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VON KRISE ZU KRISE GESTEIGERT. Norman Gutschow im Gespräch mit Bernd F. Schulte.

Sonntag, 25. Dezember 2011

Dr. Bernd F. Schulte ist Historiker, Publizist sowie Film und Fernsehprosduzent. Als Schüler Fritz Fischers wirkte er zunächst an Hamburger Hochschulen und veröffentlichte eine Reihe von Beiträgen zur deutschen Militärgeschichte, sowie Fernseh-Dokumentationen. Schulte lebt in Hamburg und betreibt dort das Nachrichten- und Geschichstportal ForumFilm.de. In seinem neuesten Buch “Deutsche Policy of Pretention” geht er dem Institut der deutschen Krisenkonferenzen nach, die mit zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges beigetragen haben. “Freie Welt” sprach mit Dr. Schulte über das Buch seine Thesen und den Einfluss Fritz Fischers.

FreieWelt.net:
In Ihrem Buch “Deutsche Policy of Pretention” schildern Sie den “Abstieg eines Kriegerstaates 1871-1914″. Wie ist dieser Begriff “Anmaßung”/Pretention zu verstehen?

Zur Rezension auf FreieWelt.net
Dr. Bernd F. Schulte:
(praetendo – pretend – prétendre – Pretension – Pretention)
“Pretention” hieß 1914 “Bluff”. Es handelte sich um ein Modewort der damaligen Diplomatie. Schließlich wurde der Fehlschlag der europäischen Regierungen in der Julikrise des Jahres 1914 mit der Formulierung entschuldigt, man habe sich eben “festgeblufft”. Dass Spielerische des Vorgangs wurde leichtfertig überbetont.

Hier geht es allerdings um mehr. So wie die wissenschaftliche Interpretation der Ereignisse bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges, im Verlaufe der neueren Diskussion seit 1961, eine eher unglückliche Fixierung auf den Juli/August feststellt, so geht es inzwischen in der allgemeinen Forschung darum, die europäische Welt zwischen 1905 und 1914 – hinsichtlich deren wirtschaftlichen, diplomatischen, militärischen und kulturgeschichtlichen Wurzeln – zu untersuchen.

In diesem Zusammenhang wird inzwischen von einer deutschen “brinkmanship”-Politik gesprochen. Das heißt: die Berliner Politik habe ein zunehmend bedeutenderes Risiko übernommen. Ich sehe die deutsche Politik dabei, systematisch, von Krise zu Krise gesteigert, nahezu naturwissenschaftlich und labormäßig, ein “testing the entente” vorzunehmen. Es ging darum, festzustellen, als wie solide das – in Berlin als monolithisch aufgefasste – System der Entente-Bündnisse und Absprachen – zwischen Paris, Petersburg und London – sich herausstelle. Es ging ferner darum, eventuell auftretende Risse zu erkennen, und im Folgenden eine mögliche Sprengung der Verbindungen zu betreiben.

Was war nun dabei deutscherseits vorgeschützt, übertrieben oder vorgespiegelt? Die deutsche Politik basierte, nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71, zu großen Teilen auf dem herausragenden Ruf der preußisch bestimmten Armee. Es ist gezeigt worden, dass Kampfwertvergleiche den anscheinend unerschütterlichen Nimbus der deutschen Waffen als immer labiler erscheinen ließen. Spätestens seit der Marokkokrise von 1905 brach sich eine breit gefächerte Kritik an den deutschen taktischen und operativen Verfahren Bahn. Zum Beispiel in der “Revue Militaire des Armées Ètrangères” des französischen Generalstabes sowie englischen, französischen und russischen Magazinen, Monatsschriften und Tageszeitungen. Das geschah in einer breiten Kritik, unter anderem, am Beispiel der deutschen Kaisermanöver. Die nicht unbedingt erfolgreichen diplomatischen Bemühungen Berlins in diesen Jahren verschärften zusätzlich die fortschreitende Erosion des Bildes der Zeitgenossen von der preußisch-deutschen Armee als der „besten der Welt“.

Nicht zuletzt durch den immer wieder aufgenommenen Appell, das Schwert zu ziehen, entwertete, abgesehen von diesem technischen Hintergrund, die Berliner Diplomatie ihre Pressionspolitik 1904/06, 1908/09 und im Herbst 1912 selbst. Es wuchs in den Hauptstädten Europas bis Ende 1912 die Überzeugung heran, nun, bei nahezu vollendeter militärischer Rüstung, diesem Druck künftig widerstehen zu sollen.

So kam es zu einem Krieg, in den Deutschland mit noch nicht vollendeter Rüstung eintrat. In diese Zwangslage war Berlin geraten, obwohl etwa der englische Oberst Repington, im Oktober 1911 in der Times, eindringlich davor gewarnt hatte, die deutsche Armee, und deren Leistungsfähigkeit, überzubewerten. Deutscherseits wurde diese Kritik, bis hinauf zum Kaiser, empört zurückgewiesen, und in Berlin übersehen, dass jahrzehntelang bedeutende Summen in den Schlachtflottenbau geflossen waren, die nun – wie sich herausstellen sollte – in der Armee unübersehbare Lücken verursacht hatten.

Die Marne erreichten, im September 1914, die Armeen des rechten Heeresflügels nicht nur ohne die 1913 umstrittenen drei Armeekorps, sondern auch ohne ein, in Führung und Gefecht, konkurrenzfähiges Kampfverfahren, zeitgemäße Ausrüstung und Bewaffnung der Waffengattungen.

FreieWelt.net: Erläutern Sie bitte ihren Begriff des “Kriegerstaates”.

Dr. Bernd F. Schulte:
Einerseits hat Paul Kennedy in seinem berühmten Buch über den “Aufstieg und Fall der großen Mächte”(1986), vor allem am Beispiel Spaniens, Englands – wie auch Deutschlands, der USA und der UdSSR – dafür plädiert, den Akzent staatlicher Grundstruktur und Politik, nicht ausschließlich auf militärische Machtentfaltung zu setzen. Vielmehr seien, so Kennedys Urteil, die “Handelsstaaten” den “Kriegerstaaten”, im Verlauf der Geschichte, grundsätzlich überlegen. Diese These, die nicht zuletzt in Washington hart umstritten war, veranlaßte mich, den Begriff „Kriegerstaat“, in Bezug auf das deutsche Kaiserreich, anzuwenden vgl. “Bismarck war kein Deutscher, in: Rückbesinnen und Neubestimmen”, 2000)”.

Andererseits bildete sich die etwas ältere Bedeutung, im Verlauf der Diskussionen um das Buch Fritz Fischers “Griff nach der Weltmacht” (1961), heraus. Diese wissenschaftlichen und publizistischen Auseinandersetzungen um Strukturen, Modernitätsgrade und Entwicklungschancen des Kaiserreichs, hinterließen eine breitere Spur in der jüngeren deutschen, sozialgeschichtlich orientierten, Historiographie. Es bildete sich die Erkenntnis heraus, die mittelalterlich-feudalen, einseitig kämpferischen Versatzstücke im Erscheinungsbild des wilhelminischen Kaiserreichs (Reden, nationale Parolen, Paraden, Aufmärsche, Stechschritt, Sedanstage, Denkmäler), wie dessen hierarchisch strukturierter Gesellschaft, Armee und Verwaltung, hätten das Bewusstsein des damaligen Bürgertums (bis in die Arbeiterschaft) einseitig kämpferisch-maskulin geprägt.

Diese Hypothesen, die in der jüngsten deutschen Forschung aufmerksame Ohren gefunden haben, mögen, in den Rahmen der militanten Problemlösungsversuche, welche die deutsche politische Führung zwischen 1905 und 1914 unternahm, hineingespielt haben.

