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Von Ungebrochener Aktualität. Deutschland, die Türkei und der Balkan.

Mittwoch, Januar 21st, 2015

Bernd F Schulte- Outstanding German Military Historian-Imperial Germany and Ottoman Turkey

 In: http://csi-ops.blogspot.de/search?q=bernd+f.+schulte

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Soldat und Technik, September 1980

 

Westfalenpost, Dezember 1980

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Bernd F. Schulte: Vor dem Kriegsausbruch 1914. Deutschland, die Türkei und der Balkan. 184 S., Droste/ Düsseldorf 1980, 38,- DM.

Der Vf. (Historiker und Politikwissenschafter, jetzt wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule der Bundeswehr in Hamburg) untersucht an dem Beispiel der militärischen Veränderungen im balkanisch-türkischen Raum während der Jahre 1911-1914 die Bedeutung der deutschen militärischen Zusammenarbeit mit der Türkei wobei es insbesondere um die Politik der deutschen Reichsleitung in den Jahren 1912-1913 geht. Vor allem durch die Tätigkeit des Generals v.d. der Goltz-Pascha, der 1883-95 als deutscher Militärinstrukteur und dann 1909-1913 als Vizepräsident des türkischen Obersten Kriegrates für die Neuorganisation der türkischen Armee tätig war, wurde der deutsche militärische Einfluß in der Türkei so groß, daß die Türkei als möglicher Bündnispartner des Deutschen Reiches und als gewichtiger Faktor gegen Rußland/ England und Frankreich in die strategischen Überlegungen des deutschen Generalstabes bezogen wurde.

AIs dann zur Überraschung aller europäischen Mächte die türkische Armee I.Balkankrieg im Herbst 1912 innerhalb weniger Wochen zusammenbrach, wirkte sich dies erdrutschartig auf die deutsche Militär- und Außenpolitik aus. Die deutsche Reichsleitung entschied sich nun dafür, die Flottenrüstung wieder hinter der vorrangigen Heeresverstärkung zurückzustellen. Dabei war man in der deutschen militärischen Führungselite durchweg der Überzeugung, „der große Krieg müsse und werde kommen“ (S. 38) und es werde sich nur um einen „kurzen Krieg“ handeln. Der wachsende russische Druck im Osten führte zum deutschen Plan eines „zeitlich scharf kalkulierten Entscheidungsschlages gegen Frankreich“ (S. 74), nach dessen Gelingen sich die deutsche Hauptmacht gegen Rußland richten sollte (Schlieffen-Plan). Im Zusammenhang mit der großen Heeresvorlage von 1913 setzte eine verstärkte deutsche Aufrüstung ein, ein weiterer Schritt im Rüstungswettlauf der großen Mächte. Auch nach der Balkankrise konnte die Türkei durch die deutsche Diplomatie als potentieller Bündnispartner festgehalten werden. In Auswirkung dieser Zusammenarbeit (l9l3-l914 General Liman von Sanders als Chef der deutschen Militärmission in der Türkei) stellte sich bei Ausbruch des l. Weltkrieges die Türkei an die Seite der Mittelmächte, wobei sicherlich auch die Hoffnung mitentscheidend war, sich durch dieses Bündnis gegen die von den alliierten Gegenmächten drohende Aufteilung des türkischen Reiches zu schützen.

Es handelt sich um eine sorgfältige Untersuchung, die im einzelnen nachweist, daß die militärischen und politischen Entscheidungen der deutschen Reichsleitung im erstaunlichen Umfang von den Ereignissen und Gewichtsverschiebungen im balkanisch-türkischen Raum mitbedingt waren. Grundlage sind neben dem – bereits sehr umfangreichen – gedruckten Schrifttum (S. 179-184) die Aktenbestände von München (Kriegsarchiv), Koblenz (Bundesarchiv), Freiburg (Militärarchiv), Karlsruhe (Generallandes-Archiv), Stuttgart (Hauptstaatsarchiv). – Ein sorgfältiges „Personenregister“ (S, 173-177) erschließt den Inhalt. – Ein ausführlicher „Dokumentenanhang“ (S, 123-172) bringt einschlägige Aktenauszüge.

Georg Stadtmüller (1909-1985/Ordinarius für Ost- und Südosteuropageschichte an der Universität München), in: Das Historisch-Politische Buch 1/1981, S. 20.

 

Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 3/1981 von Adolf Gasser/Basel

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Historische Zeitschrift, Nr. 233 (1981), S.220f.

 

Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, 2-82

 

Annotierte Bibliographie f. d. pol. Bildung, 1/82-176

Militärgeschichtliche Mitteilungen, 1-82

Es ging um die Welt. Der Riskante Weg Von 1914.

