Wenn er das lesen würde, was in Welt und FAZ (26.10.2011, S. N3) aus seiner Wissenschaft gemacht wird. Fischer befindet sich nämlich fest in der Hand seiner Gegner. Und die beschäftigten sich in London, wie wenn das Thema Erster Weltkrieg gerade erst wissenschaftlich entdeckt worden wäre, ausschließlich mit Fachfragen wie der Problematik des Flottenbaues, der französischen Politik in der Julikrise 1914 (Hoch lebe das Itinerarium einer isolierten Krise) oder dem „persönlichen Regiment“ Kaiser Wilhelms II. (um nur einiges zu erwähnen). Fischer wurde also lediglich als Anlaß benutzt, um wieder einmal alles zurechtzurücken. Es ist mit Händen zu greifen, dass es auch und vor allem um die Interessen der Ausrichter und Finanziers ging, wie z.B. John Röhl (Brightoner Schule), der sich durch seine – auch über seine Schülerinnen – vertretene veraltete biographische Annäherung an 1914 eher den Blick auf Strukturen, Verhältnisse und übergreifende weltpolitische Bezüge verstellt.
Weiter sind Ausrichtung und Finanzierung – und damit die Auswahl der Diskutanten – nicht voneinander zu trennen. Zählte doch Röhl mit der „Kriegsratthese“ (1969) einmal zu den Gedankengebern Fischers. Das änderte sich seit dem Eulenburg-Editions-Deal mit Herzfeld schon 1978 und damit begann seine breite Absetzbewegung in Richtung „Kotau“ vor der konservativen deutschen Zunft. (vgl. Schulte, Rückbesinnen und Neubestimmen, 2000).
So wurde in London (interessanterweise am Deutschen Historischen Institut, auch ein Finanzier) wieder einmal eher um Fischer herum, als über und mit ihm diskutiert. Dies vor allem, und das ist natürlich auch dem Einfluß der Töpfer-Stiftung Hamburg zuzurechnen, da die Gegner Fischers, die Vertreter der „Düsseldorfer Schule“ Wolfgang Mommsens, mit am Tisch saßen (Krumeich, Afflerbach) . Diese wolle Fischer „weiterentwickeln“ (Foerster an Schulte, 2000) , so hieß das, zerstörte realiter jedoch seine Hamburger Schule.
Der Versuchung, Legendenbildung über Erlebnisse von Zeitzeugen (Assistenten Fischers) zu betreiben, entging man in London nicht. Aber auch die verschiedenen – so wie oben gekennzeichnet – Freunde Röhls, zu denen ja auch der Freiburger Historiker Deist zählte, was Vieles im Nachhinein erklärt, verhinderten, dass über Krisenkonferenzen, Funktionsweisen der Regierungsinstanzen des Reichs im Hinblick auf zielorientierte Entschlußfähigkeit gesprochen wurde. Stattdessen wurden mit einer übergroßen Zahl englischer, canadischer und amerikanischer Forscher die, nicht immer mit Fischer zu verbindendenden, komparatistischen Ansätze (und damit Verschleierungen) überbetont.
Der Peinlichkeit, sich mit Fischers NS-Vergangenheit zu beschäftigen, entging der Kongreß selbstverständlich nicht. Ein Tagebuch von ihm aus dem Jahre 1942 soll (so Röhl in der WELT) nun Aufschluß über Fischers Distanz zum III. Reich gegeben haben. Die Tatsache aber, dass diese Informationen erst ans Licht kamen, als der Vorwurf gegen die Gegner Fischers und dessen NS-Verstrickungen veröffentlicht wurden, zeigt in die richtige Richtung. Dies, zumal Fischer lediglich mit ein paar hundert Reichsmark von Francks Institut gefördert wurde (seine Aussage im Vorfeld meines Filmberichts im hr zum 88. Geburtstag 1988), wohingegen Zechlin – wie Fischer mir sagte – in Berlin ein großes Kolonialinstitut bekam und tausende RM-Zuwendungen des damaligen Staates erhielt. Zechlin machte seine Hochzeitsreise „im Mittelmeerraum“ 1941, als Fischer an der Front war (vgl. Schulte, Weltmacht durch die Hintertür). Der Leutnant Fischer und die Anstellung am Franckschen Institut bilden eine weitere bereitwillige Verquickung Nachlebender, die so nicht hingenommen werden muß.
Es ließe sich, als “Zeitzeuge” (was konnte etwa Sösemann „bezeugen“, der gar nicht mit Fischer im Konnex stand?), bedingt durch 10 Jahre engster Zusammenarbeit, vieles sagen. Eines hätte Fischer, nach diesem Kongreß mit Sicherheit getan: er hätte auf den Tisch gehauen und gefragt: “warum sprecht Ihr nicht zur Sache?” Denn ausschließlich darum ging es ihm.
13-15 October
The Fischer Controversy 50 Years On
International Conference
Venue: German Historical Institute London
In 2011 it will be 50 years since Fritz Fischer’s seminal work Griff nach der Weltmacht (Bid for World Power) was published. His theses had a monumental effect on German and international historiography as well as on Germany’s understanding of its more recent past.
The aim of this international conference is to examine both the significance of the so-called Fischer controversy, one of the most acrimonious historiographical debates of the 20th century, and the significance of Fischer’s work for our understanding of the origins of the war. Using his theses as a starting point, but expanding beyond his focus on Germany and Austria-Hungary, the conference papers will re-examine Fischer’s theses comparatively, and based on the latest research. Speakers from the US, Canada, Germany, Austria and Britain have agreed to deal with controversial issues such as the origins of the war, the war aims of the Central and Entente powers and their crucial political decisions. The conference will also address aspects of the historiographical controversy by highlighting the reception of his work in Germany as well as other European countries.
The organisers are grateful for the generous funding and support received by the German Historical Institute, London. In addition, the conference has been generously funded by The Journal of Contemporary History, the German History Society, the Open University, and the Toepfer Stiftung.