Wie’s die USA sehen: Deutschlands „inoffizielles Wirtschaftsimperium in Mitteleuropa“.

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58233

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem „Small Wars Journal“ wird seit dem 29.11.2011 die Meinung vertreten, Europa solle durch Deutschland regiert werden wie das Deutsche Reich durch Preußen.

Deutschland, und damit Europa, stünden gegen die USA und China. Deutschland strebe, quasi durch Europa, „nach einer globalen Führungsrolle“. Diese Meinung vertritt, das ist nicht ohne Bedeutung, ein Amerikaner. Die Urangst der transatlantischen Bündnispartner USA und Großbritannien, Eurasien – das heißt Deutschland plus Sibirien, Zentralasien und Russland – sei nicht zu dominieren ( aus dem Jahre 1900/ Macinder), wird hier neu aufgenommen. Corn („langjähriger politischer Berater der Washingtoner Diplomatie“/Foreign Service Institute der US-Regierung) unterliegt, bei der Abwehr einer solchen Theorie, der Täuschung, die reine Zahl der Chinesen bedeute zugleich deren ökonomische und organisatorische Überlegenheit. Dass dies nicht so sein muß, gerade bezogen auf kommunistische Staatsgebilde, hat uns der Zusammenbruch der UdSSR 1991 demonstriert. Somit erscheint es durchaus nicht ausgemacht, dass die 82 Millionen Deutsche (plus den Rest Europas) nicht den Chinesen Widerpart leisten könnten.

Unzweifelhaft besitzt die Wirtschaft, beim Wiederaufstieg Deutschlands, eine zentrale Funktion. Es ist zugleich eine Plattitüde internationaler Beziehungen, dass Staaten ihren wirtschaftlichen Einfluss auch in der Außen- und Militärpolitik zur Wirkung bringen. Wenn Deutschland ein „Konzept der Geo-Ökonomie“ besäße, wäre dies nur zu begrüßen. Aber, das Funktionieren des europäischen wirtschaftlichen Bundes zu optimieren, als Bestreben hinzustellen, einseitig deutsche Exporte zu bevorzugen, und damit die deutsche Konkurrenzfähigkeit gegenüber China zu optimieren, dreht den Zusammenhang einseitig mit dem Gesicht gen Osten. Erzeugt also eine Konkurrenz Deutschlands mit China, die typischerweise – zum Leidwesen der Amerikaner und Engländer – nicht besteht. Dass die deutsche Europapolitik wirtschaftlich im Augenblick zu Härten gegenüber Staaten führt, die durch eigenes Wirtschaften in eine Überschuldungs-Lage geraten sind, ist nicht zu leugnen, stellt aber die bittere Medizin dar, die Europa insgesamt schlucken muss, wenn es künftig bestehen will. Deutschland zahlt dafür, nicht zuletzt, mit verloren gegangenen Exporten.

Dass die Amerikaner die Entwicklung der Europäischen Union zu einer zentral organisierten und geführten Fiskalunion stört, liegt auf der Hand, denn eine politische Union Europas (mag diese auch von Berlin „geführt“ sein) bildet eine Konkurrenz für den Weltmachtstatus der USA. Hierfür das Beispiel der Verpreußung Deutschlands nach 1871 anzuführen, bleibt blass. Interessanter erscheint hier schon der Hinweis auf die „enge außenpolitische Kooperation (Berlins) mit Moskau” (vergleiche wiederum Macinder 1900 – und Bismarcks Außenpolitik 1871-79, wie Bethmann Hollwegs, Nov. 1910 bis Febr. 1914), denn diese würde den außenpolitischen Interessen Washingtons prinzipiell zuwiderlaufen. Erneut blickt Corn mit besonderem Interesse, auf die vermeintliche Konkurrenz zwischen Deutschland und China. Auch sucht er die Beziehungen Deutschlands zu den übrigen EU-Staaten ganz unter dem Bild eines Gewaltverhältnisses zu problenatisieren. Das Bild vom „Zwang“, dass hier benutzt wird, steigert sich sogar zu der Assoziation vom „sanfteren, freundlicheren ‘Anschluss’”. Es wird geradezu anrüchige Nähe zum historischen Beispiel erreicht – und damit eine Grenze des Geschmacks berührt.

Was allerdings das State-Departement als Leitbild für die weitere Gestaltung Europas vorschwebt, enthüllt Corn, indem er auf das Habsburgerreich von 1866 bis 1918 hinweist, das „den Geist Europas [ge]atmet[e]“ habe. War es doch Österreichs Inkontinenz, die im Juni 1914 in Berlin bewußt wurde, und zu Entscheidungen veranlaßte. Ganz in die Diktion der USA von 1916/18, und 1941/45 verfällt er, wenn von „dem brutal germanisierenden deutschen Kaiserreich“ geschrieben, und davor gewarnt wird, in Berlin das von den USA gefürchtete Phantom zu verfolgen, “aus der Europäischen Union ein größeres Kaiserreich“ machen zu wollen.

Weit entfernt davon, die Augen vor den Gefahren einer weiteren Ausgestaltung und Entwicklung der Europäischen Union, hin zu einem Bundesstaat, verschließen zu wollen, denn dies würde endgültig bedeuten, dass Europa als mögliche Weltmacht „den Handschuh in den Ring” würfe, ist doch zu sehen, dass wir uns bereits mitten im Konflikt mit den USA um den Weltmachtstatus Europas befinden. Dies zeigen die hier behandelten Artikel, die als Mahnung davor, diesen Weg weiter zu verfolgen, interpretiert werden können. Soll doch auf diese Art offenkundig Sand in das anlaufende Getriebe von Reformen der EU, hin zu einem zielgerichteter organisierten Staatenverbund, gestreut werden. Abgelebte Animositäten, zwischen den Mitgliedern der Europäischen Union wiederzubeleben, erscheint Washington dafür offenkundig geeignet.

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