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Münkler/Berlin : Zu Bethmann Hollweg begrenzte Übersicht.

Freitag, August 22nd, 2014

Ich habe mir erlaubt, Münkler zu kommentieren, da Jäger / FAZ (wieder mal) wenig offen war für meine Ergänzungen. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2014, Nr. 155, S. 13

Der Reichskanzler war kein verantwortungsloser Hasardeur [natürlich nicht]

Einblicke in einen inneren Kampf: Die Notizen Kurt Riezlers illustrieren nichts anderes [?] als das Psychodrama des Reichskanzlers Bethmann Hollweg auf dem Weg in den Ersten Weltkrieg. Eine Replik auf Bernd Sösemann.

Von Herfried Münkler

Der Verlauf der Julikrise 1914 ist in den letzten Wochen und Monaten einer neuerlichen Diskussion unterzogen worden. Der Berliner Historiker Bernd Sösemann hat einen editionsphilologischen Aspekt mit weitreichender Schlussfolgerung in die Debatte eingebracht: Er macht darauf aufmerksam, dass in dem auf den 7. Juli 1914 datierten Eintrag Kurt Riezlers, eines Mannes aus der engsten Umgebung des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg, die Lage in Polen nicht als „unhaltbar“, wie in der Edition der Tagebücher durch Karl Dietrich Erdmann zu lesen, sondern als „hinhaltbar“ bezeichnet wird (F.A.Z. vom 25. Juni).

Sösemann schließt daraus, dass der Reichskanzler den auf ihm lastenden Entscheidungs- und Handlungsdruck nicht so dramatisch empfunden habe wie häufig dargestellt [ja, nicht unbedingt 1914 als Kriegsbeginn]: Seine Schlussfolgerung lautet, Bethmann habe im Juli 1914 „ein unverantwortliches Hasardspiel“ getrieben und Deutschland mutwillig in einen Krieg geführt, von dessen Unvermeidlichkeit er nicht überzeugt war [Sösemann läßt nun raus, was er 1983 aus Karrieregründen nicht wollte, vgl. meine Gespräche mit ihm 1984/ Das Deutsche Reich von 1914 (2013f.)/und sein diffuser Kontakt mit Fischer hinter meinem Rücken!].

In seiner Argumentation bezieht sich Sösemann auch auf eine in den siebziger [80iger] Jahren geführte Debatte über den Quellenwert der Riezler-Tagebücher. Die Originale zeigen nämlich, dass sich die fraglichen Passagen zur Julikrise nicht im [vorhandenen] Tagebuch finden, sondern offenbar nachträglich, vermutlich auf der Grundlage später vernichteter Tagebuch-Notizen [Tagebücher XXXa und XXXXb, Weltmacht durch die Hintertür, 2003], angefertigt worden sind. Es handelt sich also nicht um Momentaufnahmen des historischen Augenblicks, sondern eine retrospektive [geglättete, B.S.: Die Verfälschung der RiezlerTagebücher, 1985] Darstellung des Geschehens. Sösemann weist darauf hin, aber dann vergisst er das auch wieder, denn sonst hätte er aus seiner Entzifferung nicht so weitreichende Schlussfolgerungen ziehen können. Minutiöse Quellenarbeit verbindet sich mit großzügigem Quellenarrangement, um dem herausgelesenen Schwanken Riezlers – und damit Bethmanns – zwischen einer pessimistischen und einer optimistischen Lagebeurteilung des Reichskanzlers doch noch Relevanz für die Deutung des Weges in den Krieg zu verschaffen.[sic]

Alternativ zu Sösemann lässt sich fragen, welche Lagebeurteilung sich unter Ausklammerung des fraglichen Wortes in Riezlers Einträgen findet, inwieweit diese mit den politischen Konstellationen vom Juli 1914, wie wir sie heute kennen, übereinstimmt und was wir damit über den Wahrnehmungshorizont und die Urteilsfähigkeit Bethmanns erfahren. Im Lichte dessen wäre die Frage zu stellen, ob Riezler womöglich „hinhaltbar“ geschrieben, aber „unhaltbar“ gemeint hat und was das im Hinblick auf das Psychodrama Bethmanns im Juli 1914 bedeuten könnte. Es fällt auf, dass der Reichskanzler in Riezlers Notizen während der ersten Juliwochen nicht als Gestalter des Geschehens auftritt, sondern eher als dessen Betrachter und Kommentator [es handelte sich um ein Gespräch, das zur Grundlage der Blockblätter genommen wurde, Rückbesinnen und Neubestimmen, 2000]. Das könnte Riezlers spezifischer Perspektive geschuldet sein, der selbst nur Beobachter war. Aber das ist unwahrscheinlich, denn Riezler selbst konstatiert Ende Juli eine Veränderung Bethmanns, in deren Folge der Reichskanzler wieder zum politischen Akteur geworden sei [M. uninformiert: vom 5.-25.7.14 war Bethmann im Urlaub. Die Phase der „inneren Vorbereitung-es galt nach außen still zu halten].