Meine, zu Beginn der achtziger Jahre,veröffentlichten Arbeiten ließen, in Bezug auf die Krisenkonferenz-Problematik innerhalb der Berliner Führungsspitze, wie hinsichtlich des Bürgerkriegs-Problems im militärischen Bereich, und hinsichtlich der horrenden, fatalen deutschen Verluste 1914, beim Angriff auf Belgien und Frankreich, diese Momente bereits anklingen.

So gelangte ich, unter dem Eindruck der letzten Aufgipfelung des Rüstungswettlaufs im „Kalten Krieg“ zwischen den USA/NATO und der UdSSR 1979/83 zu der Überlegung, militärische Lösungswege, wo immer möglich, durch diplomatisch-politische und Ansätze der Friedensforschung, wenn nicht zu ersetzen, so doch zumindest zu “unterfüttern” (Graf Baudissins System der “Vertrauenbildenden Maßnahmen”).

FreieWelt.net:
Sie sind Schüler des Hamburger Historikers Fritz Fischer, dessen Buch „Griff nach der Weltmacht“ vor 50 Jahren die sog. “Fischer-Kontroverse” auslöste. Wie ist ihr Verhältnis zu ihm und wie steht es in der heutigen Wissenschaft um seine Thesen?

Dr. Bernd F. Schulte:
Fritz Fischer war mein Lehrer und hat mir vermittelt, stets auf die Quellen zurückzugehen, positiv positivistisch zu denken, und neues Material der historischen Forschung, zur Beantwortung der dieser gestellten Fragen, zur Verfügung zu stellen. Ich kam zu ihm 1972 als Batterieoffizier in einem Hamburger Artillerie-Batallion und ging 1983, im Begriff, einen Platz beim Fernsehen zu finden.

Dazwischen lagen meine Dissertation und ein Buch zu Balkankrise und dem “Kriegsrat” von 1912, sowie – auf Fischers Seite – einige Rezensionen und Vorträge, ein Aufsatzband sowie der große Auftritt 1978 vor dem Hamburger Historikertag, das daraus entstandene Buch “Bündnis der Eliten”, und die Kampfschrift “Wir sind nicht hineingeschliddert” zum Kriegsausbruch 1914 und der “Fälschung der Riezler Tagebücher”, einer damals hart geführten Kontroverse.

Wir scheiterten gemeinsam in dem Bestreben, mich – trotz der angespannten Bewerbungslage – noch in der Wissenschaft unterzubringen. Stets ging es Fischer in diesen Jahren darum, zu unterstreichen, dass die besondere Bedeutung von forscherischer Leistung vor allem darin bestehe, einen Beitrag zu einem größeren Ganzen zu leisten. Breitere Publizität stelle für den Historiker einen seltenen Glücksfall dar. Das hat er 1988 unterstrichen, als eine Versammlung von Historikern und Hamburger Würdenträgern, zu seinem 80. Geburtstag, ihre Honneurs machten. Mein Fernsehportrait dazu, produziert für den Hessischen Rundfunk, stellte Fischer ganz in sein Hamburger Umfeld, und vor allem unter den Einfluss der Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges.

Als er nämlich 1947 aus der Gefangenschaft zurückkam, hatte er mit den Traditionen des preußisch-deutschen Nationalstaates grundsätzlich gebrochen. Diese Zäsur vollzog er zunächst in seinem angestammten protestantisch-theologischen Arbeitsfeld. Mit dieser Wende hin zum westeuropäisch-amerikanischen Kulturkreis zog sich Fischer bereits 1949 die scharfe Opposition des Doyens der deutschen Geschichtswissenschaft, Gerhard Ritter, zu.

Als Fischer dann 1959/61, fußend auf grundstürzenden Archivforschungen, die Kriegsziele des kaiserlichen Deutschland, zusätzlich zur Hypertrophie Hitlerscher Aggressionspolitik herausstrich, beging er an sich schon, nach der überwiegenden Auffassung der damaligen Historikerzunft und bundesdeutschen Gesellschaft, ein Sakrileg. Dieses Buch, das unter dem provozierenden Titel “Griff nach der Weltmacht” im November 1961 auf den Buchmarkt kam, wurde zusätzlich eingeleitet durch ein Kapitel, das die Entstehung des Ersten Weltkrieges, im Sinne einer Deutschland belastenden italienischen Darstellung von 1950, entwickelte. Störten Fischers Darlegungen zu den deutschen Kriegszielen im Ersten Weltkrieg an sich schon die trügerische Ruhe genug, welche deutsche Historiker für das Thema “1914″ verordnet hatten, so bot dieses Kapitel eine ungeschützte Flanke, eröffnete einen neuen (alten) Kriegsschauplatz” und forderte geradezu die konservative wissenschaftliche Fronde zum Gegenstoß heraus.

Niemand war weniger als Fischer zum Vorboten der sozialliberalen Koalition von 1969 geeignet. Obwohl er der liberalen Bewegung wohl an sich nahe stand. Das wurde nicht zuletzt zu Beginn der achtziger Jahre deutlich, als wir wiederholt die Kandidatur Ingo von Münchs, für den Hamburger Senat, unterstützten. Dennoch, sein berühmtes Buch gehört zur Vorgeschichte des innenpolitischen Wandels in Deutschland, der sich im Verlauf der sechziger Jahre vollzog. Auch demonstrierten Fischers Publikationen dem Ausland, dass es nun, durchaus auch in den politischen Grundsatzfragen, ein neues Deutschland gebe. Das stärkte nicht zuletzt das Vertrauen unserer früheren Kriegsgegner in die neuerstandene Bonner Republik und begünstigte die Tendenz, Deutschland in die internationale Gemeinschaft zu reintegrieren.

So liegen Fischers Verdienste weniger in den immer noch hart umkämpften Deutungsunterschieden und wissenschaftlichen Grabenkämpfen um die Entstehung des Weltkrieges von 1914, als vielmehr in seiner indirekten politischen Wirkung. Wissenschaftlich übergreifend hat der Hamburger Historiker zusätzlich, gegen die überkommene, diplomatiegeschichtlich akzentuierte, traditionelle Auffassung den eher sozial- und wirtschaftsgeschichtlich akzentuierten Ansatz seiner Hamburger Schule gestellt. Dieser hat Frucht getragen, und mit anderen Forschern, die deutsche Geschichtswissenschaft insgesamt wieder auf internationales Niveau gehoben. So erscheint es überfällig, Fischer, der die Hamburger Universität auf internationalem Parkett berühmt machte, in der deutschen Wissenschenschafts-Republik den Platz einzuräumen, der ihm, jenseits allen kleinkarierten Streits, zukommt.

FreieWelt.net:
Sie beziehen sich in ihrem Buch vor allem auf die Krisenkonferenzen im Führungssystem des Deutschen Reiches und die Rolle des Reichskanzlers Theobald von Bethmann-Hollweg.

Dr. Bernd F. Schulte:
Kurz gesagt, behauptet die traditionelle deutsche Geschichtswissenschaft in Kontinuität, und immer wieder neuer Formulierung (seit 1959), die “Schuld am Ersten Weltkrieg” spiele “kaum noch eine Rolle innerhalb der Forschung” (Große Kracht, 2004). Dass der Begriff der “Krisenkonferenzen” im Kaiserreich, den ich 1980 prägte, noch bis in die jüngste Zeit benötigte, um von eben diesem Teil der deutschen Geschichtswissenschaft akzeptiert zu werden, zeigt, wie wenig dieses Problem in Deutschland verarbeitet ist.

