstärker, während Deutschlands Stärke doch höhere Lohnabschlüsse leicht erodiert.
Man muss den Ländern einfach die Zeit geben, ihre Schwächen wettzumachen.
Griechenland ist wie Polen. Wenn das Land die harten Reformen hinter sich gebracht hat, ist es durch aus im Stande jährlich um vier oder fünf Prozent zu wachsen.

Manfred Neumann
Geldpolitik-Experte:
Mit den jetzigen Maßnahmen werden wir die Krise nicht lösen. Kapital aus Griechenland wandert ab, junge Griechen verlassen das Land.
Es gibt nur einen Ausweg: Griechenland muss umgeschuldet und raus der Währungsunion. Das Land muss aus der Währungsunion wie ein faules Stück aus einem Apfel herausgeschält werden.
Ich bin gegen eine Hebelung. Die Politik überschätzt ihr Potential. Außerdem bricht die ganze Konstruktion zusammen, sollte Frankreich sein Triple-AAA-Rating verlieren.
Besser wäre es, die Euro-Staaten vergeben Kredite zu seinem durchschnittlichen Zinssatz aller Euro-Staaten.
Wenn die Euro-Zone die Krisenländer noch weiter subventionieren will, könnte sie Zinsen zu Triple-AAA-Konditionen vergeben.
Das würde jährlich acht bis elf Milliarden Euro an zusätzlichen Zinskosten ausmachen. Auf Deutschland entfielen drei Milliarden Euro pro Jahr, rund ein Prozent des Haushalts.
Darüber könnte der Bundestag abstimmen. Das wäre auch wenigstens transparent
Doch die Gründung einer „Kraut-Mark“, wie die mögliche neue Währung mitunter despektierlich genannt werde, käme auch den in der Euro-Zone verbleibenden Ländern zugute, argumentiert die „Washington Post“ erneut unter Berufung auf Henkel. „Ein niedriger bewerteter Euro würde die Wettbewerbsfähigkeit der verbleibenden Länder verbessern und ihr Wachstum stimulieren.“

Schulden- und BIP-Entwicklung sowie Schuldenstand in Schulden- und BIP-Entwicklung sowie Schuldenstand in Griechenland

Das werde die „Exporte aus den nördlichen Ländern“, also rund um Deutschland und die neue Währung, beeinträchtigen, „aber dafür hätten sie eine geringere Inflation“. Unterm Strich, so die politisch ausgewogene „Washington Post“, gelte mithin: „Die Gründung einer neuen, auf der Mark basierenden Währungsunion unter der Beteiligung von Volkswirtschaften aus dem Norden, die eine strenge Finanzkontrolle aufrecht erhalten, könnte helfen, einiges zu retten, wenn der nächste wirtschaftliche Tsunami Europa trifft.“

Der Rat, Deutschland möge im Sinne seiner eigenen Interessen und zum Wohle des gesamten Europa aus dem Euro aussteigen, liegt weit entfernt von dem, was der US-Präsident fordert. Barack Obama und sein Finanzminister Timothy Geithner haben in den vergangenen Wochen und Monaten wiederholt mehr Bereitschaft von Kanzlerin Angela Merkel gefordert, Griechenland finanziell zu stützen und die Schuldenlöcher im Euro-Raum durch höhere Staatsausgaben zu stopfen.

New York Times fordert mehr Unterstützung für Griechenland
Ganz auf Obamas Linie liegt die „New York Times“ bei der Betrachtung der Euro-Krise. „Wacht Frau Merkel rechtzeitig auf?“, fragte das linksliberale Blatt am Samstag bangend. Der – ebenfalls anonyme – Kommentator zitierte Altkanzler Helmut Schmidt, der in eine Rede in Frankfurt eine pointierte Nachricht an seine Nachfolgerin gepackt habe, als er sagte: „Natürlich müssen die Starken den Schwachen helfen.“ So wie Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA unterstützt worden sei, dürfe Deutschland jetzt Europa nicht „ausnutzen“.