Dienstag, Juli 29th, 2014

Lediglich Fehlkalkulation oder wohlüberlegter, gescheiterter Plan? Wirtschaftsrivalität (so schweizerische Diplomaten), Hochrüstung, Polykratie der Entscheidungsträger, überholte gesellschaftliche Strukturen, in Deutschland und Berlin, sollen dafür zusätzlich verantwortlich gewesen sein.

Stand etwa ein großer Wurf eher dahinter, ein übergreifendes Bild, von Rang und Bedeutung, des Deutschen Reichs in der Zukunft? Nach den Ausführungen des engen Beraters Bethmann Hollwegs, des Universalhistorikers, und Freundes, Karl Lamprecht (Leipzig), könnte dies Tatsache gewesen sein. Die politisch Verantwortlichen in Berlin scheinen, anders als etwa Goebbels und Hitler das verstanden, durchaus mit begründeten Vorstellungen, von der deutschen und internationalen Politik, ja, von einem philosophischen Überbau aus, in die Krise des Jahres 1914 gegangen zu sein.

Es schält sich hier heraus, dass der eigentliche Gegner des Deutschen Reichs im Weltkrieg Großbritannien war. Dies macht die Epochenscheide dieses ersten universalen Krieges aus. Dessen war sich der Kanzler Bethmann Hollweg von Anfang an bewusst. Blieb doch die Grundlinie deutscher Politik – Weltmachstreben plus kontinentale Hegemonie – bis 1914 unangetastet. Das läßt sich an der Rüstungspolitik des Kaiserreichs seit 1909 ablesen. Damit war jedoch das Scheitern jeglicher Ausgleichsbe- strebungen mit London programmiert. Ähnlich wie 1937/38 (Raeders Großschiffbau), als GB bereits mit Rüstung antwortete. Ebenfalls die Hoffnung auf eine Neutralität des Inselreichs – im Falle einer zentraleuropäischen, militärischen Auseinandersetzung – war bereits im April 1913, und damit an oberster Stelle, als wenig wahrscheinlich erkannt.

Auch zeigt sich am Beispiel Belgien, das Lamprecht für Bethmann Hollweg (vor dem Hintergrund der Kriegszielentwürfe) explorierte, was die europäischen Staaten, seien es Verbündete oder aber Kriegsgegner, von einer künftigen wirtschaftlichen und (oder) politischen Konföderation, als europäischer Verfaßtheit – mit dem siegreichen Deutschen Reich als Gravitationszentrum – hielten. Solange England nicht geschlagen wäre, hätte ein solcher Plan keine Chance. Allerdings gingen die Vorstellungen deutscherseits, in der Phase der eingehenderen Diskussion eines künftigen Deutschen Reiches von 1916 (nach dem gewonnen Krieg), auch in den Kriegszielen (z.B. Nordeuropa, Rußland betreffend) beträchtlich weiter, als das September-Programm Kurt Riezlers dies zeigt. Die tieferen Schichten solchen Denkens enthüllen gerade Forschungen zu den parallel anmutenden Weichenstellungen in der Krimkriegphase 1852-55 in Berlin, London und Paris.

1914 war sicherlich nicht dass Wunschdatum Berlins für eine derartig tiefgreifende Entscheidung. Zeit wäre Berlin bis 1918 geblieben, wenn es primär um die Kriegsbereitschaft Rußlands gegangen wäre. Deshalb auch die Ermutigung, den Krieg mit Serbien zu führen, die Österreich-Ungarn zuteil wurde (vgl. den Druck, der z.B. von der Wiener Botschaft, zunächst bis zum 23.7.1914, auf den Grafen Hoyos ausgeübt wurde). Aber der fortschreitende Verfall Wiens als Bündnispartner, die zunehmenden finanziellen Belastungen die das Deutsche Reich, trotz heraufziehender Konjunkturbaisse, bereits schulterte, ließen vor den Augen des Reichskanzlers den Schattenriß einer verloren gehenden hegemonialen Position Deutschlands in Europa über die Täfelung seines Arbeitszimmers in Hohenfinow huschen. Diese Überlegungen bestätigte der Kanzler 1919, vor dem Untersuchungsausschuß des Reichstages zu den Ursachen für den Verlust des Krieges.

Es waren das schwere Stunden, zwischen dem 28. Juni und dem 5. Juli 1914, in denen Theobald von Bethmann Hollweg entschied, das Wagnis einer kriegerischen Lösung des europäischen Problems sei einzugehen.

Eine überschätzte Quelle. Riezlers Aufzeichnungen aus dem Juli 1914.

