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Der Versuch, Europa zu demontieren. Nach EU, Euro und Wulff nun Grass.

Freitag, April 6th, 2012

Broders schriftlicher Vernichtungsschlag mag zum Nachdenken anregen. Im Zusammenhang gesehen, erscheint das, was Grass sagt, übergreifend in einem fatalen Licht. Dass der Holtzbrinckverlag sich weigerte, den Grass-Erguß zu drucken, mag auch bedeuten, dass ihm dieser Teil der deutschen Publizistik zustimmt.

Denn, offen gestanden, Deutschland als souveränen Staat zu betrachten, erscheint nach den Eindrücken der letzten 6 Monate irrig. Wer bestimmt die deutsche Politik? Washington, der Spinger Verlag – oder wer?

Jedenfalls sind die Besorgnisse um Weltfrieden und Atomkrieggefahr unser Aller Bedrückung (vgl. Jaffes gekünsteltes Drumherum-, Drüberhergerede, http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-04/guenter-grass-gedicht-israel).

Anl.:

http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article106160221/Ein-autoritaerer-Knochen-spielt-verfolgte-Unschuld.html?wtmc=plista

Meinung 06.04.12
Günter Grass

Ein autoritärer Knochen spielt verfolgte Unschuld

In der ARD klagt Günter Grass über eine Kampagne der „gleichgeschalteten Presse“. Das Interview war die intellektuelle Selbstentleibung eines alten Mannes, der den Bezug zur Wirklichkeit verloren hat.
Von Henryk M. Broder

Medienrummel im Hause Grass – Kritik weltweit
Israel-Gedicht: Grass entgegnet Kritikern mit Nazi-Terminologie
Israel-Gedicht: Günter Grass wirft seinen Kritikern Rufmord vor
Israelkritik: Günter Grass – Nicht ganz dicht, aber ein Dichter

Lassen wir es dahingestellt, ob Günter Grass ein Antisemit ist oder ein „Freund“ des Landes Israel, dem er sich „verbunden“ fühlt. Erstens gibt es für „Antisemitismus“ keine physikalische Definition wie „Watt“, „Volt“ oder „Ampere“. Zweitens schließt das eine das andere nicht aus. Jeder Antisemit hat „jüdische Freunde“, auf die er sich oft und gerne beruft, vor allem, wenn es jüdische Selbsthasser sind, hinter denen er sich verstecken kann.

Antisemiten suchen die Nähe der Juden, fühlen sich ihnen verbunden – etwa so, wie Kannibalen von Frischfleisch angezogen werden. Zugleich fühlt sich der Antisemit durch den Vorwurf, er wäre einer, „tief verletzt“, denn eigentlich meint er es gut mit den Juden, sei es, dass er sie zur Aufgabe ihrer Religion zwingen möchte oder dass er sich „Sorgen um die Zukunft dieses Landes“ (Israel) macht, wie es Grass in einem Gespräch mit Tom Buhrow in den „Tagesthemen“ erklärte. Alternativ dazu dekretierte er im ZDF, man könne es nicht Israel überlassen, „wann es sich verteidigen darf“. Nein, da muss auch Günter Grass mitreden dürfen.

Es war eine Demontage, wie man sie in dieser Form lange nicht mehr erlebt hatte, eine intellektuelle Selbstentleibung, der Amoklauf eines alt gewordenen Mannes, der sich so daran gewöhnt hat, als „moralische Instanz“ und „moralisches Gewissen“ der Nation gefeiert zu werden, dass er darüber völlig den Bezug zur Wirklichkeit verlor.

Günter Grass, Leben und Werk
Grass sagte, er habe das Gedicht geschrieben, damit ein „tabuisiertes Thema“ endlich „zur Sprache kommt“, nämlich, dass „Israel eine Atommacht“ ist. Er rede „über Dinge, über die nicht oder zu wenig gesprochen wird“ und er habe sich mit seinem Gedicht „zum ersten Mal kritisch über Israel“ geäußert. Das alles ist nachweislich falsch und kann nur mit altersbedingter Vergesslichkeit entschuldigt werden.

Grass ist ein larmoyanter Autist
In einem Interview mit dem ZDF, das ebenfalls am Gründonnerstag aufgenommen und gesendet wurde, klagte Grass darüber, er werde „an den Pranger gestellt“, seine „Argumente“ würden nicht zur Kenntnis genommen, er fühle sich „gehässig und verletzend behandelt“. Auch das ist so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil wahr ist. Grass ist ein larmoyanter Autist, der mit dem Kopf gegen die Wand rennt und hinterher darüber jammert, dass die Wand es auf ihn abgesehen habe.

Die Tatsache, dass diesmal fast das gesamte Feuilleton Position gegen ihn bezieht, wertet er als eine „Kampagne“; würde sich aber das Feuilleton geschlossen hinter ihn stellen, wäre das natürlich keine Kampagne sondern nur eine angemessene Reaktion auf seinen „Tabubruch“.

Die maßlose Selbstüberschätzung beginnt schon damit, dass er einen Leserbrief als ein „Gedicht“ präsentiert, nur weil er die Zeilen so arrangiert hat, dass sie aus der Ferne einem Poem ähnlich sehen. Mit dieser Technik ist schon Erich Fried („und Vietnam und“) bekannt geworden, der aus jeder Schlagzeile mittels Zeilenbruch ein Gedicht fabrizieren konnte. Er mache sich den Vorwurf, sagte Grass, dass er „zu lange geschwiegen habe“, und das nicht zu seinem Gastspiel bei der Waffen-SS, sondern zur Situation im Nahen Osten, wo die Atommacht Israel den „brüchigen Weltfrieden“ bedroht.

Alles, was dazu gesagt werden musste, ist Donnerstag bereits gesagt worden, in seltener Einmütigkeit von der „FAZ“ bis zur „taz“, vom „Spiegel“ bis zur „SZ“, die das „närrische Gedicht“ (Karasek) am Mittwoch veröffentlichte, nachdem die „Zeit“ es sich im letzten Moment anders überlegt hatte. Nach dem Mitleid erregenden Auftritt von Grass in den ARD-„Tagesthemen“ und in dem ZDF-Journal bleibt nur wenig nachzutragen.