Worum geht es aber? Es geht um die vordergründige Abschwächung der Röhl/Fischer-These, am 8. Dezember 1912, dem sogenannten “Kriegsrat” bei Wilhelm II., sei, für einen Zeitpunkt in anderthalb Jahren, der Erste Weltkrieg beschlossen worden. Bereits der Streit um die tatsächliche Auswirkung dieser Konferenz hoher Vertreter von Armee und Marine beim Kaiser (Tirpitz wurde umgehend benachrichtigt), legte wiederum offen, wie heiß umkämpft die deutsche Verantwortlichkeit, im Bewusstsein der Historiker, nach wie vor war und ist.

Wie groß nun mein Interesse an dieser Frage war, zeigt die Tatsache, dass ich bereits in der Dissertation über die deutsche Armee von 1914 (1977) auf eine Unterredung zwischen dem Reichskanzler und dem Feldmarschall Colmar von der Goltz erstmals Bezug nahm, die in unmittelbarer zeitlicher Nachbarschaft zum 8. Dezember stattfand, und sich um die Möglichkeit eines Präventivkrieges, im Gefolge der türkischen Niederlagen im Herbst 1912, drehte. Bestand doch das Bestreben der konservativen Historikerfronde um Wolfgang J. Mommsen darin, auf die Abwesenheit des Reichskanzlers beim Kaiser, und damit eine Nichtbeteiligung der Politik, hinzuweisen. Diese Argumentation widerlegte mein Buch “Vor dem Kriegsausbruch 1914″ (1980), das die Auswirkungen der Balkankrise auf den “decision making process” in Berlin, in den politischen und militärisch-strategischen Führungseliten, zum Gegenstand erhob.

Bilden doch militärische Fragen, und der strategische Entscheidungskreis, den noch fehlenden “Schlußstein” der Fischerschen Argumentation.
Es wurde gezeigt, dass – durchaus im Sinne einer Kriegsvorbereitung – nach dem Dezember 1912 ausgreifende Maßnahmen technischer, personeller und funktionaler Art ergriffen wurden, die offensichtlich dazu führten, dass die deutsche Armee im Jahre 1913 nicht kriegsbereit war. Es wurden nämlich sämtliche Bereiche der Militärverwaltung von einer rasanten Aufrüstung (von der Konservendose bis zum Lederkoppel) ergriffen, was unmittelbar zu Engpässen führte. Quellen, die mir 1978 bekannt wurden, zeigen darüber hinaus, dass es sich im Umfeld der Kriegsentschluss-Problematik um ein breiter angelegtes Phänomen innerhalb der deutschen Führungsstruktur handelte.

In der ersten Auflage des hier behandelten Buches aus dem Jahre 1983 wurde dementsprechend auf die “Krisenkonferenz” bei Bülow im Juni 1909 hingewiesen, die durch einen möglicherweise unmittelbar bevorstehenden Krieg mit England veranlaßt war. Es fällt auf, dass sich die Diskussion im Grunde um die gleiche Problematik, wie am 8. Dezember 1912, bewegte.

Arbeiten an meinem demnächst erscheinenden Buch über “Politik und Militär im Kaiserreich” führten zu weiteren “Krisenkonferenzen”, die in nächster Nähe zu den übrigen Vorkriegskrisen stattfanden. Erste Ergebnisse dieser Forschungen fanden im Annex des hier besprochenen Bandes Aufnahme, und führten zu der These vom “Institut der Krisenkonferenzen” in der deutschen Führungsspitze zwischen 1871 und 1914. Es handelte sich also ganz und gar nicht um etwas Besonderes, wenn die Spitzen von Politik und Militär sich in Berlin zusammenfanden, um über die nächsten Schritte, angesichts einer Krise mit Frankreich (1875), mit Russland und Frankreich (1877/79), mit Rußland (1887/89) – und schließlich mit Russland (1908/09)und, gegebenenfalls, England/Frankreich (1912/14) zu beraten. Die inhärente Brisanz des “Krisenkonferenz”-Begriffs hat die, begierig von dem Begriff des “Kriegsrats” abgehende, konservative Zunft übersehen.

Es bildet sich, abgesehen von den Details der verschiedenen Krisenabläufe im einzelnen, ein ausgesprochen dichtes Bild einer regen Interdependenz innerhalb der deutschen Führung. Und dies insbesondere zwischen den politischen und militärischen Ämtern. Von einer hochgradigen, und vermeintlich strukturbedingten, “Polykratie” (Düsseldorfer Schule) in der politisch-militärischen Führungselite des deutschen Kaisereichs – wie Mommsen immer wieder behauptet hat – kann also, vor allem in Bezug auf die lebenswichtigen Fragen von Krieg und Frieden, keinesfalls gesprochen werden.

Im Zentrum der Berliner Politik, zumindest zwischen 1909 und 1917, stand und steht der Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg. Es führt nicht weiter, wenn dieser Kanzler lediglich als Philosoph und wirklichkeitsfremder Politiker der Diagonale verstanden wird. Er war mehr. Ausgehend von den Vorstellungen seines Großvaters, des preußischen Kulturpolitikers und Staatsrechtlers, Moritz August von Bethmann Hollweg, in der Krimkriegphase, stand er ganz auf der liberalkonservativen Position der von diesem begründeten “Wochenblatt-Partei” im Preußen der “Neuen Ära”. So wollte der Kanzler seit 1909 Deutschland zwischen Russland und England stellen, und Grossbritannien auf das Reich, durch eine – wie auch immer geartete -Neutralitätspolitik “zuzwingen”, um so Spielraum für die weiterhin offen gehaltene deutsche Europa- und Weltpolitik zu erhalten. Dass dieses “Zuzwingen Englands”, wie schon ausgeführt, in einem immer riskanteren “testing the entente” mündete, und gleichzeitig der deutsche Nimbus der Unbesiegbarkeit stetig abnahm, führte schließlich zum Scheitern der “Policy of Pretention” im Angesicht der Konfliktlage des Juni/Juli 1914.

Nicht zuletzt wurde die Entscheidung des Reichskanzlers durch eine von mir hier erstmals erwähnte Denkschrift aus Wien vom 24. Juni 1914 gefördert, die offenlegte, es sei in den nächsten Monaten mit dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns – und damit dessen militärischer Präsenz – zu rechnen. In dem Augenblick des Fürstenmordes von Sarajevo hielt Bethmann Hollweg diese Denkschrift in Händen. Diese mag den Kanzler, in dramatischen Stunden, dazu bestimmt haben, einem Kriege im äußersten Falle zuzustimmen, da dieser dann noch mit Unterstützung Österreichs geführt werden könne. Eine Aufteilung Österreichs, ähnlich jener für die Türkei erwarteten, deren Schattenriß fiel in diesen Stunden zwischen dem 28. Juni und 5. Juli 1914 auf die dunkle Eichholztäfelung im Arbeitszimmer des Reichskanzlers auf Schloß Hohenfinow.

Bernd F. Schulte, Deutsche Policy of Pretention. Der Abstieg eines Kriegerstaates 1871-1914. Norderstedt 2009, 404 S., 22,80 €. ISBN-10: 383702251X ISBN-13: 978-3837022513

Erhältlich unter anderem hier
http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Ddigital-text&field-keywords=bernd+f.+schulte

Die Internetseite von Dr. Bernd F. Schulte: www.Forumfilm.de; www.forumfilm.com

Das Interview führte Norman Gutschow

Norman Gutschow, 23.12.2011 11:37 | Kommentare (0)

Jetzt ist es heraus – Es geht gegen Deutschland.