Mittwoch, Juli 16th, 2014

Die Tagebücher XXXa und b aus dem Juni – Juli 1914 sind bislang unbekannt. Jedenfalls enthielten diese, nebst den Aufzeichnungen aus den Jahren 1908 bis 1914, weit eingehendere Schilderungen, als dies aus den bunt zusammengestellten Blockblättern hervorgeht. Zum Beispiel spricht Riezler in dem Original-Tagebuch bereits die Kriegsschuld an. Theodor Heuß und die amerikanische Autorin Toni Stolper haben die Originale noch gesehen. So kann Frau Stolper über Aspekte berichten, die uns noch verborgen sind. Etwa entstand das Problem der Kriegsschuld bereits mit dem Kriegsausbruch. So etwa bei Bülow, Tirpitz u.a. Ein Zeuge: der Chef des Marinekabinetts, Admiral von Müller.
Auch im Nachlaß Theodor Heuß befanden sich dessen Stellungnahmen zur Lektüre der Original-Tagebücher. Wolfgang Mommsen hat diese gesehen, durfte darüber aber keine Mitteilung machen. Es ist zu erwarten, dass diese in die Richtung der Aussagen von Toni Stolper gingen. Allerdings ist auch aus anderen Gründen wenig Honig aus den Papieren, und dem Nachlaß, Kurt Riezlers zu saugen. Riezler war ein konservativ-liberales Mitglied der damaligen Führungselite und hat es säuberlich über die Jahrzehnte vermieden, durch zu viel Enthüllung dem deutschen Nimbus zu schaden.

Berlin, 16.7.2014 Bernd F. Schulte

Bernd F. Schulte: A House Divided Against Itself,Über den deutschen Umgang mit Staatsgeheimnissen, in: Ders., Aufstieg oder Niedergang. Deutschland zwischen Mittelalter und Postmoderne. Hamburger Studien zu Geschichte und Zeitgeschehen, Reihe I, Bd. 4, Norderstedt 2008, S. 161-201.
Ders., Riezler Affäre: Eine feuergefährliche Frage, in: Ders., Das Deutsche Reich von 1914. Europäische Konföderation und Weltreich, in: Hamburger Studien zu Geschichte und Zeitgeschehen, Reihe II, Bd. 2, Norderstedt 2013, S. 77-83 (2014 als e-book).
Ders.: Was Deutsche wissen dürfen – und was nicht (1914-2008). „Ein Staatsgeheimnis“ oder „Die Diskussion um die Fälschung der Riezler Tagebücher“, ebd., S. 92-106.
Ders., Einleitung, in: Weltmacht durch die Hintertür. Deutsche Nationalgeschichte in der Diskussion. Ebd., Reihe I, Bd. 2. Norderstedt 2003.
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http://www.focus.de/wissen/experten/buelow/das-geheimnis-der-riezler-tagebuecher-der-reichskanzler-der-den-weltkrieg-wollte_id_3973079.html

Streitfrage zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Große Kriegslüge – Drängte der Reichskanzler auf den Ersten Weltkrieg? Mittwoch, 16.07.2014, 11:15 · von FOCUS-Online-Experte Ralf Bülow

Eine wichtige Quelle zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs sind die Notizen von Kurt Riezler, der im Juli 1914 fast täglich mit Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg zusammentraf. Ihre Echtheit ist aber seit langem umstritten. FOCUS-Online-Experte Ralf Bülow erklärt den Hintergrund.

Vor genau einem Jahrhundert, im Juli des Jahres 1914, lief in den Zentren der europäischen Großmächte der Countdown zur Katastrophe. Am 28. Juni 1914 ermordete ein bosnischer Serbe den Wiener Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau in Sarajewo, der Hauptstadt der damals österreichischen Provinz Bosnien-Herzegowina. Seitdem suchten Minister, Monarchen und Militärs nach einer passenden Antwort auf dieses Verbrechen.

Ihre politischen Planungen, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führten, spielten sich meist hinter den Kulissen ab, und nur wenige Außenstehende konnten das Denken und Handeln der Entscheider verfolgen. Zu ihnen gehörte Kurt Riezler, ein Mitarbeiter der Berliner Reichskanzlei. Der 32-jährige Münchner war Vertrauter des Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg und im Juli 1914 oft mit ihm zusammen, entweder in Berlin oder in Bethmann Hollwegs Gutshaus im nahen Hohenfinow. Riezler hinterließ Tagebücher aus der Kriegszeit. Riezler emigrierte 1938 in die USA und lebte ab 1954 in Rom. Er starb 1955 in München. Im seinem Nachlass fanden sich Tagebücher in Form von Schulkladden, die die Jahre 1910 und 1911 sowie die des Ersten Weltkriegs erfassten. Außerdem tauchten 19 Blätter mit Aufzeichnungen für die Zeit vom 7. Juli bis 14. August 1914 auf.

Die Forschung wurde in den späten 1950er-Jahren auf diese Texte aufmerksam. 1972 erschienen sie in einer gedruckten Edition des Historikers Karl Dietrich Erdmann.

Die Tagebuch-Blätter zum Juli 1914, also zur direkten Vorgeschichte des Krieges, stellen vor allem Reflexionen zur politischen Lage dar und dokumentieren Aussagen des Reichskanzlers. Für den 14. Juli berichtet Riezler den bekannten Ausspruch Bethmann Hollwegs vom „Sprung ins Dunkle“, der zugleich „schwerste Pflicht“ sei. Die Kriegserklärungen von Österreich-Ungarn und Deutschland Ende Juli und Anfang August kommen jedoch nicht vor.