Der letzte Rest der Bonner Republik

Grass ist nicht nur ein überschätzter Literat, er ist eine sozialdemokratische Endmoräne, der letzte Rest der Bonner Republik, in der vor allem Autoritäten gefragt waren, weit mehr als heute auf der Berliner Bühne. Und Grass war schon immer ein autoritärer Knochen, auch als er 1969 mit der Parole „Ich rat Euch, SPD zu wählen“ durch das Land zog. Das war kein Rat, keine Empfehlung, es war ein Befehl. Als er dann zwanzig Jahre später für ein paar Monate nach Kalkutta zog, tat er das mit der Begründung, es werde ihm in Deutschland nicht genug „Respekt“ gezollt.

Und nachdem ihm in seiner Autobiografie „Beim Häuten der Zwiebel“ eingefallen war, dass er als 17-Jähriger kurz bei der Waffen-SS gedient hatte, und als er daraufhin gefragt wurde, warum er diese Information über 60 Jahre für sich behalten hatte, da empfand er solche Fragen als Zumutung und reagierte wie eine alt gewordene Klosterfrau, die früher in einem Puff gearbeitet hatte.

In einem Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung, in dem es um sein Gastspiel bei der Waffen-SS und die Reaktionen der Öffentlichkeit auf das späte Geständnis ging, sprach Grass von „Gleichschaltung“, der „Entartung des deutschen Journalismus“, einer „Tendenz zum Fertigmachen“ und einer „Totschlägerstimmung“, der er beinahe zum Opfer gefallen wäre: „Das war ja der Versuch, mich mundtot zu machen.“

Die verfolgte Unschuld fordert Respekt

Das ist erst fünf Jahre her und doch sind alle überrascht, dass Grass wieder von einer „Kampagne“ spricht, die von einer „gleichgeschalteten Presse“ gegen ihn geführt wird, weil er so unbequem ist und lauter heiße Eisen anpackt, die außer ihm anzupacken niemand sich traut. Wieder einmal spielt er die verfolgte Unschuld, der man den ihr gebührenden Respekt verweigert.

Aber anders als beim letzten Mal kann man die Zahl der Adjutanten, die ihm zu Hilfe eilen, an den Fingern einer Hand abzählen. Da wären: Ein ARD-Reporter, der Grass für den Friedensnobelpreis vorschlägt; der amtierende Präsident des deutschen PEN-Zentrums, von dem man auf diese Weise erfuhr, dass es noch existiert; ein Politiker der Linkspartei, der Grass für seinen Mut lobt, das „auszusprechen, was weithin verschwiegen“ wird; ein Abgeordneter der NPD aus Sachsen, der Grass für den „befreienden Tabubruch“ seinen Dank ausspricht und schließlich der Literaturkritiker Denis Scheck, der sich über einen „tollen Tag für die deutsche Literatur“ freut und es großartig findet, „dass ein Gedicht so eine Wirkung auslösen kann“ – völlig unabhängig von seinem Inhalt.

Es ist das letzte Aufgebot, das einem Dichter in Not zur Hilfe eilt. Wäre Grass so klug wie er tut, müsste er vor seinen Freunden mehr Angst als vor seinen Feinden haben.

ntv: 79% der Deutschen wollen Wulff gehen sehen.

Freitag, Februar 17th, 2012

Opel wird von GM in die Zange genommen. Genauso wie Mercedes und die Deutsche Bank juristisch. Die Rating Agenturen unterhalten weiter Sperrfeuer auf Europa. Die Bundeswehr ruft ihrerseits die Flugausbildung aus Arizona zurück. Amerikanische Truppen rücken aus Deutschland ab. Wohin?

Wird die Nato weiter stehen? Wird Wulff dem Sperrfeuer von bild, welt, spiegel, stern erliegen? Das wäre ein weiterer Stein, um Deutschland, Europa und den Euro zu destabilisieren.

Was planen die USA? Steht das State Department hinter den Rating Agenturen? Wir müssen, so scheint es, mit dem Schlimmsten rechnen. – Dem Auseinanderbrechen der Nordatlantischen Allianz.

Reißerische Panikmache der WELT fortgesetzt.

Donnerstag, Dezember 8th, 2011

Es erübrigt sich an sich, die reißerisch zusammengekratzten Belege für den Zusammenbruch des Euro, in der WELT nachzulesen. Diese Boulevardschreibe begleitet nun schon seit geraumer Zeit die Europa-Krise, die natürlich niemand leugnet.

Doch die Frage nach dem „cui bono“ liegt auf der Hand, und muß einmal, wenn die Krise vorbei sein wird, auf den Tisch gelegt werden. Hilfreich ist eine solche Presse für Alle, jedenfalls aber nicht die Europäer.
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http://www.welt.de/politik/ausland/article13757074/Angst-vor-dem-Gipfel-Der-Euro-kann-explodieren.html

Angst vor dem Gipfel – „Der Euro kann explodieren“Zentralbanken sollen sich schon auf ein Leben nach dem Euro vorbereiten.

Frankreichs Europaminister warnt: „Der Euro kann explodieren, Europa auseinanderfallen.“

Mit drastischen Worten hat Frankreichs Europaminister Jean Leonetti vor den Folgen der Schuldenkrise für Europa und den Euro gewarnt. „Der Euro kann explodieren, und Europa kann auseinanderfallen“, sagte Leonetti am Donnerstag vor dem EU-Gipfel in Brüssel dem Sender Canal+. Dies wäre nicht nur für Europa und Frankreich „eine Katastrophe“, sondern für die ganze Welt. „Die Lage ist ernst.“

Am Abend wollen die Staats- und Regierungschefs in Brüssel über die Euro-Schuldenkrise beraten. Mehrere Zentralbanken gehen offenbar schon von einem Scheitern aus.

Merkel und Sarkozy treiben EU-Reform voran. Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder kommen von Donnerstag an in Brüssel zusammen, um über die Euro-Schuldenkrise zu beraten. Dabei soll es unter anderem um Maßnahmen für strenge Haushaltsdisziplin und eine engere wirtschaftspolitische Abstimmung gehen.

Deutschland und Frankreich setzen sich dafür ein, verbindliche Regeln dafür mindestens im Kreis der 17 Euro-Länder vertraglich zu verankern, wenn Nicht-Euro-Länder wie Großbritannien keiner Vereinbarung zustimmen wollen. Leonetti sagte Canal+, wenn möglich solle aber eine Lösung der 27 EU-Länder gefunden werden.