Euro-Länder wollen Paket zur Abwehr der Schuldenkrise schnüren
Die „New York Times“ fügt an: „Wir hoffen, Frau Merkel beherzigt seinen Rat.“ Doch bislang beteilige sich Deutschland nicht entschieden genug an einem Gesundungsplan für Griechenland und an Maßnahmen, um Spanien oder Italien gegen eine ähnliche Schuldenkrise zu wappnen, klagt das Blatt. Unter völliger Verkennung der Rolle des Bundesverfassungsgerichts und seiner Entscheidung vom September zur Griechenland-Hilfe heißt es weiter, Merkel habe sich „den Anti-Europa-Konservativen in ihrer Koalition gebeugt, indem sie zustimmte, dass alle weiteren deutschen Beiträge zu europäischen Hilfsmaßnahmen vorab dem Parlament vorgelegt werden“.

Zwischen zwei und drei Billionen Dollar (1,4 bis 2,1 Billionen Euro) seien allein notwendig, um Italien und Spanien vor dem Kollaps zu retten, so schätzt das Blatt aus der Finanzmetropole. Fänden die europäischen Regierungen nicht zu einem robusten Plan, wäre Deutschland am Ende „einer der größten Verlierer“.

Banken sollen Griechenland stärker entlasten
Denn, so die „New York Times“, weiter: „Das erzählt Frau Merkel ihren Bürgern nicht: Ein Europa, das sich durch Sparmaßnahmen und Rezession auf eine Abwärtsspirale begibt, wird weniger deutsche Exportwaren kaufen. Eine ungeordnete griechische Zahlungsunfähigkeit und ein Niedergang Spaniens, Italiens und Frankreichs könnten den Euro bersten lassen und Deutschland einen viel weniger wettbewerbsfähigen Umtauschkurs bescheren, als es heute genießt. Der Schaden für die Europäische Union, die Deutschlands Reintegration nach dem Krieg erleichtert hat, wäre enorm.“

Die Auswirkungen eines Scheiterns der jungen Gemeinschaftswährung auf die Weltmärkte und Weltwirtschaft wird von Wissenschaftlern, Journalisten und Politikern in den USA gleichermaßen betont. Über den zielführenden Umgang mit der Krise sind die Beobachter allerdings ebenso uneins wie die Experten in Europa selbst.

Ein Meisterwerk – Fritz Fischer, 50 Jahre danach (1961-2011).

Sonntag, Oktober 23rd, 2011

Um den Beginn der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, brach Karl-Heinz Janßen von der ZEIT wiederholt Barrieren in den Köpfen konservativer deutscher Historiker ein, die immer noch versuchten, die Thesen des Hamburger Historikers Fritz Fischer niederzukämpfen.

Diese neue Kontroverse um den Kriegsausbruch 1914 sollte 1983/85 in der Riezler-Tagebuch-Affaire gipfeln, die nicht zuletzt Bernd F. Schulte aufdeckte. Der Band „Vor dem Kriegsausbruch 1914“ beschäftigt sich, im Vorfeld dieser Diskussion, mit der Rolle und Bedeutung des sog. „Kriegsrates“ in Berlin vom 8. Dezember 1912. Noch war nicht bekannt, dass dieser in der Folge einer Reihe von „Krisenkonferenzen“ stand, wie Schulte diese Erscheinung im Regierungssystem des Königreichs Preußen und des Deutschen Reiches, 1982 dann nennt. Gleichwohl arbeitet dieser Band, im Vorfeld einer damals von Sch. geplanten, umfassenden Darstellung der unmittelbaren Kriegsvorbereitung des Deutschen Reiches, heraus, wie unmittelbar diese Konferenz beim Kaiser in Maßnahmen der Ministerien und Ämter (bis in die Mobilmachung der Rüstungsindustrie) mündete. Dies vor Kurzem (30 Jahre danach!) noch nicht geschehen.