Kurz nach Erscheinen der Druckversion der Tagebücher äußerten die Historiker Fritz Fellner und Bernd Sösemann die begründete Vermutung, dass die 19 Blätter aus dem Sommer 1914 keine Originalfassungen darstellen, sondern Überarbeitungen sind, die Riezler nach später verschwundenen Notizen anfertigte. Der Historiker Bernd F. Schulte entdeckte 1985, dass sich die erste, auf den 7. Juli 1914 datierte Eintragung jener Blätter auf Ereignisse bezieht, die erst am 25. Juli stattfanden.

Was in den verschollenen Kladden über die schicksalhaften Julitage stand, bleibt Spekulation. Es gibt aber den Bericht eines Zeitzeugen, der Kurt Riezler im amerikanischen Exil traf und dem er aus seinen ursprünglichen Aufzeichnungen vorlas. Demnach war Reichskanzler Bethmann Hollweg schon vor Beginn des Ersten Weltkriegs kriegswillig. Ein anderer Zeitzeugenbericht spricht von „kriegslustigen Äußerungen“, die Riezler verzeichnet hätte.

Man sollte also seine Tagebuch-Blätter, die heute im Bundesarchiv liegen, wieder einmal aus der Schublade holen. Vielleicht klärt sich dann auch die Bedeutung vom „Sprung ins Dunkle“. Dieser war nämlich keine ureigene Schöpfung Bethmann Hollwegs, sondern findet sich bereits im Politiker-Englisch des 19. Jahrhunderts.

Vor 100 Jahren: Sehenden Auges alles riskiert – und verloren.Wie es zum Ersten Weltkrieg kam.

Donnerstag, Juli 10th, 2014

http://www.news4press.com/JuliAugust-1914-Sehenden-Auges-alles-r_838856.html

Nicht Schicksal, Irrtum oder undefinierte Mächte führten Europa und die Welt in den Ersten Weltkrieg. Überschätztes kalkuliertes Risiko, Kampf um Imperien und wirtschaftlichen Einfluss, nicht zuletzt auch rassische Vorstellungen, machten das Denken der Zeit aus. Das überbetont Kämpferische Element in Kultur und Geisteshaltung bedingten eine überzogene Bereitschaft zu Kampf und Krieg. Diese alte Welt steuerte direkt in den Abgrund. Eingehende Kritik des Geschehenen und konsequente Schlussfolgerungen setzten sich künftig nicht durch. So kam es zu einem weiteren weltumfassenden Kampf.

Bernd F. Schulte, Das Deutsche Reich von 1914. Europäische Konföderation und Weltreich. Hamburger Studien zu Geschichte und Zeitgeschehen, Reihe II, Bd. 2. Norderstedt (Dr.Schulte) 2013 (e-book: 2014).

Das Deutsche Reich von 1914 stand auf der Basis der, um die Mitte des 19. Jahrhunderts, um die liberal-konservative „Wochenblatt-Partei“ in Preußen gewonnenen politischen Anschauungen. Von deren Gründer, dem aus dem Rheinland stammenden Staatsrechtler Moritz August von Bethmann Hollweg (Professor für Staatsrecht an der Universität Bonn – und Kirchenpolitiker), führt eine gerade Linie zu dessen Enkel, dem Reichskanzler von 1914, Theobald von Bethmann Hollweg. Dieser war befreundet mit dem Universal-Historiker Karl Lamprecht (Leipzig), der dem künftigen Deutschen Reich, im Kampf um die Weltmachtstellung mit England, die notwendige geistesgeschichtliche Fundierung lieferte.

Diese Hintergründe werden deutlich, wenn der Leser von
Bernd F. Schultes: „Deutsches Reich von 1914. Europäische Konföderation und Weltmacht“

bis in das Schlusskapitel vordringt. Steht doch dieses Buch ganz unter der Fragestellung nach den Gründen und Anlässen und inneren Triebkräften, die dazu geführt haben, dass Deutschland 1914 in den Ersten Weltkrieg eintrat. Nicht zuletzt die Anregung seines Lehrers, des Hamburger Historikers Fritz Fischer, führte Schulte dazu, die Linien, die von der Krimkriegs-Lage 1854/55 zu der Anti-Ost-Option des Kanzlers von 1914 führten nachzuziehen. Allerdings wurde Bethmann Hollweg erst im Verlauf der ersten Kriegswochen klar, dass dieser Krieg nicht gegen Russland und Frankreich, sondern England geführt wurde. Eine Erkenntnis wohl auch seines einsamen Weihnachtsfestes an der Front 1914.