Juncker warnt vor langwieriger Debatte um Änderungen

Der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, mahnte schnelle Änderungen der EU-Verträge an. „Die Änderung muss begrenzt sein, sie darf weder eine langwierige Debatte noch langwierige Ratifizierungsprozesse nach sich ziehen“, sagte Juncker der „Süddeutschen Zeitung“. Die Änderungen, Hauptthema beim heute beginnenden EU-Gipfel in Brüssel, sollen eine stärkere Kontrolle der Haushaltsdisziplin im Euro-Raum ermöglichen.

Er sei für „ein maximales Einmischen Brüssels“, sagte Juncker, lehnte Kontrollrechte des Europäischen Gerichtshofs, die Deutschland fordert, jedoch ab. Auch künftig sollten Haushaltspläne einzelner Staaten nicht in Brüssel genehmigt werden müssen. Aber: „Sie dürfen mit kritischen Fragen belegt werden bis hin zur Aufforderung, den Haushalt nachzubessern.“

Kritik an „moralischer Überlegenheit“ Deutschlands

Der Gipfel müsse sich schnell auf Änderungen verständigen, notfalls auch nur im Kreis der 17 Euro-Staaten, aber offen für alle. „Es darf nicht passieren, dass sich Großbritannien beispielsweise Sonderregeln für den heimischen Finanzmarkt einräumen ließe oder ein lasches Sozialrecht“, betonte Juncker.

Der Eurogruppen-Chef wiederholte seinen Eindruck, Deutschland fühle sich anderen Ländern moralisch überlegen. Die Deutschen sollten nicht denken, „sie müssten als einzig Tugendhafte immer für die anderen zahlen. So ist es nicht.“

EZB-Rat steckt geldpolitischen Kurs ab

In Frankfurt kam am Morgen der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einer seiner wahrscheinlich wichtigsten Sitzungen seit Ausbruch der Finanz- und Schuldenkrise zusammen. Kurz vor dem EU-Gipfel stecken die Notenbanker ihren geldpolitischen Kurs ab und dürften – so die Meinung der meisten Analysten und Ökonomen – mit einer weiteren Zinssenkung auf dann ein Prozent auf die dunklen Konjunkturwolken reagieren, die am Horizont heraufziehen.

Zudem werden die Währungshüter versuchen, den Druck auf die Politik hochzuhalten, beim Gipfel einen Durchbruch zu erzielen. Doch damit dürfte es der neue EZB-Präsident Mario Draghi nicht belassen.

Draghi hält sich weitere Intervention an Anleihemärkten offen

Fachleute gehen davon aus, dass die Notenbank das ihrige tun wird, um vor allem das europäische Bankensystem wetterfest zu machen. Dazu gehören etwa zwei- oder sogar drei Jahre laufende Refinanzierungsgeschäfte mit den Banken und eine noch weitere Lockerung der Sicherheitenregeln der Zentralbank.

Ob die EZB in einem weiteren Schritt damit beginnen wird, nach dem EU-Gipfel deutlich stärker an den Anleihemärkten zu intervenieren, ist unklar. Viele Beobachter hatten Draghi zuletzt so verstanden, dass er sich für den Fall, dass die Staats- und Regierungschefs in Brüssel den gordischen Knoten dieser Krise durchschlagen, diese Option als kurzfristige flankierende Maßnahme offen lässt. Sollte der Gipfel scheitern, wäre die EZB wahrscheinlich ohnehin dazu gezwungen.

Notenbanken bereiten sich auf Scheitern des Euro vor

Einem Bericht des „Wall Street Journal(sic!) zufolge bereiten sich die ersten Notenbanken in Euro-Ländern schon auf ein „Leben nach dem Euro“ vor. Demnach sorgen sich einige Notenbanker bereits darum, wo sie künftig andere Währungen drucken können.

Die Bank of Ireland prüfe, wie sie an zusätzliche Ressourcen zum Gelddrucken komme, falls kurzfristig eine nationale Währung eingeführt werden müsse, schreibt das Blatt unter Berufung auf Insider.

Mehrere Länder außerhalb der Euro-Zone, darunter die Schweiz, überlegten zudem, welchen Orientierungswert sie nach einem Zusammenbruch des Euros ansetzen sollten, um den Wert ihrer eigenen Währung zu messen. Montenegro, das zwar kein EU-Mitglied ist, aber den Euro als Währung nutzt, solle sich ebenfalls nach Ersatz umschauen.

Die US-Großbank JP Morgan rät dem Bericht zufolge Investoren und Unternehmen, sich gegen ein Ende des Euro abzusichern. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintrete, beziffert die Bank auf 20 Prozent. Laut „Financial Times“ hat allerdings gerade JP Morgan sein Kreditgeschäft in der Euro-Zone ausgeweitet. Das Volumen der Darlehen in Spanien, Italien, Griechenland, Portugal und Irland sei seit September um neun Prozent gestiegen, zitiert die Zeitung Vorstandschef Jamie Dimon.

Glaubt die WELT an George W. Bushs „Old Europe“?

Dienstag, November 29th, 2011

Deutschland und Frankreich sollen sich noch gegenüberstehen wie 1914. Diese Fehlinterpretation will die Berliner WELT wohl glauben. Denn es wäre ja zu schön, wenn sich die Europäer, wie im Zeitalter der Nationalstaaten, auseinanderdividieren ließen. Sollte Europa wirklich so wenig aus der Geschichte gelernt haben?

Wunschdenken wird greifbar. Diese Fehlinformation, durch gewisse (Amerikalastige) Medien in Deutschland immer wieder ventiliert, wird durch die Zahlen im Wirtschaftsausblick der OECD widerlegt:

Es erscheinen erstaunlicherweise die traditionell inkriminierten europäischen Schwächestaaten weniger ernst gefährdet, als die USA und Großbritannien, die allenfalls vielleicht noch wie Griechenland, Portugal, Tschechien und Spanien – die Krise von 2009 überhaupt nicht verarbeitet haben.

Wo aber bleiben die Herabstufungen dieser beiden Hauptschulden-Staaten durch Fitch, Standard & Poors etc.? Warum werden in Kontinuität ausschließlich – und über Monate – die europäischen Südstaaten angegriffen? Warum wird überdies der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland seit Monaten negativ kommentiert?

So liegt offensichtlich der Keim der Krise eher nicht in der permanent angegriffenen europäischen Wirtschaftszone, sondern kommt eher (wieder einmal) aus dem Westen. Und das unter Verfälschung der bei der OECD offenliegenden Wirtschaftsdaten der Industrieländer.

Anl.:

Die französische Angst vor einem „deutschen Europa“Schreckgespenst Eiserne Kanzlerin: Frankreich sieht sich in der Euro-Krise von Angela Merkel unter Druck gesetzt. Düstere Szenarien machen die Runde.