Montag, 7. November 2011

http://www.welt.de/wirtschaft/article13702075/Bundesregierung-erklaert-Goldreserven-fuer-unantastbar.html

Es kam von Obama (USA), GB und F(!)das Ansinnen in Cannes, Deutschland möge seine Goldreserven in den Rettungsschirm einstellen.
Damit haben wir die Kriegskoalition von 1916/17 und 1941/44 wieder. Es geht um die Überwindung des Sonderstatus der Deutschen (auch in der EU). Entstanden durch wirtschaftlichen Erfolg in den letzten 50 Jahren.
Der Schock derr Regierung Merkel ist aus dem unsinnigen Kommentar des Pressesprechers Seifert erkennbar.

Anl.:

Boersennews.de
Skandal: Pleiteländer wollten unser Gold .Skandal: Pleiteländer wollten unser Gold
12:11 Uhr 06.11.2011

Die Bundesregierung hat Medienberichte zurückgewiesen, wonach zur Euro-Rettung auch die Goldreserven der Bundesbank angezapft werden sollen. Foto: Bundesbank Berlin (dpa) – Die Bundesregierung hat Medienberichte zurückgewiesen, wonach zur Euro-Rettung auch die Goldreserven der Bundesbank angezapft werden sollen.

Die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» berichtete, US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Großbritanniens Premier David Cameron hätten auf dem G20-Gipfel in Cannes vorgeschlagen, den Rettungsschirm EFSF mit einem Teil der Gold- und Währungsreserven der Euro-Notenbanken aufzufüllen. Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, sagte dazu laut Mitteilung: «Die von der Bundesbank verwalteten Goldreserven der Bundesrepublik Deutschland standen bei dem G20-Gipfel in Cannes zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion.»

Seibert sagte, von einigen Teilnehmern des Gipfels sei die Frage aufgeworfen worden, ob Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Steigerung der Effizienz der EFSF in Betracht gezogen werden sollten. Sonderziehungsrechte sind eine künstliche, vom IWF geschaffene Währung und Teil der nationalen Währungsreserven der Mitgliedstaaten des Fonds. Sie stehen daher den nationalen Notenbanken zu – in Deutschland der Bundesbank. «Von deutscher Seite ist dieser Vorstoß abgelehnt worden», betonte der Regierungssprecher.

Auch die «Welt am Sonntag» berichtet über den Vorstoß am Rande des G20-Gipfels, den Rettungsschirm mit einem Teil der Währungsreserven der Euro-Notenbanken aufzufüllen. Das wäre nicht nur ein Angriff auf die Unabhängigkeit der Bundesbank, auch die deutsche Haftungssumme bei der EFSF würde so durch die Hintertür erhöht, hieß es. Laut «Welt am Sonntag» habe der Plan zu einem Konflikt zwischen Bundesregierung und Bundesbank geführt. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann soll sein Veto eingelegt haben. Daraufhin habe Bundeskanzlerin Angela Merkel das Vorhaben zum Ärger von Obama, Sarkozy und Cameron verhindert, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungskreise..

“Die Katze ist aus dem Sack” – Oder was die USA wollen.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Wieder einmal kommentieren in der WELT vorwiegend die Parteigänger des US-amerikanischen weltpolitischen Interesses die Situation um das Euro-System in Europa. Die Auswahl der interviewten Spezialisten spricht für sich.

Denn, dass eine deutsche D-MARK – Revival ein Auskunftsmittel für Europa wäre, würde niemand mit Verantwortungsgefühl heute in Deutschland in den Mund nehmen. Bildet doch eine Durchlöcherung des mitteleuropäischen Anspruchs, eine Leitregion in der Welt zu sein, das Grundgesetz amerikanischer (1941-45), wie zuvor britischer (1914/1939) Welt- und Europapolitik, so kann dieser Ausgang – wie 1919 und 1945 – das Ergbnis dieses Abschnittes von heutiger Weltpolitik sein. Wir befinden uns in einem historischen Moment des “decision-making-process”: Wer wird Weltmacht sein – bleiben – werden? – So lautet die Frage. Nichts mehr oder weniger.

Bernd F. Schulte

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http://www.welt.de/wirtschaft/article13679229/Washington-Post-fordert-neue-D-Mark-fuer-Europa.html
Euro-Krise Autor: Ansgar Graw|
08:20

“Washington Post” fordert “neue D-Mark” für Europa
Die Qualitätszeitungen in den USA sind voll mit Berichten über die Euro-Krise: Einige raten Deutschland, sich schnell von der kollabierenden Währung abzuspalten.

Ein hartnäckiges Vorurteil will wissen, dass sich in den Vereinigten Staaten selbst die Gebildeten nicht für das Ausland interessieren. Wäre aber der Horizont der Weltmacht wirklich ausschließlich auf die 50 US-Staaten beschränkt, würden beispielsweise die Macher der „New York Times“ ihren Lesern kaum eine ausgesprochen differenzierte Auslandsberichterstattung gleich auf den ersten sechs Seiten jeder Ausgabe zumuten, bevor es zur Innenpolitik geht.

Merkel informiert über die Rettungspläne
Andere Qualitätszeitungen, von der „Washington Post“ bis zum „Wall Street Journal“, beleuchten Entwicklungen im „Rest der Welt“ kaum weniger ausführlich. Das Interesse vor allem der amerikanischen Eliten an Entwicklungen im „Rest der Welt“ ist also immens. Derzeit steht der taumelnde Euro weit oben auf der Agenda. Und oft ergänzen kühne Ratschläge die Nachrichten und Analysen.

Merkel über den Euro-Gipfel
Zum Beispiel dieser: „Aber an einem bestimmten Punkt müssen eine Nation und ein Volk tun, was notwendig ist, um die eigenen Interessen zu schützen, und das versuchen die Deutschen“, kommentierte die „Washington Post unter der spektakulären Überschrift „Europas Retter: Eine neue Deutsche Mark.“ Der Kommentator, nach angelsächsischer Methode namentlich nicht identifiziert, befindet, dass „lebensfähige Volkswirtschaften sich von der kollabierenden Euro-Währung abspalten müssen“. Unter Berufung auf Vorschläge des früheren BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel empfiehlt das Blatt die Bildung einer neuen Währung rund um Länder wie Österreich, Finnland und die Niederlande mit Deutschland als Kraftzentrum.

„Teutonic phobia“, also die „Angst vor den Teutonen“, würde mutmaßlich verhindern, „dass die neue Währung Deutsche Mark genannt wird, aber jeder wüsste, dass es genau das ist“, fährt der Kommentar fort. Zwar würden die Franzosen „ausflippen bei der Aussicht, Berlin könne den Euro aufgeben, denn das würde bedeuten, dass sie mit all den Verlierer-Volkswirtschaften des Südens hängen bleiben würden“.

So bewerten Ökonomen die Euro-Krise
Hans-Werner Sinn
Präsident des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo):
Ich hoffe, dass die beiden geplanten Gipfel platzen. Was dort beraten werden soll, ist doch nur, wie das deutsche Portemonnaie weiter geöffnet werden kann, um die Finanzanleger zu beruhigen und den Schuldenstaaten eine Fortsetzung der Verschuldung zu ermöglichen.
Wir werden ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Die Politik sollte aufhören, dem vielen in Griechenland verdorbenen Geld immer mehr neues Geld hinterher zu werfen.
Griechenland ist seit 2008 pleite, denn seitdem finanziert sich das Land mit der Druckerpresse und über Rettungsschirme. Es wird Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen.
Vorher müssen die Euro-Regierungen ihre Banken aber durch Aufkauf neuer Aktien rekapitalisieren, damit sie die Abschreibungsverluste auf griechische und evtl. portugiesische Papiere leichter wegstecken können. Das sollte das Thema auf den beiden Gipfeln sein.