Eigentlich ohne Wahl war der Reichskanzler angesichts der finanziellen und allgemein-politischen Entwicklungen Anfang des Jahres 1914 ( z. B. Pressefehde des Generalstabes in der „Frankfurter Zeitung“ gegen Russland), als ihm sein Cousin, Dietrich von Bethmann Hollweg, Legationsrat an der kaiserlichen Botschaft in Wien, in einer wirtschaftlichen Denkschrift die aktuelle, verfahrene Lage Österreich-Ungarns vor Augen führte (hier erstmals veröffentlicht). In der ihm eigenen energischen Art entwickelte Dietrich, es sei mit dem Zusammenbruch, und das sowohl wirtschaftlich wie militärisch, der Donau-Monarchie zu rechnen; wenn nicht in den nächsten Monaten, so doch in kürzester Frist. Diese Denkschrift erreichte den Reichskanzler unmittelbar vor der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo, und stellte, von einem zum anderen Moment, die gesamte deutsche politische Ausrichtung zur Disposition.

Der Reichskanzler hat 1919, vor dem Untersuchungsausschuss des Reichstags zu den Ursachen des Weltkrieges, indirekt die nun aufgetretene Fragestellung von 1914 kommentiert. Bethmann Hollweg führte aus, es sei in diesem Augenblick darum gegangen, zu entscheiden, ob Deutschland und Österreich das Risiko eines Krieges mit Serbien, und dahinter eines europäischen Krieges, zumindest mit Frankreich und Russland, eingehen sollten; oder, falls dieser Weg nicht beschritten werden würde, künftig auf eine halb-hegemoniale Großmacht-Position und Weltmachtaspirationen zu verzichten. Der Reichskanzler hatte zwischen dem 28. Juni und dem 5. Juli 1914 Zeit, diese Entscheidung zu fällen. Es ist bekannt, wie Deutschland, und nicht zuletzt, und u.a. (vgl. Unterstaatssekretär Zimmermann), Dietrich von Bethmann Hollweg (vgl. Tagebuch Harry Graf Kessler, 1917) Österreich in den Serbien-Krieg hineindrängten, und was aus diesem vordergründig, lokalisierten Konflikt entstand.

Schultes Buch zeigt, in seltener Komprimierung, was trotz verlorener Nachlässe und sekretierter Bestände in den Archiven, 100 Jahre nach den Ereignissen schließlich zu Tage tritt. So bleibt, neben vielem anderen, was dieser Aufsatzband enthält, und was bis in die jüngste Zeit hineinreicht, ein naturalistischer Blick auf die Umstände wie der größte „Kladeradatsch der Geschichte“ entstand; ein versnobter Begriff, benutzt von Beteiligten in den höchsten Berliner Ministerien, und kennzeichnend für das Hasadeurhafte damaliger Sinnesart.

Als der Angriff auf Frankreich – und damit der Krieg – 1914 scheiterte.

Donnerstag, Dezember 26th, 2013

„Still wie in einem Sterbehaus“, Im Westen alles auf eine Karte gesetzt und verspielt von Volker Ullrich, 6. Juli 1984,  08:00 Uhr, zeigt die, in der Fortsetzung der Fischer-Kontroverse, mit dem Schlagabtausch um die Riezlertagebücher neu geweckten Animositäten zwischen den Schülern der altvorderen Protagonisten [vgl. hier die beigefügten Anmerkungen zum „besseren“ Verständnis].
Bernd Schulte

Von [Zechlin-Schüler] Volker Ullrich

Der Kriegsausbruch von 1914 ist seit einiger Zeit wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Kritische Beobachter der gespannten weltpolitischen Lage zu Beginn dieses Jahrzehnts entdeckten auffällige Parallelen zur Krise vor 1914. Nicht vergessen sind die mahnenden Worte des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt an die Supermächte auf dem Höhepunkt der Afghanistan- und Iran-Krise im Frühjahr 1980. Die Furcht davor, daß bei einer der beiden die Sicherungen durchbrennen könnten, ist seither eher noch größer geworden. Mit dem Interesse am gescheiterten Krisenmanagement des Juli 1914 verbinden sich neuerdings etwas krampfhafte Bemühungen, die wissenschaftspolitischen Frontstellungen der sechziger Jahre – bekannt unter dem Namen „Fischer-Kontroverse“ – zu reaktivieren. Den Auftakt machte Fritz Fischer selber mit seinem rororo-Bändchen: „Juli 1914: Wir sind nicht hineingeschlittert“. Ein befremdlicher Titel, denn kein seriöser Historiker in der Bundesrepublik bestreitet heute – dank Fischer – noch, daß die deutsche Regierung eine Hauptveranwortung für die Auslösung des Krieges trifft. Gestritten wird allerdings noch immer um die Motive der halsbrecherischen deutschen Risikopolitik in den kritischen Julitagen. Dieser Streit wird vermutlich an Schärfe zunehmen, seitdem die wichtigste Quelle, die über die Motivfrage einigermaßen zuverlässig Auskunft zu geben schien – das Riezler-Tagebucn – ins Gerede gekommen ist. (DIE ZEIT hat ausführlich darüber berichtet.)