Ein kurzer Blick in die französische Presse der letzten Tage: „Le Monde“ bringt eine Doppelseite über die “ Welle der Germanophobie in Europa“. Zwar setzt die renommierteste französische Zeitung der Höflichkeit halber noch ein Fragezeichen hinter die Überschrift auf der Titelseite, doch der Artikel im Blatt lässt keinen Zweifel daran, dass „die Angst vor einem deutschen Europa bei französischen Spitzenpolitikern wächst.“

vergangene Woche in Straßburg Arnaud Leparmentier, der Élysée-Korrespondent des Blattes und wahrscheinlich der Pariser Journalist mit den besten Regierungsquellen, zitiert ein „Schwergewicht der Regierung“ mit dem Satz: „Die Deutschen dominieren alles. Wir erwarten ihre Entscheidungen ohne Einfluss auf die Ereignisse zu haben.“

Würde allein „Le Monde“ diese Stimmung beschreiben, wäre das bedenklich genug, doch das Bild wird von nahezu allen französischen Medien bestätigt. Dies lässt erahnen, dass hinter der mühsam inszenierten Harmonie des deutsch-französischen Führungsduos ein Konflikt aufflackert, den man für historisch überwunden gehalten hatte.

„Unnachgiebige Angela Merkel“
Im Zuge des Streits um die Rolle der Europäischen Zentralbank feiern alte Ressentiments fröhliche Urständ. Das Wirtschaftsmagazin „Challenges“ warnt auf seinem Titel vor dem „deutschen Europa“ und fürchtet sich vor „Angela Merkel und ihren Landsleuten“, die „immer weniger Komplexe haben, ihre Vorstellungen von Europa durchzusetzen.“

Im regierungsfreundlichen „Figaro“ erörtert der Leitartikler Gaétan de Capèle vor möglichen Folgen der „tiefen Meinungsverschiedenheiten“ über den Weg aus der Krise. Bislang habe sich nur Paris kompromissbereit gezeigt – und eine Neuverhandlung der EU-Verträge akzeptiert, die zu Souveränitätsverlust führen – Deutschland hingegen sei „unflexibel“. Diese „Dickköpfigkeit“ könne Europa und „Deutschland selbst“ noch teuer zu stehen kommen. Die „unnachgiebige Angela Merkel steht in der Verantwortung.“

In der Sonntagzeitung „Journal du Dimanche“ beklagt sich Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire – ehemaliger Koordinator für die deutsch-französischen Beziehungen, der fließend Deutsch spricht und eins der wenigen Mitglieder der Regierung Sarkozy, die zumindest privat germanophil sind: „Deutschland sendet keinerlei positives Signal. Merkel gibt bei der EZB in nichts nach. Das wird kompliziert.“

Der Chefredakteur des linksliberalen Magazins „Nouvel Observateur“, Laurent Joffrin, stimmt in seinem Kommentar dem französischen Außenminister Alain Juppé zu – der kurz vor dem Straßburger Treffen zwischen Merkel, Sarkozy und Mario Monti am vergangenen Donnerstag „eine wesentliche Rolle“ der EZB bei der Rettung des Euro gefordert hatte.

EU-Kommission als „technisches Sekretariat“
„Dogmatiker der europäischen Rechten“ würden das „Schreckensbild einer Hyperinflation“ heraufbeschwören, die „deutsche Regierung“ und die „Mehrheit der Finanztechnokraten“ würde eine „Lösung verweigern“, die ihrer Meinung nach „den entscheidenden Nachteil hätte, die Grillen Europas in ihrem Leichtsinn zu bestärken.“

Joffrin bestreitet dieses Risiko zwar nicht, hält es aber durch Vertragsänderungen für eindämmbar – wenn Deutschland im Gegenzug eine Wirtschaftsregierung akzeptiere, wie sie der ehemalige Kommissionspräsident Jacques Delors schon vor langem gefordert hätte.

Eben dieser Delors kritisiert derweil die Deutschen in einem Interview in „Challenges“ heftig: „Die deutsche Führung war zu Beginn der Krise im Sommer 2011 wegen der Zögerlichkeit Angela Merkels ziemlich desaströs.“ Vielleicht habe Angela Merkel die „Wichtigkeit Europas für Deutschland nicht verstanden“, vermutet Delors. Ihre Vorschläge seien geeignet, das „gemeinschaftliche Modell“ zu zerstören.

Merkels EU-Modell sehe vor, die Kommission auf ein „technisches Sekretariat“ zu reduzieren. Das könne nicht funktionieren, ist der ehemalige Kommissionspräsident überzeugt, der gegen Ende seiner Äußerungen eine geschichtsphilosophische Betrachtung anschließt: „Vierzig Jahre lang hat das Schuldgefühl die Deutschen dazu bewegt, mehr für Europa zu tun, um die Versöhnung zu erleichtern. Diese Zeiten entfernen sich.“

Die Deutschen müssten die Kraft wieder finden, die Helmut Kohl im Alter von 15 Jahren animiert habe, mit Gesinnungsgenossen einen Schlagbaum an der deutsch-französischen Grenze einzureißen. Kohl habe das aus europäischer Überzeugung getan, „er wollte nie wieder Krieg zwischen uns.“

Die düsteren Szenarien des Ökonomen Jacques Attali
Dieses Gefühl herrsche zwar immer noch bei den Deutschen, glaubt Delors, gleichwohl müssten sie verstehen, dass es auch zu einem „ökonomischen Krieg kommen kann.“ Was auf dem Spiel stehe, so Delors sei „die Stabilität eines Kontinents, der vor 60 Jahren große Entscheidungen getroffen habe.“

Ähnlich düstere Szenarien entwirft auch der Ökonom Jacques Attali: „Europa hat sich zweimal selbst umgebracht während der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert. Heute ist es wieder Deutschland, das die Waffe für den kollektiven Selbstmord in der Hand hält.“

Auch Attali fordert einen massiven Einsatz der EZB. Diese solle – ohne es anzukündigen – „liquide Mittel bereitstellen und „unbegrenzt“ Staatsanleihen der Euro-Länder kaufen. Ansonsten fürchtet Attali, würde der Euro möglicherweise „noch vor Weihnachten verschwinden.“

Jacques Attali, das sollte man vielleicht an dieser Stelle in Erinnerung rufen, war einer der engsten Berater François Mitterrands und federführend verantwortlich für die missglückte Wirtschaftspolitik des sozialistischen Präsidenten. Wenn Frankreich heute stellenweise nicht mehr wettbewerbsfähig ist, dann ist dies auch die Spätfolge dieser Politik. Gerade die ernüchternde Erkenntnis, ökonomisch ins Hintertreffen geraten zu sein, verstärkt jedoch zugleich das Ressentiment gegen die deutschen Nachbarn, die sich als Besserwisser aufspielen.