Barry Eichengreen
University of California at Berkeley:
Die große Gefahr ist, dass die Märkte enttäuscht werden. Jeder wartet jetzt darauf, dass die Politik die Banken rekapitalisiert und schusssicher macht und dass die EFSF genügend Geld hat, um auch Italien und Spanien zu schützen. Die Situation ist inzwischen sehr gefährlich und die Politik hat kaum noch Gestaltungsspielraum. Die Euro-Zone ist gelähmt, weil die Regierungen uneins über die weitere Strategie sind.
Die Euro-Länder benehmen sich wie eine zerüttete Familie, die sich ständig streitet.
Europa braucht offenbar erst eine so kritische Situation wie 2008, als die Pleite von Lehman Brothers bevorstand, bis die Politiker sich zusammenraufen und tun, was getan werden muss.
Die Lage ist nicht rosig. Die europäische Politik ist sich einig was nötig ist: eine Bankenrekapitalisierung, ein Schutzwall um Spanien und Italien und ein Schuldenschnitt für Griechenland. Aber die Regierungen sind sich nicht einig, wie sie vorgehen sollen. Das ist in der jetzigen Situation gefährlich.
Ich erwarte nicht, dass Europas Politiker uns nach den Gipfeln die Superwaffe für die Schuldenkrise präsentieren werden.
Ich rechne mit vielen allgemeinen Ankündigungen und noch mehr Krisentreffen, um bis zum Gipfel der G-20 am ersten Novemberwochenende eine Lösung zu präsentieren.

Simeon Dyankov
Finanzminister und stellvertretender Premierminister (Regierungschef) von Bulgarien:
Die beiden Gipfel müssen weitreichende Entscheidung. Wenn die Euro-Zone bis Mittwoch keine substantielle Entscheidung vorlegen kann, wird sich die Situation für Griechenland verschärfen; dann wird das Land einen Schuldenschnitt von 80 oder 90 Prozent brauchen.

Markus Brunnermeier
Professor an der Universität Princeton:
Es ist richtig, dass die Politik die Erwartungen gedrückt hat. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass die Märkte rapide an Vertrauen verlieren und die Situation sich stark verschlimmert, wenn der große Wurf jetzt ausbleibt.
Die Politik muss den Märkten eine langfristige Perspektive geben; anders werden die Probleme nicht gelöst. Wenn die Banken stabilisiert sind, stabilisiert sich das ganze System.
Die Politik muss den Tatsachen ins Auge sehen, ehrlich sein und sagen, dass Griechenland einen Schuldenschnitt braucht und bekommt; 50% wären nötig.

Alberto Alesina
Professor für Politische Ökonomie in Harvard
italienischer Staatsbürger, Fiskalexperte:
Es wird immer klarer, dass diese Krise nicht auf der europäischen Ebene gelöst werden muss, sondern in den betroffenen Ländern.
Von den Euro-Partnern kann Hilfe kommen, aber letzten Endes müssen die betroffenen Regierungen die nötigen Haushalts- und Strukturreformen anpacken und damit die Märkte überzeugen.
Selbst wenn sich die Regierungen der Euro-Zone darauf einigen, die Wirkung des EFSF zu erhöhen, würde das zwar die Märkte für eine Weile beruhigen.
Aber wenn Griechenland, Italien und Spanien ihre Haushalte und ihre Wirtschaft nicht in die richtige Richtung reformieren, werden die Märkte bald wieder nervös werden.
Die europäischen Lösungen können den betroffenen Ländern immer nur Atempausen geben, die Märkte können nur überzeugt werden, indem die nationalen Regierungen ihre Volkswirtschaften wachstumsfähiger machen.

Gustav Horn
Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung:
Ich habe meine Erwartungen an den Gipfel deutlich heruntergefahren. Es wird nicht viel Zählbares herauskommen, die Differenzen zwischen Deutschland und Frankreich sind zu groß.
Die politische Uneinigkeit wird zu erheblichen Marktturbulenzen führen, die Investoren könnten in den kommenden Tagen panisch reagieren.
Eine weitere finanzielle Aufstockung des Rettungsfonds über einen Hebel macht keinen Sinn. Die Debatte geht am Kern des Problems völlig vorbei.
Keine Währung der Welt überlebt, wenn die Zentralbank nicht hinter ihr steht.
Deshalb gibt es nur eine Lösung für die Krise: Die EZB muss glaubwürdig erklären, dass sie im Notball unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen wird. Nur dann ist der Fond glaubwürdig genug, die Märkte zu beruhigen.

Clemens Fuest
Finanzwissenschaftler Oxford:

Der Gipfel wird nicht den großen Durchbruch bringen. Allerdings kann er das auch nicht, es gibt nicht das eine Patentrezept gegen die Krise.
Die Politik dürfte die Sparauflagen für die Krisenstaaten abermals verschärfen und die Pläne für eine Hebelung des Versicherungsmodells konkretisieren. Eine Klärung der Griechenland-Krise erwarte ich dagegen nicht.
Die Panik auf den Finanzmärkten wird weitergehen, die Anleger werden sich weiter um Italien und Spanien sorgen. Direkt nach dem Gipfel erwarte ich aber keine neuen Turbulenzen an den Börsen.
Es muss endlich ein klarer Fahrplan her, wann und wie die Hilfen für die Euro-Krisenstaaten abgebaut werden sollen.
Außerdem muss Griechenland umgeschuldet werden, vielleicht auch Portugal.
Darüber hinaus muss die Politik schleunigst einen Plan für die Bankenrekapitalisierung vorlegen.

Thomas Mayer
Chefvolkswirt Deutsche Bank:
Ich habe meine Erwartungen an den Gipfel heruntergeschraubt, der große Durchbruch wird nicht kommen.
Krisenmanagement allein reicht nicht, es muss auch Anpassungen in den Peripherie-Staaten geben. Und die brauchen Zeit.
Die Entschuldung senkt das Wachstum in den Ländern, gleichzeitig nimmt die Konjunkturunsicherheit zu. Die Länder sind wie ein Flugzeug auf Tiefflug, das ständig zu crashen droht.
Die Politik will mit einer Teilkasko-Versicherung wieder mehr Anleger zum Kauf von Staatsanleihen bewegen. Die Versicherungslösung könnte allerdings die Kapitalprobleme italienischer Banken verschärfen.
Wenn der Wert der alten Staatsanleihen ohne Versicherung sinkt, bekommen italienische Banken im Repomarkt der Banken untereinander wegen höherer Abschläge dafür weniger frisches Geld.
Da die Banken hohe Bestände an Altbonds halten, droht ihnen dadurch eine Finanzierungslücke.

Holger Schmieding
Chefvolkswirt Berenberg Bank:
Bekommt die Politik die Euro-Krise nicht in den Griff, droht der Eurozone eine Lehman-Krise hoch Zehn.
Bekommt die Politik die Krise erst im nächsten Frühjahr in den Griff, wird Deutschland im Winter wohl für kurze Zeit in eine Rezession rutschen.
Die Anleger sind verängstigt. Sie sehen Griechenland als Präzedenzfall für Italien. Deshalb ist die Ansteckungsgefahr, die von Griechenland auf die anderen Euro-Krisenstaaten ausgeht, immens.
Eine Umschuldung Griechenlands würde auch Deutschland in eine längere Rezession stürzen. Diese würde Deutschland 30 bis 50 Milliardeb Euro kosten.

Carsten Patrick-Meier
Kiel Economics:
Der Konvergenzprozess ist in Gang. Die Peripheriestaaten werden wettbewerbsstärker, während Deutschlands Stärke doch höhere Lohnabschlüsse leicht erodiert.
Man muss den Ländern einfach die Zeit geben, ihre Schwächen wettzumachen.
Griechenland ist wie Polen. Wenn das Land die harten Reformen hinter sich gebracht hat, ist es durch aus im Stande jährlich um vier oder fünf Prozent zu wachsen.