Es spricht also vieles dafür, dass uns Riezlers Aufzeichnungen den Blick auf einen inneren Kampf Bethmanns eröffnen, in dessen Verlauf der Kanzler seine bisherige Ablehnung eines Krieges aufgibt und auf die Position derer einschwenkt, die den Krieg für unvermeidlich halten und ihn zu einem für Deutschland günstigen Zeitpunkt führen wollen [neue deutsche Lehre von der Verantwortlichkeit der Militärs (s. Blasius in der FAZ), die den Kanzer „überredeten“]. Diese Position hatte seit längerem Generalstabschef Helmuth von Moltke d. J. vertreten. Unter dem Eindruck der verlängerten Militärdienstzeit in Frankreich und der allmählich in Gang kommenden Heeresvergrößerung der Russen drang er darauf, den Krieg möglichst bald zu führen[aber man hatte Zeit bis 1918]. „Besser eher als später“, lautete sein Kriegsmantra. Bethmann hatte die Dinge anders gesehen: Deutschland war im Frieden mächtig und wohlhabend geworden. Es hatte keine unmittelbaren Ansprüche gegenüber seinen Nachbarn, und die Rolle des Störenfrieds, die das Reich im ersten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts gespielt hatte, war durch eine Annäherung an Großbritannien aufgegeben [Merkwürdig, gab es doch: Bosnien (08/09), Marokko (11), Balkan (12), Liman-Krise (13), Pressefehde mit Rußland (3/14)!] worden, mit der die verhärteten Konstellationen der einander entgegengesetzten Bündnisse überbrückt oder doch aufgeweicht werden sollten [nein: Entrevue von Potsdam: „England auf uns zuzwingen“, BH 2/11 = sehr viel militanter].

Diese Politik hatte im Balkankrieg von 1912 Früchte gezeitigt, als es Bethmann im Zusammenwirken mit dem britischen Außenminister Grey gelungen war, den Krieg zu lokalisieren und so zu seiner baldigen Beendigung beizutragen [Variation des o.g. Themas, aber: dadurch, dass BH Armee und Flotte weiter aufrüstete, war der Ausgleich mit England bloße Chimäre. Ja: sogar der Versuch, Zeit zu gewinnen, um dann umso sicherer zuschlagen zu können]. Dabei hatte man auf die Donaumonarchie und das Zarenreich, die beide ihre Truppen schon mobilgemacht hatten, beruhigend eingewirkt. Gegen das Konkurrenzparadigma, das Moltke vertrat, setzte Bethmann auf das [zwischengeschaltete] Kooperationsparadigma, und er war davon überzeugt, dass Letzteres den deutschen Interessen am besten entsprach. Warum handelte Bethmann im Juli 1914 nicht in eben diesem Sinne?

Die Passage in Riezlers Notizen, in der sich das von Sösemann herausgegriffene „unhaltbar“ oder „hinhaltbar“ findet, könnte darüber Aufschluss geben: Zunächst erwähnt Riezler den kürzlich erfolgten Tod von Bethmanns Frau und bringt die melancholische Stimmung der Landschaft um Hohenfinow, das Gut Bethmanns, damit in Verbindung. Aber schon in der nächsten Zeile geht es um die politische Lage: „die englisch-russischen Verhandlungen über eine Marineconvention, Landung in Pommern“. Mehr noch als die späteren Überlegungen zur strategischen Entwicklung in Russisch-Polen ist das dieSchlüsselpassage [Betrugsvorwurf, s. Schröder, der deutschen historischen Zunft, soll BH exculpieren und Grey ins Soll setzen] des Riezlerschen Textes. Durch einen deutschen Spion in der russischen Botschaft in London [Benno v.Siebert] hatte Bethmann von diesen Geheimverhandlungen erfahren. Unter anderem ging es um ein Zusammenwirken britischer und russischer Marineeinheiten in der Ostsee, das im Kriegsfall die Anlandung russischer Marineinfanterie an der pommerschen Küste absichern sollte [nicht neu/überraschend: war bereits Grundlage des Kaisermanövers 1911 in Vorpommern /vgl. Oberst à Court Repington/Times]. Damit drohte Deutschland eine dritte Front. Entgegen Bethmanns Erwartungen hatte sich der Einkreisungsring um Deutschland nicht gelockert, sondern schloss sich nunmehr auch im Norden [wo steht das?]. Bethmann stand vor der Frage, ob Moltke womöglich recht hatte und es nur noch darum ging, wann – und nicht mehr ob – man Krieg führte [war entschieden, der Kaiser im Dezember 1913 zu Frau von Bethmann, vgl. mein Aufsatz in Freie Welt].