„Verantwortung für das Scheitern des Systems“
Besonders deftig fiel der Unmut über die Deutschen beim UMP-Abgeordneten Jacques Myard aus: „Deutschland trägt die volle Verantwortung für das Scheitern des Systems. Nach der Obsession mit der restriktiven Geldpolitik, will man uns nun ein Haushaltsdiktat aufzwingen, den deutschen Schlagstock. Das ist das Ende der nationalen Demokratien“, so der Abgeordnete der Regierungspartei, der auf seiner Internetseite fordert, „Frankreich muss sich von Deutschland distanzieren.“

Zwar läuft die Position des Hinterbänklers aus dem Departement Yvelines der offiziellen Linie Sarkozys zuwider, „größtmögliche Konvergenz“ zwischen Deutschland und Frankreich herzustellen, aber sie ist bezeichnend für die Stimmung, die sich auch in französischen Regierungskreisen zunehmend ausbreitet. Der Le Monde-Korrespondent Leparmentier beschreibt den Zustand französischer Regierungskreise angesichts der deutschen Vormachtstellung mit dem Satz: „Es herrscht Panik.“

Diese Panik entsteht nicht zuletzt dadurch, dass in Paris das Gefühl herrscht, sich mit kaum einem Vorschlag durchsetzen zu können. Stattdessen scheitere jeder Vorstoß an der Halsstarrigkeit der deutschen ordnungspolitischen Überzeugungen, die man in Frankreich mehrheitlich für „orthodox“, „dogmatisch“ oder bestenfalls „moralistisch“ hält:

Orthodox und dogmatisch, weil die Franzosen überzeugt sind, dass es nur in Deutschland noch Wirtschaftstheoretiker gibt, die Inflationsbekämpfung für die Hauptaufgabe einer Zentralbank hielten und auch bei drohender Depression auf einen rigorosen Sparkurs setzen wollen.

„Moralistisch“, weil die Deutschen schwächelnde Euro-Länder durch erzieherische Maßnahmen wie „automatische Sanktionen“ zwingen wollen, deutsche Haushaltsstrenge nachzuahmen, bevor sie bereit sind, über neue Finanzierungsmöglichkeiten auch nur zu diskutieren.

Gefühl eigener Hilflosigkeit angesichts deutscher Übermacht

„Was die Deutschen vertreten, war vor zehn Jahren gültig“, kritisiert etwa Jean-Louis Bourlanges vom zentristischen Think Tank „Fondation du Centre“. „Man sollte ein hohes Staatsdefizit vermeiden. Aber dafür ist es zu spät. Die (Deutschen) predigen auf neurotische Weise Positionen, die nicht den Erfolg haben werden, den sie sich versprechen“, schimpft Bourlanges.

Das Gefühl eigener Hilflosigkeit angesichts der deutschen Übermacht wurde unterdessen in Paris durch den Verlauf des Straßburger Dreier-Gipfels am vergangenen Mittwoch noch verstärkt. Angela Merkel erteilte dort den französischen Wünschen, die Europäische Zentralbank möge endlich in großem Stil Anleihen taumelnder Euro-Staaten kaufen, erneut eine Absage.

Auch für gemeinsame Staatsanleihen – die berüchtigten Euro-Bonds – war die Bundeskanzlerin nicht zu gewinnen, zumindest, solange die europäischen Verträge nicht verschärft sind und salopp wirtschaftende Staaten per „Sparkommissar“ und durch automatische Sanktionen zur Raison gebracht werden können.

Auch wenn inzwischen alternative Modelle wie so genannte „Elite-Bonds“ der wirtschaftlich kräftigen Staaten diskutiert werden – es ist es das Beharren auf deutschen Maximalforderungen, das die Franzosen zunehmend verzweifeln lässt. Zumal man sich in Paris darüber im Klaren ist, dass Berlin aufgrund der größeren wirtschaftlichen Stärke derzeit am längeren Hebel sitzt.

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy Die rhetorischen Wendungen des französischen Präsidenten, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit den gemeinsamen deutsch-französischen Führungsanspruch betont, und nahezu beschwörend wiederholt, Deutschland und Frankreich könnten der Krise nur gemeinsam trotzen, sonst „geht jeder für sich unter“, halten nicht wenige Pariser Beobachter mittlerweile nur noch für ein wackeres Pfeifen im Bois de Boulogne.

Angesichts der latenten Bedrohung des französischen AAA-Ratings scheint das Gleichgewicht der Kräfte nicht mehr gegeben – und gerade diese Erkenntnis der eigenen Schwäche ist es, welche den Unmut über die Deutschen noch verstärkt.

Für den anstehenden Wahlkampf bieten sich da nicht nur der sozialistischen Opposition zahlreiche Angriffsmöglichkeiten gegen den Präsidenten Sarkozy, der die Notwendigkeit der Annäherung an das „deutsche Modell“ selbst immer wieder verkündet hat – um die eigenen unpopulären Reformmaßnahmen zu rechtfertigen.

„Unglaubliche Arroganz“ Volker Kauders
Gerade diese vermeintliche Unterwerfung unter das deutsche Modell werden Sarkozys Gegner auf der Linken wie auf der Rechten in den kommenden Monaten munter attackieren – und die Ressentiments wohl dadurch noch verstärken: „Deutschland hat die Führung übernommen“, stellt etwa der Sprecher des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande, Pierre Moscovici, fest: „Die Verträge nur in Richtung Sparpolitik zu ändern ist keine Perspektive. Ich erkenne keine Fortschritte oder Gegenleistungen, die Nicolas Sarkozy dafür erhielte.“

Populisten wie Marine Le Pen auf der Rechten oder Jean-Luc Mélenchon und Jean-Pierre Chevènement auf der Linken dürften dieses Lied wohl in noch schärfer Tonlage anstimmen.