In diese Kontroverse der Historiker mischt sich jetzt auch der Fischer-Schüler – Bernd F. Schulte ein. Sein Buch – halb Aufsatzsammlung, halb Quellendokumentation – konzentriert sich auf zwei Themen: den „decision making process“ in der Reichsleitung vor 1914 und die Rolle der deutschen Armee in den inneren und äußeren Krisen der Vorkriegszeit – das Spezialgebiet des Verfassers.

Wie Fischer und der englische Historiker John Röhl zieht auch Schulte eine gerade Linie vom sogenannten „Kriegsrat“ am 8. Dezember 1912 – einer Krisensitzung Kaiser Wilhelms II. mit den Spitzen von Armee und Flotte – zum Kriegsausbruch 1914: Unter dem Eindruck des ersten Balkankrieges und der dadurch ausgelösten Kräfteverschiebungen zwischen Dreibund und Triple-Entente habe sich die deutsche Reichsleitung endgültig dazu entschlossen, den Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Rußland zu einem möglichst frühen Zeitpunkt herbeizuführen – in der Hoffnung, England neutralisieren zu können; darum auch die Rückverlagerung der Rüstungspriorität von der Flotte auf die Armee. Also wäre die „Nachrüstung“ von 1913 (die große Heeresreform) demnach nichts anderes gewesen als Vorrüstung auf den kommenden erwünschten Krieg.

Die neuen Fakten und Belege, die Schulte anführt, können freilich die Zweifel an dieser bestrickend einfachen Deutung nicht ausräumen. Manche der vom Autor zitierten Quellen sperren sich gegen die Vorstellung eines von langer Hand vorbereiteten und planmäßig inszenierten Hegemonialkrieges [Nein, nicht so platt: vgl. heute: Ders., Die Krisenkonferenz vom 8.12.1912, in: Jb. der Görres-Gesellschaft (1980), Die Verfälschung der Riezlertagebücher (1985), Deutsche Policy of Pretention (2009) und Das Deutschland von 1914 (2013)]. So äußerte etwa Reichskanzler Bethmann Hollweg bei der Begründung der Heeresvorlage in einer vertraulichen Sitzung der Reichshaushaltskommission im April 1913 – nach einem Bericht des württembergischen Gesandten in Berlin, v. Graevenitz –: „Wie England sich später verhalten werde, wisse es wohl jetzt selbst nicht. Nach seinen Grundsätzen werde es nicht ruhig zusehen, wenn es auch wohl nicht sogleich Partei ergreife. Kein Mensch könne die Möglichkeit eines Krieges aus der Welt schaffen. Er tue alles, um einen Krieg zu vermeiden, aber eine Garantie gebe es nicht. Im Falle eines Krieges gebe es einen Weltkrieg, und wir müssen gegen zwei Fronten kämpfen. Es sei das bedauerlich, aber nicht aus der Welt zu schaffen. Es werde ein Existenzkampf. Sollte man dem mit geringerer Rüstung entgegengehen, als man leisten könne?“ Spricht so jemand, der es partout auf den großen Kontinentalkrieg abgesehen hat?
Für diejenigen unter den Historikern, die – wie Wolfgang J. Mommsen – schon aufgrund der inneren Strukturkrise des Kaiserreichs und der polykratischen Verwerfungen im Regierungssystem ein perfekt zweckrationales Handeln in Richtung auf den Krieg in Frage stellen, hat Schulte nur beißende Ironie übrig. Er wirft ihnen vor, im Gewande moderner politikwissenschaftlicher Begrifflichkeit die alten konservativen Ladenhüter feilzubieten, und spricht triumphierend von einem „Cannae der Polykratielehre“, obwohl er deren Untauglichkeit keineswegs schlüssig nachgewiesen hat.

Überhaupt ist Schulte nicht zimperlich, wenn es darum geht, mit den Kontrahenten Fritz Fischers ins Gericht zu gehen. Die Rundumschläge, zu denen er immer wieder ausholt, wollen freilich nicht recht zur Empfindsamkeit passen, mit der er auf Kritik an seinen eigenen Forschungen reagiert [U. bewarb sich beim Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung 1985, einen Verriß des Buches über die Verfälschung der Riezlertagebücher schreiben zu dürfen. Vgl. Ders., Weltmacht durch die Hintertür (2003)]. Allein zehn Druckseiten verwendet er darauf, um eine unfreundliche Besprechung seines Buches „Vor dem Kriegsausbruch. Deutschland, die Türkei und der Balkan“ (1980) durch den amerikanischen Historiker Ulrich Trumpener zurückzuweisen. Peinlich genug: Alle Rezensenten, die das Buch irgendwann einmal positiv erwähnt haben, werden fein säuberlich der Reihe nach genannt [angesichts der Methode der konservativen Gegner der Fischerschule, einschließlich G. Ritters Verleumdung Fischers bei ausländischen Historikern 1962, dieser sei Nazi und Schüler Erich Seebergs und Assistent bei Hans Frank gewesen; erneuert aus Potsdam 2001 ff.-von Seiten Protestantischer Theologen um Konrad Jarausch/Potsdam. Vgl. dazu: Ders., Aufstieg oder Niedergang (2008)].