Manfred Neumann
Geldpolitik-Experte:
Mit den jetzigen Maßnahmen werden wir die Krise nicht lösen. Kapital aus Griechenland wandert ab, junge Griechen verlassen das Land.
Es gibt nur einen Ausweg: Griechenland muss umgeschuldet und raus der Währungsunion. Das Land muss aus der Währungsunion wie ein faules Stück aus einem Apfel herausgeschält werden.
Ich bin gegen eine Hebelung. Die Politik überschätzt ihr Potential. Außerdem bricht die ganze Konstruktion zusammen, sollte Frankreich sein Triple-AAA-Rating verlieren.
Besser wäre es, die Euro-Staaten vergeben Kredite zu seinem durchschnittlichen Zinssatz aller Euro-Staaten.
Wenn die Euro-Zone die Krisenländer noch weiter subventionieren will, könnte sie Zinsen zu Triple-AAA-Konditionen vergeben.
Das würde jährlich acht bis elf Milliarden Euro an zusätzlichen Zinskosten ausmachen. Auf Deutschland entfielen drei Milliarden Euro pro Jahr, rund ein Prozent des Haushalts.
Darüber könnte der Bundestag abstimmen. Das wäre auch wenigstens transparent
Doch die Gründung einer „Kraut-Mark“, wie die mögliche neue Währung mitunter despektierlich genannt werde, käme auch den in der Euro-Zone verbleibenden Ländern zugute, argumentiert die „Washington Post“ erneut unter Berufung auf Henkel. „Ein niedriger bewerteter Euro würde die Wettbewerbsfähigkeit der verbleibenden Länder verbessern und ihr Wachstum stimulieren.“

Schulden- und BIP-Entwicklung sowie Schuldenstand in Schulden- und BIP-Entwicklung sowie Schuldenstand in Griechenland

Das werde die „Exporte aus den nördlichen Ländern“, also rund um Deutschland und die neue Währung, beeinträchtigen, „aber dafür hätten sie eine geringere Inflation“. Unterm Strich, so die politisch ausgewogene „Washington Post“, gelte mithin: „Die Gründung einer neuen, auf der Mark basierenden Währungsunion unter der Beteiligung von Volkswirtschaften aus dem Norden, die eine strenge Finanzkontrolle aufrecht erhalten, könnte helfen, einiges zu retten, wenn der nächste wirtschaftliche Tsunami Europa trifft.“

Der Rat, Deutschland möge im Sinne seiner eigenen Interessen und zum Wohle des gesamten Europa aus dem Euro aussteigen, liegt weit entfernt von dem, was der US-Präsident fordert. Barack Obama und sein Finanzminister Timothy Geithner haben in den vergangenen Wochen und Monaten wiederholt mehr Bereitschaft von Kanzlerin Angela Merkel gefordert, Griechenland finanziell zu stützen und die Schuldenlöcher im Euro-Raum durch höhere Staatsausgaben zu stopfen.

New York Times fordert mehr Unterstützung für Griechenland
Ganz auf Obamas Linie liegt die „New York Times“ bei der Betrachtung der Euro-Krise. „Wacht Frau Merkel rechtzeitig auf?“, fragte das linksliberale Blatt am Samstag bangend. Der – ebenfalls anonyme – Kommentator zitierte Altkanzler Helmut Schmidt, der in eine Rede in Frankfurt eine pointierte Nachricht an seine Nachfolgerin gepackt habe, als er sagte: „Natürlich müssen die Starken den Schwachen helfen.“ So wie Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA unterstützt worden sei, dürfe Deutschland jetzt Europa nicht „ausnutzen“.

Euro-Länder wollen Paket zur Abwehr der Schuldenkrise schnüren
Die „New York Times“ fügt an: „Wir hoffen, Frau Merkel beherzigt seinen Rat.“ Doch bislang beteilige sich Deutschland nicht entschieden genug an einem Gesundungsplan für Griechenland und an Maßnahmen, um Spanien oder Italien gegen eine ähnliche Schuldenkrise zu wappnen, klagt das Blatt. Unter völliger Verkennung der Rolle des Bundesverfassungsgerichts und seiner Entscheidung vom September zur Griechenland-Hilfe heißt es weiter, Merkel habe sich „den Anti-Europa-Konservativen in ihrer Koalition gebeugt, indem sie zustimmte, dass alle weiteren deutschen Beiträge zu europäischen Hilfsmaßnahmen vorab dem Parlament vorgelegt werden“.

Zwischen zwei und drei Billionen Dollar (1,4 bis 2,1 Billionen Euro) seien allein notwendig, um Italien und Spanien vor dem Kollaps zu retten, so schätzt das Blatt aus der Finanzmetropole. Fänden die europäischen Regierungen nicht zu einem robusten Plan, wäre Deutschland am Ende „einer der größten Verlierer“.

Banken sollen Griechenland stärker entlasten
Denn, so die „New York Times“, weiter: „Das erzählt Frau Merkel ihren Bürgern nicht: Ein Europa, das sich durch Sparmaßnahmen und Rezession auf eine Abwärtsspirale begibt, wird weniger deutsche Exportwaren kaufen. Eine ungeordnete griechische Zahlungsunfähigkeit und ein Niedergang Spaniens, Italiens und Frankreichs könnten den Euro bersten lassen und Deutschland einen viel weniger wettbewerbsfähigen Umtauschkurs bescheren, als es heute genießt. Der Schaden für die Europäische Union, die Deutschlands Reintegration nach dem Krieg erleichtert hat, wäre enorm.“

Die Auswirkungen eines Scheiterns der jungen Gemeinschaftswährung auf die Weltmärkte und Weltwirtschaft wird von Wissenschaftlern, Journalisten und Politikern in den USA gleichermaßen betont. Über den zielführenden Umgang mit der Krise sind die Beobachter allerdings ebenso uneins wie die Experten in Europa selbst.

Ein Meisterwerk – Fritz Fischer, 50 Jahre danach (1961-2011).

Sonntag, 23. Oktober 2011

Um den Beginn der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, brach Karl-Heinz Janßen von der ZEIT wiederholt Barrieren in den Köpfen konservativer deutscher Historiker ein, die immer noch versuchten, die Thesen des Hamburger Historikers Fritz Fischer niederzukämpfen.

Diese neue Kontroverse um den Kriegsausbruch 1914 sollte 1983/85 in der Riezler-Tagebuch-Affaire gipfeln, die nicht zuletzt Bernd F. Schulte aufdeckte. Der Band “Vor dem Kriegsausbruch 1914″ beschäftigt sich, im Vorfeld dieser Diskussion, mit der Rolle und Bedeutung des sog. „Kriegsrates“ in Berlin vom 8. Dezember 1912. Noch war nicht bekannt, dass dieser in der Folge einer Reihe von „Krisenkonferenzen“ stand, wie Schulte diese Erscheinung im Regierungssystem des Königreichs Preußen und des Deutschen Reiches, 1982 dann nennt. Gleichwohl arbeitet dieser Band, im Vorfeld einer damals von Sch. geplanten, umfassenden Darstellung der unmittelbaren Kriegsvorbereitung des Deutschen Reiches, heraus, wie unmittelbar diese Konferenz beim Kaiser in Maßnahmen der Ministerien und Ämter (bis in die Mobilmachung der Rüstungsindustrie) mündete. Dies vor Kurzem (30 Jahre danach!) noch nicht geschehen.