Andererseits deutete dieser Band auf den zweiten Schwerpunkt hin, den die erwähnte größere Darstellung hätte vorführen sollen: die stratgische Entwicklung seit 1870(88). Die Aufmarschpläne des jüngeren Moltke, seit 1905/06, die Bedeutung Schlieffens w ä h r e n d seiner Dienstzeit und die politisch-diplomatisch-militärischen Verschiebungen der Jahre vor 1914, die sich unmittelbar miliärstrategisch auswirkten. Dass hier der Balkanraum entscheidenden Einfluß auf die veränderte Lage dieser Jahre hatte, wird zum Dreh- und Angelpunkt der Darstellung. Gerade die Reflexe, die dieser Wandel in der deutschen Rüstungspolitik ausübte, die auf den Krieg in unmittelbar bevorstehender Zeitspanne einschwenkte, wird hier exemplifiziert.

So handelt es sich hier quasi um ein „Marschtableau“, das die Richtung künftiger Arbeiten Sch.’s enthielt. Doch diese entstanden, bedingt durch den Widerstand konservativer Hamburger Historiker, an Universität und Bundeswehrhochschule, nicht.
– Inzwischen wird dieses jedoch systematisch abgearbeitet.

The fundamentally conspiratorial quality of Anglo-American political authority.

Samstag, Oktober 22nd, 2011

June 23, 2011 By Reg Little
CONJURING HITLER

How Britain and America Made the Third Reich
By Guido Giacomo Preparato, Published by Pluto Press
336 pages, paperback

Conjuring Hitler is a commanding rewrite of many of the central mythologies of the 20th century. By Guido Giacomo Preparato, Assistant Professor of Political Economy at the University of Washington, it offers sweeping evidence that commanding figures opposed to Anglo-American interests in the 20th century, Lenin as well as Hitler, were the carefully crafted products of British political machinations.

These appear to have been inspired by the basic need to master the Eurasian landmass in order to maintain Britain’s naval-power based global order – a challenge identified by the British geographer, Halford Mackinder.

Were this reviewer not familiar with William Engdahl’s A Century of a War: Anglo-American Oil Politics and the New World Order and The Gods of Money: Wall Street and the Death of the American Century, many of the constructions in Conjuring Hitler may have seemed to demand too substantial a suspension of disbelief.

Considered together, however, these works all tend to confirm the central thesis of Conjuring Hitler, namely the fundamentally conspiratorial quality of Anglo-American political authority. This, of course, is a theme with substantial contemporary relevance, particularly when evaluating the morass of small wars in which the United States has become entangled.

While arguing powerfully and persuasively that the United Kingdom achieved much of what it set to do with Adolf Hitler, Preparato remarks only in passing, in conclusion, on the ultimately self-defeating nature of these stratagems. After all, World War II effectively stripped the United Kingdom of the remains of its Empire and subordinated it to the United States.

Equally, the United States has followed the model, using “terrorism” to give some legitimacy to wars of choice, only to find itself unable to win them even as these engagements drive it into bankruptcy.

Engdahl and Preparato almost seem to be the originators of a new genre of history – the re-evaluation of the success, grandeur, folly and failure of Anglo-American Empire. The beginning of Preparato’s brief concluding chapter reads:

“The elimination of the German menace of 1900 cost Britain dearly: her empire, her military and economic strength. Yet the English speaking idea, the imperial creed and the cultivation of the oligarchic bent were all traits that she bequeathed upon her natural, insular heir: they live on in the American establishment. Britain’s was a conscious decision; she knew the risks involved.

“The present geopolitical policy of the United States is a direct and wholly consistent continuation of the old imperial strategy of Britain. It is that unmistakable cocktail of aggression, subversion and mass murder waged at the vital nodes of the landmass from Palestine and Central Asia to the gates of China, in Taiwan and Korea, that seeks to undermine any movement towards a confederation of nations capable of turning the continental base into a Eurasian league of socio-political co-operation and defense (against Anglo-American assault).

“It took two world conflicts to destroy the German threat. World War I was a conventional siege in which the British Empire sacrificed roughly 1 million men – the first bloodletting that shook the establishment to its foundations. In the second round, which was necessary given that World War I had in fact left the Fatherland unscathed, no such effusion would have been tolerable – Britain would sacrifice 400,000 soldiers in World War II. So deception was deployed on a major scale to trip the Nazi into the inescapable war on two fronts.”