Sehr viel überzeugender wirkt Schulte dort, wo er auf hemdsärmelige Polemik und kleinliche Rechthaberei verzichtet [vgl. www.forumfilm.com zu Ders., Europäische Krise und Erster Weltkrieg] und sich seinem zweiten Problembereich zuwendet: der Frage nach den Gründen für das Scheitern des deutschen Feldzugsplans im August/September 1914. Er zeigt: Nicht die Führungsschwächen des deutschen Generalstabschefs von Moltke, auch nicht jene berühmten fehlenden drei Armeekorps, sondern strukturelle Defekte der deutschen Armee waren die Ursache für das militärische Debakel an der Marne. Ausbildung, Taktik und Bewaffnung hielten nicht Schritt mit dem gesellschaftlichen und technischen Wandel in den letzten Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg. Mangel an Flexibilität und Improvisation, Überbetonung der Disziplin, Festhalten an den Rezepten des deutsch-französischen Krieges von 1870/71, verspätete Einführung neuer Waffensysteme – all dies zusammen führte dazu, daß die deutsche Heeresführung der militärischen Konfrontation, auf die sie zusteuerte, im Grunde nicht gewachsen war [da, wo sich U. zur Sache äußert, kann er nicht widersprechen].

Mit dem „Blitzkrieg“ im Westen wurde alles auf eine Karte gesetzt und verspielt. Nach den ersten militärischen Erfolgen berauschten sich Militärs und Politiker noch an der Vision eines Kontinentaleuropa unter deutscher Führung – Basis der angestrebten deutschen Weltmachtposition. Schulte bringt dafür einen neuen Beleg, einen Brief des Kapitäns zur See Widenmann an Großadmiral von Tirpitz von Ende August 1914 [vgl. hier: Karl-Heinz Janßen,
in: Die Zeit, 1981] Kriegszielforderungen findet, wie sie wenig später auch im „September-Programm“ Bethmann Hollwegs auftauchen.

Der Stimmungsumschwung im Großen Hauptquartier in Luxemburg spiegelt sich in dem Tagebuch des bayerischen Militärbevollmächtigten General von Wenninger aus den ersten Kriegswochen, das der Autor entdeckt und publiziert hat [der konservative Afflerbach/Schüler W. Mommsens, tut so, als ob er das Tagebuch allein gefunden hätte, vgl. Ders., Rückbesinnen und Neubestimmen ((2000)] .

„Es ist wie in einem Sterbehaus – man geht auf den Zehen, die Generalstabsoffiziere huschen mit gesenkten Augen an einem vorbei – nur nicht ansprechen, nicht fragen.“ Am 30. Juli – als der Krieg zur Gewißheit geworden war – hatte Wenninger notiert: „Ich eile ins Kriegsministerium. Überall strahlende Gesichter, – Händeschütteln auf den Gängen; man gratuliert sich, daß man über den Graben ist.“

Zwischen beiden Eintragungen liegen sechs Wochen – eine kurze Zeitspanne, in der aber die militärischen und politischen Eliten des Kaiserreichs von manchen langgehegten Illusionen Abschied nehmen mußten.

1914: Von der europäischen Konföderation zum Weltreich.

Mittwoch, Juni 20th, 2012

Aus: Barniner Bürgerpost 6/2012 b e l e s e n 12

Neuer Aufsatzband zu dem Deutschland von 1914, Kriegs (Friedens-)zielen, dem n e u e n Reich von 1916, dem geistigen Überbau hinter dem Krieg, der Weltsicht in Weltreichen, dem Bündnis mit 400 Mill. Chinesen und dem w a h r e n Grund des Reichankanzlers, in den Stunden und Tagen zwischen dem 28. Juni und 5. Juli 1914. Da fiel, im Arbeitszimmer des Reichskanzlers in Hohenfinow, s e i n e persönliche Entscheidung. Das Memento mit Riezler auf der Schloßterrasse ist lediglich ein Nachklapper nach den in Berlin stattgehabten Gesprächen mit Hoyos, Szögyényí etc. – und dazu auch nicht authentisch, wie Dr. Bernd F. Schulte detailliert aus den Bruchstücken der Riezlerschen (Erdmannschen) Überarbeitung der originalen Tagebücher XXXa und XXXb vom Juni und Juli 1914 (vgl. Weltmacht durch die Hintertür, Briefwechsel Th. Heuß mit Th. Stolper) rekonstruiert hat (auch: »Rückbesinnen und Neubestimmen« und hier).