Andererseits deutete dieser Band auf den zweiten Schwerpunkt hin, den die erwähnte größere Darstellung hätte vorführen sollen: die stratgische Entwicklung seit 1870(88). Die Aufmarschpläne des jüngeren Moltke, seit 1905/06, die Bedeutung Schlieffens w ä h r e n d seiner Dienstzeit und die politisch-diplomatisch-militärischen Verschiebungen der Jahre vor 1914, die sich unmittelbar miliärstrategisch auswirkten. Dass hier der Balkanraum entscheidenden Einfluß auf die veränderte Lage dieser Jahre hatte, wird zum Dreh- und Angelpunkt der Darstellung. Gerade die Reflexe, die dieser Wandel in der deutschen Rüstungspolitik ausübte, die auf den Krieg in unmittelbar bevorstehender Zeitspanne einschwenkte, wird hier exemplifiziert.

So handelt es sich hier quasi um ein „Marschtableau“, das die Richtung künftiger Arbeiten Sch.’s enthielt. Doch diese entstanden, bedingt durch den Widerstand konservativer Hamburger Historiker, an Universität und Bundeswehrhochschule, nicht.
- Inzwischen wird dieses jedoch systematisch abgearbeitet.

Das süße Gift der Illusion – oder das 3. Scheitern des vereinigten Europa.

Donnerstag, 13. Mai 2010

S&P, Moody’s und Fitch stufen Griechenland im Dezember 2009 tiefer ein. Wolfgang Schäuble erkennt, dass die griechischen die deutschen Probleme sind. Schon jetzt ist klar (Hauhaltspolitiker, EZB, A.Weber, J.Ackermann), dass Griechenland geholfen werden muß. Das Mittel: “gepoolte Kredite der Euro-Staaten in Kooperation mit dem IWF”). Trotz Geheimhaltung(!) läuft die Nachricht wie ein Lauffeuer um die Welt. Die Börsen reagieren. Ein erster Riß im System des deutschen Parlamentarismus. “US-Banken und Hedgefonds [spekulieren] auf einen Bruch der Euro-Zone”. Das ist die alarmierende Meldung (6. Februar). Es geht um eine Attacke einer US-Investmentbank und von zwei Hedgefonds auf Griechenland, Portugal und Spanien, den “weichen Bauch Europas”.

Ende Januar waren Delegierte von Goldman Sachs, Citadel Investment Group/Chicago, Eton Park Capital Management/NewYork und John Paulson in Griechenland gewesen. Das Motto lautet: “Angriff aus Amerika”. Doch die Meute hat inzwischen Kasse gemacht und ist nach Portugal und Spanien weitergezogen.

Gleichzeitig: Am 8. Februar treffen sich bei Monness, Crespi und Hardt und “mit Zitrone gegrilltes[m] Hühnchen und Rinderfilets”, in Manhattan Verteter von SAC Capital Advisors, Soros Fund Management, Greenlight Capital, Brigade Capital und Paulson & Co, um über Griechenland, Euro und Gold zu diskutieren. Wortführer, SAC-Capital-Chef Steven A. Cohen “drängt seine Kollegen, auf einen Kursverlust des Euro zu setzen”. Dieser steht bereits bei $1,37. Die Terminmärkte steigen ein: es wird “an der Chicago Mercantile Exchange(CME) auf einen Kursverfall des Euro” gewettet (Volumen: 7,6 Mrd. $/Ende Februar: 8,9 Mrd. €). Aber der größte Teil des Devisenhandels findet außerbörslich statt. Paulsen und Soros (“die Eurozone könne auseinanderbrechen”) drehten an der Panikschraube. Es kann viel Geld gemacht werden, ist die Devise. Charles Bilderman (Hedge-Fonds-Lobbyist) spottet: “Das ist politische PR!”

Und Europa? Reichlich unkonkrete Erklärungen am 11. Februar in Brüsel, wo Frau Merkel die Nordrhein Westfalen-Wahl verliert. Frankreich steht – anders als Deutschland – strikt zu Griechenland. Europa soll das allein schaffen. Doch Merkel will den IWF ins Boot ziehen (und damit die USA und China). “Doch die Bereitschaft des Marktes, sich zu beruhigen, ist gering”. Die Sparauflagen für Griechenland scheinen wie “Selbstmord aus Angst vor dem Tod” (Bismarck). – Die griechischen Sparer räumen als Antwort ihre Konten ab. Strauss-Kahn schweigt zu Griechland, Deutschland soll von den € 30 Mrd. acht schultern. Schäuble in Berlin gilt als angeschlagen. Schweigen auch bei den G 20. Hinter den Türen aber kocht es. – Notfallplan des IWF mit Griechenland. Der kanadische Finanzminister zeigt in die richtige Richtung: es wird nicht reichen. Die Deutschen aber “winden sich schon wieder”.

Als erwiesen gilt der Komplott von New York. Doch auch “Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter” haben mitgespielt. Sogar CocaCola habe gegen den Euro gesetzt, so wird berichtet. Was aber bedeutet das? Aus den USA wird seit 1969, der sozial-liberalen Koalition des schwarz-weiß-roten Willy Brandt mit dem natioalliberalen Walter Scheel, der Rückzug aus Europa eingeleitet. Die Anlehnung Bonns an Moskau (in der Hoffnung auf die deutsche Einheit) brachte die Entfremdung mit den USA. Die Wiederaufnahme des Mitteleuropaplanes von 1914 (Naumann, Rathenau, Bethmann Hollweg) die Gegenzüge der USA gegen einen Konkurrenten Europa. 1916-18, im Ersten Weltkrieg, 1941-45 im Zweiten, wurde die Einigung Europas durch Amerika verhindert. Nun, mit Leman Brothers, Griechenland, etc. folgt die 3. Episode unserer Geschichte. Oder steht hinter den New Yorker Hedgefonds etwa nicht das State Department in Washington? Europa erliegt insgesamt nun immer wieder der Illusion, den Flügelmächten adäquat zu sein.

H.v.Butlar, P.Ehrlich, M.Schrörs, T.Pache: Das Hellas-Komplott, in: FTD, Montag, 26.4.2010, S. 6f.

Storia Tedesca – Storia Tedesca di “Vaterländi”.

Sonntag, 17. Januar 2010

Guido Knopps “Vaterländischer Unterricht” im 2. deutschen Fernsehen!

Seconda Manica di storia tedesca di Vaterändi di serie televisiva di vecchio taglio. “Sedantage” nella seconda Manica della televisione tedesca„ o nell’ultima parte del ” di fila; Noi Deutschen”. L’ultima parte di questa serie, soltanto a           1 9 1 8 (!)  è abbastanza, comincia con la conclusione della guerra.

Indietro e quello coscientemente, là uno con l’inizio della guerra 1914 – e il Diskusion intorno al rilascio di guerra – avrebbe dovuto al contrario cominciare. Per per andare certamente che troppo riposava chiaramente del ponticello fra 1914 e 1939, tutto sul Wilhelm II. povero. Anche se diritto è importante soltanto dal fatto che ha espresso, che ha pensato. Gli obiettivi di guerra hanno avuti presunto a parte l’industria pesante e tutti i tedeschi (dove il programma di settembre rimane?)!

Il lettore può tentare Archivi di Tempo e leggere l’articolo di K.H.Janßens sopra la discussione sul cittadino del giorno 1964 dello storico di Berlino. Ci sono ovviamente oggi ancora noi. Comunque Heinrich il A. Winkler ha interessato delicatamente che i tedeschi hanno contato sulla guerra, con la Russia e l’Inghilterra – e – la Francia ha partecipato Communique Bethmann Hollweg è accennato una volta diritto. Quello ha definito la politica responsabile; ed intorno a Wilhelm II. intorno. Un giovane storico commette il foolishness alla condizione, i presidenti potrebbe impedire la guerra (Wilhelm II, George v.England, il re italiano, Franz Joseph) se in se chiusa abbia avuta! Simplicitas dei sancta della O! Tale evita il ” di Schultes; “Ascesa o Niedergang”.