The measure of British success might be identified by the fact that the Soviet Union sacrificed 20 million and Germany 3.5 million civilians.

Elsewhere in his conclusion, Preparato writes:

“Besides, the Bolsheviks owed virtually everything to the West: the deposition of the Czar, the timing of Rasputin’s death, the political void after Kerensky, the slush funds – German and otherwise, the double crossing of the Whites, capital equipment, giant investments, military know-how…”

And:

“…..if all the foregoing is true, then it is just to lay direct responsibility for incubating Nazism and planning World War II, and indirect responsibility for the holocaust of the Jews, at the door of the Anglo-American establishment.”

This review cannot give an adequate summary of the volume of evidence that Preparato marshals in support of these conclusions. His somewhat flourishing style of writing can be both incisive and mysterious but overall it is difficult not to feel that he has advanced a convincing case that commands both respect and condemnation of British policy making.

In the process of dissecting the policies and personalities of Europe in the first half of the 20th century, Preparato gives a fascinating insight into the role of key figures at the heart of the financial “grid” that dictated most important developments on the continent.

Again, his writing seems to have relevance to contemporary financial interactions, except that there no longer seems to be any central figures in the West who exude comparable authority and competence.

Of course, the 1920s and 1930s included periods of considerable financial and economic distress, but it is hard to avoid the conclusion that these were often, like the rise of Hitler, the consequence of conscious and deliberate policies.

Preparato can seem to attribute to the British a little too much control over the process of events. He succeeds, nevertheless, in demonstrating that much of the commonly accepted demonic image of Hitler is the product of the victor’s propaganda. This totally obscures the manner in which the Nazis were continuously duped by those from a much richer culture of political intrigue.

The importance of Preparato’s (and Engdahl’s) work rests in the manner in which they are revising long unquestioned truths. They are proposing a narrative that could become increasingly popular as the international constructs put in place after the end of World War II become the object of increasing stress, criticism and re-evaluation. This includes the whole United Nations institutional framework.

It may, however, first become apparent within the European Union, where the economic strength of Germany is increasingly required to rescue many weak and dependent partners, all shepherded willy-nilly into the Western alliance – or the so-called “international community.”

Having been encouraged to re-examine the past geopolitical machinations of the Anglo-American world, could Germany discover that Eurasia offers it more opportunities than the Atlantic world to which it was subordinated in 1945?

– Reviewed by Reg Little in New Dawn 127
http://www.newdawnreviews.com/conspiracies-and-cover-ups/conjuring-hitler-how-britain-and-america-made-the-third-reich/

DIE WELT: Kassandra geht weiter um.

Sonntag, Oktober 16th, 2011

http://www.welt.de/wirtschaft/article13662789/Der-Anfang-vom-Abschwung-der-Wirtschaft-ist-da.html

„Niemand will eine Krise herbeireden“, so behauptet die WELT jetzt. Aber dennoch: Diese Zeitung spielt mit dem Feuer. Aus dem Transportgewerbe heraus wird der allgemeine Konjunkturabschwung in Deutschland konstruiert. Das, und ungeschützte Behauptungen zu Konjunkturvoraussagen – und deren Verläßlichkeit, verunsichern deutsche Verbraucher, die produzierende Wirtschaft und redet damit die Konjunkturbaisse herbei.

Glaubt die WELT tatsächlich, dass der Aufschwung, geboren aus dem Rückschlag nach 2008, tatsächlich ewig andauern könnte? Hier wird, in naivem Beschreiben von begrenzten Einzelaspekten, rasch global verallgemeinert. Das ist Brandstiftung am Haus der deutschen Binnenkonjunktur.

Wie soll eine abflachende Kurve des Außenhandelserfolgs durch den Binnenmarkt aufgefangen werden, wenn das Zutrauen der Verbraucher derart unterminiert wird? –

Und diese Zeitung erscheint auch noch in Berlin!