Ob Deutschland aus Furcht und Verzweiflung oder infolge eines Plans in den Ersten Weltkrieg geriet, ist noch umstritten. Ob Wirtschaft, Rüstung oder Polykratie und innerer sozialer Konflikt dafür dann verantwortlich
zeichneten, ebenfalls.

Heute, 100 Jahre danach, ähneln die Problemlagen unserer Zeit denen von 1914. Ein großer Wurf, ein übergreifendes Bild von Rang und Bedeutung des Deutschen Reichs in der
Zukunft, scheinen, nach den Ausführungen des engen Beraters Bethmann Hollwegs, des Universalhistorikers Karl Lamprecht (Leipzig), existiert zu haben. Damit ist den politisch Verantwortlichen zumindest nicht vorzuwerfen,
sie wären orientierungslos auf dem Felde der
internationalen Politik jener Zeit herumgetaumelt.

Es schält sich heraus, daß der eigentliche Gegner des Reichs England war. Dessen war sich der Kanzler von Anfang an bewußt. Es bleibt dennoch die Grundlinie deutscher Politik – Weltmachtstreben plus kontinentale Hegemonie
– bis 1914 unverändert. Ebenfalls die Hoffnung auf eine Neutralität des Inselreichs – im Falle des zentral- europäischen, militärischen Clashs – eine optimistische Variation, die aber der Kanzler, schon im April 1913 (Geh.Reichshaushaltskommission) als für wenig
wahrscheinlich erklärte.

Auch zeigt sich am Beispiel Belgien, das Lamprecht für Bethmann Hollweg (vor dem Hintergrund der Kriegszielentwürfe) explorierte, daß die europäischen Staaten, seien es Verbündete oder aber Kriegsgegner, erst nach einer entscheidenden Niederlage Großbritanniens
bereit waren, sich einem neuen Deutschen Reich der Zukunft anzuschließen, sei es assoziiert oder im Rahmen einer wirtschaftlichen und (oder) politischen Konföderation. 1914
war sicherlich nicht das Wunschdatum Berlins für eine derartig tiefgreifende Entscheidung.

Aber der fortschreitende Verfall Österreich-Ungarns, der zunehmende finanzielle Belastungen der Reichsfinanzen, verbunden mit einer heraufziehenden Rezession, mit sich brachte, ließ das Schreckbild eines ohne Bündnispartner
zum Rückzug gezwungenen Reichs entstehen.

Große Fragen, die letztendlich mit dem Entschluß zum Schlachtflottenbau von 1891 im Kieler Schloß, zwischen Kaiser Wilhelm II., Bülow und Tirpitz, entstanden. Heute steht Europa in der Opposition zu den USA, die ein
vereintes Europa als Weltmachtaspirant fürchten. Finanzkrise und Euroschwäche rütteln an der einzigen, wirtschaftlichen Basis dieser Europäischen Union. Ein Zweibund mit den USA bildete in dieser Hinsicht sicherlich eine Lösung auf Jahrzehnte. Notfalls zunächst unter
Verzicht auf eine politische Führungsrolle Europas
in der Welt von Morgen.

Also wieder eine Parallele zu den Entscheidungen Bethmann Hollwegs gegen Ende des Monats Juni 1914.

Dr. Bernd F. Schulte, Schüler Fritz Fischers, hat
nach fünf Jahren Bundeswehr Geschichte in
Würzburg (Peter Baumgart), München (Laetitia
Boehm) und Hamburg studiert. Seine Erfahrun-
gen als Zeitoffizier, flossen in die Darstellung der
Friedensarmee vor dem Ersten Weltkrieg ein. Die
Auseinandersetzung mit den Ursprüngen dieser
Katastrophe führte ihn, an der Bundeswehrhoch-
schule Hamburg, zur Untersuchung des Ent-
scheidungsprozesses in Berlin Ende 1912. Hier-
aus entstanden, nach Jahren bei Fernsehen und
Film, weitere Arbeiten zu dem System der Krisen-
konferenzen im Kaiserreich und der Frage nach
dem übergeordneten Verhältnis von Politik und
Militär im Kaiserreich. Er führte 1982/83 u.a. die
Kontroverse um die Echtheit der Riezler Tage-
bücher fort. Er gibt die Internetzeitung Extra Blatt
(www.forumfilm.de) und die Hamburger Studien
zu Geschichte und Zeitgeschehen heraus.

Bernd F. Schulte
Das Deutsche Reich von 1914 Europäische Konföderation und Weltreich. Dr. Schulte, Hamburger Studien zu Geschichte
und Zeitgeschehen. Reihe II, Band 2 Copyright (C) 2012 Dr. Schulte