Der Linkspopulist Mélenchon bestreitet die vermeintliche Modellhaftigkeit der deutschen Wirtschaftspolitik schon seit Monaten vehement – und erregte sich unlängst in seinem Blog über die „unglaubliche Arroganz“ Volker Kauders, nachdem dieser verkündet hatte, in Europa werde nun wieder Deutsch gesprochen. Nicht zuletzt wegen derart feinfühliger Äußerungen wie jener des CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden, steht die deutsch-französische Freundschaft vor einer harten Belastungsprobe.

DIE WELT dreht seit Tagen mit Macht an der Panikschraube.

Montag, Oktober 10th, 2011

http://www.welt.de/finanzen/article13649981/Amerikaner-bringen-das-Waehrungsgefuege-ins-Wanken.html

Die nur europäischen Möglichkeiten der Merkel etc. zeigen, wie unterlegen die deutschen und europäischen Mittel, in der Auseinandersetzung mit den amerikanischen Interessen, sind.

Wertverfall des EuroAutor: Frank Stocker| 09.10.2011.

Amerikaner bringen das Währungsgefüge ins Wanken
Riesige Kapitalbewegungen: Die Amerikaner ziehen ihr Geld aus der ganzen Welt ab. Die Aktion könnte eine gefährliche Rezession auslösen.

Na gut, der Urlaub in den USA wird etwas teurer. Und vielleicht auch das Benzin. Aber für die deutsche Wirtschaft insgesamt scheint der sinkende Euro-Kurs genau zum richtigen Zeitpunkt zu kommen. Bis auf 1,31 Dollar je Euro ging es zu Beginn der Woche runter.

Der Euro in Bedrängnis: An den Börsen herrscht Nervosität
Am Freitag lag er zwar wieder bei knapp 1,34 Dollar, doch vor vier Wochen waren noch 1,45 Dollar zu bezahlen – ein satter Abschlag in kürzester Zeit. Das macht deutsche Exporte auf einen Schlag zehn Prozent billiger, sorgt für mehr Aufträge, erhöht die Gewinne. Und das kommt letztlich allen zugute – den Firmen, ihren Mitarbeitern und ihren Anlegern. Sollte man meinen.

Europas 35 größte Banken
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Das sind die Top 35 unter den europäischen Großbanken (nach Börsenwert)…
.1. HSBC

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Marktkapitalisierung: 102,72 Milliarden Euro
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2. Santander

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Marktkapitalisierung: 47,53 Milliarden Euro
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3. Standard Chartered

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Marktkapitalisierung: 36,19 Milliarden Euro
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4. UBS

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Marktkapitalisierung: 34,74 Milliarden Euro
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5. BNP Paribas

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Marktkapitalisierung: 32,49 Milliarden Euro
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6. Royal Bank of Scotland

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Marktkapitalisierung: 28,84 Milliarden Euro
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7. BBVA

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Marktkapitalisierung: 26,78 Milliarden Euro
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8. Lloyds

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Marktkapitalisierung: 26,45 Milliarden Euro
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9. Nordea Bank

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Marktkapitalisierung: 22,60 Milliarden Euro
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10. Deutsche Bank

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Marktkapitalisierung: 22,07 Milliarden Euro
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11. Barclays

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Marktkapitalisierung: 21,27 Milliarden Euro
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12. Allied Irish Banks

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Marktkapitalisierung: 20,54 Milliarden Euro
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13. Credit Suisse

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Marktkapitalisierung: 20,44 Milliarden Euro
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14. Intesa Sanpaolo

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Marktkapitalisierung: 15,56 Milliarden Euro
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15. Unicredit

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Marktkapitalisierung: 14,01 Milliarden Euro
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16. Societe Generale

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Marktkapitalisierung: 13,49 Milliarden Euro
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17. Credit Agricole

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Marktkapitalisierung: 13,03 Milliarden Euro
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18. Fortis

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Marktkapitalisierung: 12,70 Milliarden Euro
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19. Caixabank

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Marktkapitalisierung: 12,08 Milliarden Euro
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20. DnB Nor

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Marktkapitalisierung: 11,62 Milliarden Euro
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21. Svenska Handelsbanken

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Marktkapitalisierung: 10,67 Milliarden Euro
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22. Swedbank

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Marktkapitalisierung: 9,21 Milliarden Euro
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23. Commerzbank

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Marktkapitalisierung: 8,31 Milliarden Euro
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24. Seb Bank

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Marktkapitalisierung: 8,09 Milliarden Euro
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25. Danske Bank

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Marktkapitalisierung: 8,01 Milliarden Euro
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26. Erste Group

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Marktkapitalisierung: 7,55 Milliarden Euro
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27. Nataxis

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Marktkapitalisierung: 7,18 Milliarden Euro
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28. Bankia

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Marktkapitalisierung: 6,23 Milliarden Euro
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29. KBC

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Marktkapitalisierung: 5,39 Milliarden Euro
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30. Mediobanca

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Marktkapitalisierung: 5,19 Milliarden Euro
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31. Julius Bär

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Marktkapitalisierung: 5,08 Milliarden Euro
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32. Banco Popular

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Marktkapitalisierung: 4,65 Milliarden Euro
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33. Raiffeisen Bank

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Marktkapitalisierung: 4,51 Milliarden Euro
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34. Banca Monte Die

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Marktkapitalisierung: 4,50 Milliarden Euro
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35. Deutsche Postbank

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Marktkapitalisierung: 4,45 Milliarden Euro
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Quelle: Bloomberg, Stand: 15.9.2011 – 11 Uhr

…Doch so einfach ist es leider nicht. Denn hinter den Bewegungen am Devisenmarkt steckt eine gigantische Umleitung der globalen Kapitalströme. Sichtbar ist diese für Anleger und Verbraucher bisher nur in dem leichten Rückgang des Euro-Kurses. Doch wie auch in der Natur kann eine solche Strömung schnell zu einem reißenden Fluss werden, der dann die Weltwirtschaft wie in einem Strudel mit nach unten zieht. Das wäre ein Debakel für die Unternehmen, ihre Mitarbeiter und die Anleger.

Die Finanzmärkte bewegen täglich Milliarden um die Welt. Mal geht der Trend in die eine Richtung, mal in die andere. In den vergangenen zwei Jahren war es angesagt, Geld außerhalb der USA anzulegen, denn der Staat häufte unablässig immer neue Schulden auf, und die Notenbank druckte wie wild Geld. Das untergrub das Vertrauen. „Der Euro war dazu eine Art ‚Anti-Dollar‘“, sagt Hans Redeker von der Investmentbank Morgan Stanley.