Ogni rassomiglianza all’istruzione del vincitore o dell’eroe dei giorni passati è evitata coscientemente. I soggetti, come la sconfitta prussiana di 1806, sono ignorati là e ” besser” ” Reformen” dimostrato di 1813. Unisce il sig. Knopp, che gli storici principali della seconda televisione tedesca, tutto che gli storici tedeschi debbano offrire a sopra dalla condizione bestallten l’esponente della loro cooperativa. Tutto unito ha assettato sulla linea di diffusione per offrire la storia tedesca alla luce di una nazione di sonnenbeglänzten.

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Der Weg in den Abstieg: Verlust der Universitas des Mittelalters.

Politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich erlebte Europa seit dem Mittelalter tiefe Zäsuren. Frankreichs Entwicklung stagniert seit der Revolution von 1789 und der Niederlage Napoleons I., Großbritannien verliert – 1930 äußerlich auf der Höhe der Entwicklung – an Macht.

Und wo steht Deutschland heute? Nach 1950 kam es zu einer äußerlichen Blüte, doch weltumfassend einflussreich wurde die Bundesrepublik bisher nicht. Und Europa? Macht und Einfluss werden von West wie Ost (den USA wie Russland/China) eingegrenzt. Bernd F. Schulte nähert sich mit “Aufstieg oder Niedergang”, dem Band 4 der Hamburger Studien zu Geschichte und Zeitgeschehen, der Frage nach diesem Grundgesetz der Geschichte und dessen Wirkungen hier und jetzt. Deutschland im Verbund der Staaten vor 1806, die Entwicklung des vorrevolutionären Frankreich, kurz die Fehlentwicklungen von Staatlichkeit hin zu Verfall, Dekadenz und Revolution entwickelt Sch. zu einem Bild deutscher Geschichte vom Ausgang des Mittelalters (Verlust der Universitas) bis zum absolutistischen Fürstenstaat, der den Takt schlug für die heutige Behördenorganisation und das Regieren von Oben nach Unten (beamtisches Denken).

So gerät die deutsche Geschichte nach Sch. zu einer Reihung, nicht von Höhe-, sondern von Tiefpunkten. Von der Reformation und den Religionskriegen bis 1806, dem Zusammenbruch Preußens. Dieser ist für Sch. ein Fanal, das weit über die engere Geschichte eines deutschen Teilstaates hinausweist. Weiter von der Achsenzeit des Krimkrieges, und der diplomatisch-politischen Neuorientierung der internationalen Beziehungen um die Mitte des 19. Jahrhunderts, bis zum Tiefpunkt 1918 (oder wie es dahin kam), und dem weiteren Abschwung mit dem Zusammenbruch 1945, reicht Sch.s Ansatz bis zu den Fragestellungen, die sich mit Kaltem Krieg und Wende (einem Zwischenhoch?), wie europäischer Einigung und Politik, ergeben. Haben Deutschland und Europa den Anschluss an die sich neu ordnende Welt bereits verloren?

Der Vergleich zwischen Preußen 1806 und Deutschland 2006 drängt sich nach Sch. auf. Kritisch, informativ, um es plakativ zu formulieren, schreibt Sch. ein Buch, das der Frage nach der Konfrontation zwischen dem überkommenen Nationalstaat und der Globalisierung nachgeht; ein Buch und eine Frage, die sich – über den engeren Kreis der Wissenschaft hinaus – dem historisch-politisch Interessierten gleicherweise aufdrängen.

Bernd F. Schulte zeigt am historischen Beipiel wie unfähige Führungseliten, Cliquenwirtschaft und verrottete staatliche Verwaltungen zu Staatsverdrossenheit und Revolution führen. wie zeitlos wirken die Einsichten Gneisenaus 1807: “Der Staat hat ja die Bürger nur zum Steuernzahlen benutzt”; und Seumes: “Man erkennt die Güte des Landesherren am Zustand der Strassen und Brücken”.

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Gestern – Heute – Morgen. Deutschlands Krisen von 1500 bis 2008.

…über den Dreißigjährigen Krieg, bis hin zu den Kabinettskriegen des 18. Jahrhunderts – und den napoleonischen Kriegen. Im wesentlichen hat sich Europa auf diese Art selbst entmachtet. Dass Deutschland heute, eingebunden in die europäische Union, alle Anzeichen des Verfalls wie vor 1806 zeigt, bildet die These Schultes, die in die Köpfe der Politiker Eingang finden sollte. Denn heute geht es in erster Linie um eine Erneuerung der Staaten von innen heraus. Sonst droht ihnen ein 1806, als kampffähige Festungen (Magdeburg) sich, nach einem Kanonenschuss, dem Feind ergaben. Ob Kaiserreich, Drittes Reich oder Bundesrepublik, sämtlich war und ist Deutschland tief beeinflusst von den Auswirkungen der “deutschen Erfindungen”, von Reformation und Sozialismus. Die Vernichtung der mittelalterlichen Einheit und der immer wieder neu erstehende Zwiespalt, die Teilung als Kriterium deutschen Staats- und Soziallebens, bilden wohl das spezifisch deutsche Kontinuum im Wandel. Daneben die deutsche Eigenheit, aus geschichtlichen Lehren, nicht zu lernen. Wie haben wir z.B. vor dem Hintergrund der Atomdrohung seit 1945 munter gelebt. Wie haben wir den Wahnsinn militärischer Atomstrategie verdrängt! Was wäre Europa erspart geblieben, wenn um 1850 Preußen nicht das Bündnis mit Rußland, sondern den Westmächten England und Frankreich (Wochenblattpaertei) gesucht hätte. Das zeigt, neben vielem Anderem, Sch.’s Aufsatzband (mit Beiträgen von John Moses/Brisbane, Ludger Borgert/Freiburg, Helmut Otto/Berlin und Hofrat Peter Brouceck/Wien).

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Storia tedesca senza tabù.

« Nel “Libro Gazzetta”, pubblicato dalla tedesca libro commercio “aumento o una diminuzione” come “un libro per esploratori”.

Se il tedesco “invenzioni” della Riforma, o del socialismo, il nostro Paese è stato diviso e in seguito coinvolti in sanguinosi scontri religiosi e sociali. Sch. montra come l’Universitas del Medio Evo fino ad ora non sono stati recuperati.

Schulte, come ad esempio alla vigilia della Rivoluzione francese o nell’epoca della Guerra di Crimea, condizionato indebolimento di Prussia nel 1806, e la fine del Impero nel 1918. Sch. suggerisce che una riforma come 1807 a 1813, non è più verificato, così è stato inevitabilmente al “collasso” nel 1945 e la parziale ricostruzione dopo il 1949 (GDR/BRD) è venuto. Il suo successo parziale ha portato alla crisi dopo il 1990 gli attacchi, che fino ad ora indebolito la Germania (un sovrano – gli altri senza capitale straniero) e in grado di profonda innovazione, aveva lasciato dietro. Che cosa Sch. non dire di cosa si tratta, tuttavia, resta il fatto che la Germania è ora in una posizione che Adenauer con il rifiuto di Stalin d’azione 1952 (Lettera segreta di Stalin: neutralizzazione / riunificazione) evitato. Germania sarebbero sullo status del 1930 congelati e un miracolo economico nella zona ouest del paese non è possibile. Ma questo è lo stato della Germania dopo la riunificazione nel 1990.

La debolezza del BRD, come Sch., Riguarda anche l’Europa, la sua futura capacità di logicamente ha dubitato. Si tratta di un libro che – ulteriori contributi alle associazioni riconosciute di studiosi (Moses, Brouceck, Borgert, Otto) – come i tedeschi che prima di ispezionare il disagio Crouch, storia tedesca è una sequenza di basso livello piuttosto che punti, portando a ulteriori informazioni può ispirare. »

Aus: oneview