Archive for Januar, 2013

Handelsblatt zu Perspektiven des Euro.

Donnerstag, Januar 24th, 2013

Teil III eines für die nächsten Monate bedeutenden Interviews.

Teil I: „Der Euro wird massiv abwerten“…
Teil II: „Es kann mächtig in die Hose gehen“ (direkt lesen: s.u.)
Frage: „Die aufstrebenden Volkswirtschaften wollen nicht genug aufwerten“

Das sehen die Schwellenländer anders. Dort leiden die Menschen unter einer zu starken Aufwertung ihrer Währungen.
Das sehe ich nicht so. Was wir erleben, sind große Umwälzungen unter den globalen Volkswirtschaften. Die größte Dynamik ist in den asiatischen Volkswirtschaften. Je stärker diese Länder werden, desto mehr müssen sie bereit sein, ihr Geschäftsmodell anzupassen. Bislang wurde das Wachstum stark durch Exporte getrieben, gestützt durch unterbewertete Währungen. Künftig muss die Inlandsnachfrage das Wachstum treiben, zugleich müssen die Länder die Währungen aufwerten.

Frage: Das Problem sind also nicht die entwickelten Volkswirtschaften, sondern die aufstrebenden?

Ich will es mal so sagen: Das Problem ist nicht, dass Dollar, Euro oder Yen abwerten, sondern, dass die aufstrebenden Volkswirtschaften nicht genug aufwerten wollen. Auf lange Sicht müssen diese Länder aufwerten.

Ratings der größten Volkswirtschaften der Welt

USA
China
Japan
Deutschland
Frankreich
Vereinigtes Königreich
Brasilien
Italien
Russland
Indien
Kanada
Australien
Spanien
Mexiko
Südkorea
Indonesien
Niederlande
S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ
Moody’s Rating: Aaa
Ausblick: Negativ
Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Türkei
Saudi-Arabien
Schweiz

Frage:
An welche Länder denken Sie?

An die Exportmaschinen aus Asien: Südkorea, Taiwan, Malaysia, Indonesien. Auch die Philippinen stehen vor einer Aufwertung. Das sind auch die Länder, deren Währungen für Anleger interessant sind.

Frage: Was ist mit China?

China lässt den Renminbi zurzeit zwei, drei Prozent pro Jahr aufwerten.

Frage: Wann wird Chinas Währung frei handelbar sein?

Das wird wahrscheinlich noch fünf Jahre dauern – also etwa zur selben Zeit, wenn China zum Defizitland wird. Sobald der Renminbi frei konvertierbar ist, wird er schnell an Bedeutung als Reservewährung gewinnen – zu Lasten von Dollar und Euro. Das ist letztlich unumgänglich.

Vielen Dank für das Gespräch

Auszug aus: Handelsblatt Morning Briefing

Interviewed wurde:
Hans Redeker