Anleger brachten ihr Geld nach Europa, vorzugsweise nach Deutschland. Doch seit einigen Wochen hat die Stimmung gedreht. Ein Grund dafür ist die nicht enden wollende Schuldenkrise in Europa. Doch das allein reicht nicht, denn diese schwelte auch schon zuvor. Hinzu kommt jetzt, dass die Weltwirtschaft insgesamt schwächelt. Und solche Entwicklungen treiben Amerikas Anleger jedes Mal nach Hause. Sie holen ihr Geld heim.

Zunächst stiegen sie aus ihren deutschen Aktien aus, was im August den deutschen Aktienindex (Dax) zusammenbrechen ließ. Denn damit hatten Amerikas Anleger besonders hohe Gewinne gemacht. Dann liquidierten sie nach und nach weitere Anlagen.

Börsen in Asien brechen ein
Zuletzt waren beispielsweise Aktien aus Indonesien und Thailand an der Reihe, die sich lange noch gut gehalten hatten. In den vergangenen vier Wochen, in denen der Dax mehr oder weniger seitwärts lief, brachen die Börsen in Jakarta und Bangkok um rund 20 Prozent ein.

So geht es seit Wochen, Börse um Börse bricht ein, US-Anleger verkaufen und holen ihr Geld heim. Dabei geht es um gigantische Summen. So wurden allein in der letzten Septemberwoche rund drei Milliarden Dollar aus Fonds abgezogen, die in Aktien aus Schwellenländern investieren, wie Zahlen des Fondsdatenlieferanten EPFR zeigen. Das ist der höchste Wert, der jemals gemessen wurde. Fonds, die in Anleihen aus diesen Staaten investieren, verkauften weitere drei Milliarden Dollar – macht sechs Milliarden Dollar in einer Woche. Und die Verkaufswelle geht weiter.

Droht ein neues Bankenbeben?.Doch wohin geht das Geld? Auch das zeigen die Daten von EPFR. Fonds, die in US-Anleihen investieren, konnten sich Ende September über die höchsten je gemessenen Zuflüsse freuen, bei sogenannten amerikanischen Kommunalanleihen war es immerhin ein 54-Wochen-Hoch. Die Amerikaner holen ihr Geld aus der ganzen Welt nach Hause und stecken es in Anleihen des eigenen Staates, denn diese gelten für sie als der einzige sichere Hafen in den stürmischen Zeiten, wie sie derzeit herrschen.

Dies wiederum lässt den Dollar-Kurs seit Wochen drastisch steigen – und im Gegenzug den Euro-Kurs, aber auch die Kurse vieler anderer Devisen im Vergleich zum Dollar drastisch sinken. Der russische Rubel gab über zehn Prozent nach, der südafrikanische Rand rund 15, der brasilianische Real sogar 20 Prozent – und all das innerhalb von gerade mal vier Wochen. Die einzige Währung, die dem Trend derzeit noch widerstehen kann, ist der japanische Yen.

Dies liegt daran, dass Japan eine relativ breite Basis einheimischer Investoren hat und nicht so abhängig von den Dollar-Investoren ist. Ganz anders dagegen die Schwellenländer, die es daher auch besonders hart getroffen hat.

Kapital wird weltweit abgezogen
So verständlich diese Entwicklung aus Sicht eines amerikanischen Investors auch ist: Die Herde, die kollektiv in eine Richtung trabt, droht dabei auch manches zu zertrampeln, was wertvoll ist. So hat der Internationale Währungsfonds vor einigen Monaten in einer Studie gezeigt, wie der Kapitalzufluss aus dem Ausland in den Schwellenländern zu einer erhöhten Kreditvergabe der Banken führt und so wiederum das Wachstum fördert. Damals war das Augenmerk hauptsächlich darauf gerichtet, dass durch die enormen Kapitalzuflüsse die Konjunktur überhitzt und die Inflation befeuert wird.

Doch nun geht es genau in die andere Richtung. Jetzt droht ein abruptes Abziehen des Kapitals die Kreditvergabe zusammenbrechen zu lassen, was wiederum das Wachstum dieser Länder beeinträchtigt. Dabei ist gerade die Konjunktur in den Schwellenländern die letzte Hoffnung für die lahmende Wirtschaft der Industriestaaten. Wenn jedoch nun das Wachstum in diesen Ländern auch noch einbräche, dann würde dies zu noch stärkeren Kapitalabflüssen führen und ließe den Dollar noch weiter steigen – ein Teufelskreis käme in Gang.

Das einzige Land, das von diesen Zu- und Abflüssen deutlich weniger abhängig ist, ist China. Peking kann seine Banken per Befehl anweisen, Kredite zu vergeben oder es zu unterlassen. Hier droht also für die Wirtschaft des Landes keine Gefahr. Sie kommt jedoch aus anderer Richtung. Denn der starke amerikanische Dollar hat in den vergangenen Wochen auch den Wechselkurs zum chinesischen Yuan beeinflusst.

Seit Jahren klagen die Amerikaner darüber, dass China seine Währung künstlich schwach halte. In den vergangenen zwei Jahren ließ das Reich der Mitte den Yuan jedoch langsam, aber stetig aufwerten, allein in den vergangenen zwölf Monaten um rund sieben Prozent. Doch seit der Dollar neu erstarkt ist, ist diese Entwicklung zum Stillstand gekommen.

Droht ein neuer Handelskrieg?
Prompt hat der amerikanische Senat in der vergangenen Woche ein Gesetzgebungsverfahren angestoßen, das Chinas Exporteure mit Strafmaßnahmen belegen soll. Peking wiederum reagierte mit harschen Tönen. Die Vereinigten Staaten riskierten einen Handelskrieg, verkündeten prompt die Zentralbank sowie diverse Ministerien – allein die Reaktion mehrerer staatlicher Stellen gleichzeitig zeigt, wie besorgt man im Reich der Mitte ist.

Ein Abwürgen der Kreditvergabe, ein neuer Handelskrieg – auf diese Weise könnte die Weltwirtschaft endgültig in die Rezession getrieben werden. Und all dies ausgelöst von den Milliardensummen, die amerikanische Großinvestoren hin und her bewegen. Sie haben es daher in der Hand, diese Folgen zu verhindern.

Ende vergangener Woche sah es so aus, als kämen sie vielleicht doch allmählich zur Vernunft. Der Euro-Kurs stabilisierte sich wieder. Neueste Zahlen von EPFR zeigten, dass zuletzt „nur“ noch 4,8 Milliarden Dollar aus den Schwellenländern abgezogen wurden, etwas weniger als in der Vorwoche.

Doch das ist eben noch lange keine Trendumkehr. Deutsche Anleger sollten daher die nächsten Wochen lieber auf der Seitenlinie verharren und Anlagen in Schwellenländern meiden, seien es Aktien oder Anleihen. Denn von der Herde der Großinvestoren würden sie glatt überrannt, wenn diese wieder zur Stampede ansetzt.

1918: Deutschlandplan der USA

Freitag, Oktober 7th, 2011

Im Tagebuch Harry Graf Kesslers aus dem Ersten Weltkrieg finden sich Hintergrund- informationen, die überraschend nah die Haltung der US-Regierung jener Jahre an den Morgenthauplan von 1946 rücken.

Gerade in unseren Tagen der unverkennbaren Distanz zwischen den USA und Europa mögen solche Beobachtungen das Auge schärfen für die Realitäten zwischen den sich neu herausbildenden Räumen mit Weltmachstatus USA, Europa, Rußland, China und Asien.
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18. Oktober 1918. Freitag. Bern.

Jahrestag der Schlacht bei Leipzig. 1915 waren wir an diesem Tage in Radom auf dem grossen Rückzuge, Hindenburg hielt eine Rede. Wie unendlich fern jene Zeit! – Lille ist gestern gefallen. …

Schwerins u. Renthe Finck frühstückten bei mir. Nach dem Frühstück bat mich die St auf ihr Zimmer, wo ich die Psycha fand. Beide Frauen, „plus Allemandes que les Allemands“ wollten getröstet sein. In Entente und neutralen Kreisen betrachte man uns als vollkommen erledigt; bereit zu jeder Kapitulation. Die St. kam wieder auf die Entfesselung der Revolution in Frankreich zurück. Romberg [deutscher Botschafter in der Schweiz] sagte mir heute Morgen, nach seinen Nachrichten seien die französischen Sozialisten vollkommen an die Wand gedrückt.

… Auf der amerikanischen Botschaft habe sie gehört, dass er vor Kurzem dem französischen Botschafter seine „modération“ vorgeworfen und geäussert habe, die Franzosen seien „great fools“, dass sie nicht das linke Rheinufer verlangten. Ich frage mich immer wieder nach den Motiven der St. – Nachmittags besuchte mich Haguenin. Er bat um Schonung für seine Mutter bei unserem Rückzuge. An einen Waffenstillstand glaube er nicht; weil Wilson ihn nicht wolle. Er habe eine grosse Kriegsmaschine geschaffen und gönne ihr den Triumph. Ausserdem sei er nicht mehr Herr der Leidenschaften, die er selbst in Amerika entfesselt habe. Er wolle siegen und Deutschland den Frieden diktieren. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker lege er im engsten ethnographischen Sinne aus, ohne Rücksicht auf historische, wirtschaftliche oder geographische Umstände. So habe er eine Kommission von amerikanischen Gelehrten eingesetzt, die untersuchen sollten, inwieweit die germanisierten Slawen östlich der Elbe wirklich Deutsche seien, und durch welche Mittel man sie germanisiert habe. Wir könnten da noch Überraschungen erleben. Eine andre Motivreihe entspringe aus seinem demokratischen Glauben, wonach die Republik die einzige menschenwürdige Staatsform sei. Deshalb werde er auf die Absetzung der Hohenzollern Dynastie bestehen. Auch sprächen bei ihm moralische Überzeugungen stark mit. Er betrachte sich als eine Art Jehovah, einen Vollstrecker der göttlichen Gerechtigkeit und werde die Bestrafung Deutschlands oder wenigstens der verantwortlichen Kreise in Deutschland betreiben, vielleicht hierzu wirtschaftliche Druckmittel anwenden. Andrerseits werde er Nichts dagegen einwenden, wenn die Deutschen Österreichs sich ans Deutsche Reich anschlössen. Allerdings würde er hierbei vielleicht einen Zusammenschluss Süddeutschlands und dessen Trennung von Norddeutschland versuchen. Das gestrige Manifest des Kaisers von Österreich sei ein ungeheurer Fehler. Denn dadurch habe der Kaiser selber anerkannt, dass Österreich aus getrennten Nationen bestehe. Von einem Sonderfrieden der Entente mit Österreich oder von einer Erhaltung oder gar Stärkung Österreichs durch die Entente könne seitdem keine Rede mehr sein. Die französischen Sozialisten könnten gegen Clemenceau Nichts. Ausser den Sozialisten stünde ganz Frankreich hinter Clemenceau. C’est une espèce de Jeanne d’Arc. Gegen diesen ungeheuren Bloc seien die Sozialisten machtlos. Auch könnten sie keinen Putsch machen; denn 2 Millionen Amerikaner stünden gegen sie zur Verfügung. Es sei sogar ein Fehler, dass sie jetzt nicht mitmachten und sich dadurch nutzlos verbrauchten; wertvoll würden sie nach dem Frieden werden, wenn es sich darum handle, die Beziehungen zu Deutschland wieder anzuknüpfen. Frankreich werde nach dem Kriege eine amerikanische Kolonie sein. Überhaupt scheine Wilson eine Art von Oberherrschaft über Europa anzustreben. „La stupidité américaine va s’étendre sur l’Europe“. Hierzu müsse man eigentlich einen Geheimbund der freien Geister aller Länder bilden. Das gewöhnliche Volk in Frankreich komme aber besser mit den Amerikanern wie mit den Engländern aus. Diese seien dem gemeinen Mann in Frankreich zu reinlich und zu stolz. Der Amerikaner sei schmutziger und fraternisiere ohne Scheu selbst mit dem zerlumptesten Arbeiter oder Bauern. –

Abends Fest von Montgelas für die Journalisten. Längere Gespräche mit Guttmann u. Kommer. Kommer, der bis 1917 in Amerika war u. Beziehungen zur Regierung hatte, überzeugt, dass wir keinen Waffenstillstand von Wilson bekommen werden. Die Amerikaner machten rein theoretische Experimente mit Europa. Der Oberst House u. seine Kommission studierten die europäische Ethnographie im Konversationslexikon und andren „standard works“ und operierten nach diesen Quellwerken auf der Karte herum. Alle Imponderabilien, auch historischen, wirtschaftlichen, geographischen Zusammenhänge blieben dabei ausserhalb ihres Gesichtswinkels. Also genau das, was Haguenin mir gesagt hat. …“ (Hervorh.v.m., B.S.)