Noch beunruhigender war, dass Grey, als man deutscherseits auf eine Erklärung der Briten drang, erklärt hatte, es würden gar keine Gespräche geführt. Damit war Bethmanns Vertrauen [sic] in den Mann, den er als Partner seiner Entspannungspolitik angesehen hatte, zerstört. Die in Riezlers Text anschließenden Bemerkungen über die „Vertrauensseligkeit“ Lichnowskys, des deutschen Botschafters in London, sind in diesem Kontext zu lesen. „Der liesse sich von den Englaendern hereinlegen“, notiert Riezler [anders: der war gedacht als „Nebelwand“ der „guten“ Deutschen vor deren wahren Zielen, vgl. BH-Goschen, 3.8.1914 – BH: „Fetzen Papier“]. Bethmann wollte sich nicht mehr hereinlegen lassen [Marke: „beleidigte Leberwurst“, das war nicht Bethmann!]. Dementsprechend abweisend hat er sich in der Julikrise gegenüber britischen Verhandlungsangeboten verhalten [dann erst recht: wie dumm!, Es waren diese Administratoren der deutschen Politik-Elite „keine Pazifisten“, vgl. B.W.v.Bülow/Bethmann Kreis]. Das Vertrauen, auf das eine Politik des Ausgleichs und der Entspannung angewiesen ist, war dahin. Das war einer der ausschlaggebenden Unterschiede zwischen den Krisenverläufen von 1912 und 1914 [Nein: keine moderne „Ausgleichs“- und Entspannungspolitik, M. versteht Bethmann nicht. Stattdessen Diplomatie bismarckischer Prägung des Lockens, Verführens, Übertölpens].

Im unmittelbaren Anschluss daran folgen dann die Bemerkungen zur Lage in Polen: „Russlands militärische Macht schnell wachsend; bei strategischem Ausbau Polens die Lage hinhaltbar/unhaltbar. Oesterreich immer schwächer und unbeweglicher.“ Sösemann sieht sich genötigt, seine zutreffende Entzifferung, die nicht zum Gesamtduktus der Passage passt, zu erläutern, und verweist auf das Projekt einer dritten Eisenbahnlinie im Osten, auf der die deutschen Truppen schneller bewegt und effektiver eingesetzt werden könnten. Aber in dem von Sösemann herangezogenen Text ist vom „Osten“ und nicht von „Polen“ die Rede, wie in der Notiz Riezlers. Was Riezler meint, ist nämlich der Bau russischer Eisenbahnlinien in dem zum Zarenreich gehörenden Polen (und nur Russisch-Polen ist 1914 als Polen bezeichnet worden) und die damit verbundene Sorge, infolgedessen könnten starke russische Kräfte früher, als im Schlieffenplan angenommen, zur Großoffensive gegen Deutschland antreten [richtig].

Es war in Berlin bekannt, dass die Franzosen auf den Bau dieser Eisenbahnlinien drangen und auch die erforderlichen Finanzmittel dafür bereitgestellt hatten. Der Bau strategischer Eisenbahnlinien in Polen würde die geostrategische Lage Deutschlands dramatisch verschlechtern. Das spricht dafür, dass die von Karl Dietrich Erdmann vorgenommene stillschweigende Korrektur, über deren editorische Unzulässigkeit nicht diskutiert werden muss, das Geschriebene dem offenkundig Gemeinten angenähert hat, während Sösemanns zutreffende Entzifferung es hingegen davon entfernt. Dieses Problem wird auch durch die von Riezler überlieferte Bemerkung Moltkes nicht gelöst, wonach man es schaffen werde, die Russen im Osten aufzuhalten. Diese Bemerkung bezog sich nämlich auf das „Eher“ und nicht das „Später“.

Tatsächlich entwickelte sich im August 1914 die militärische Lage im Osten für die Deutschen so dramatisch, dass der Oberbefehlshaber der 8. Armee zeitweilig erwog, seine Truppen über die Weichsel zurückzuziehen und damit ganz Ostpreußen den Russen preiszugeben. Das hätte nicht nur psychologisch, sondern auch strategisch weitreichende Folgen gehabt. Denn dann wäre die Flankenbedrohung der Russen aus Ostpreußen heraus weggefallen und Generalstabschef Shilinski hätte sein Vorhaben eines Großangriffs auf die schlesischen Industriereviere und von dort aus auf Berlin umsetzen können. Um das zu verhindern, löste Moltke nicht nur Generaloberst von Prittwitz, den Kommandeur der 8. Armee, ab und ersetzte ihn durch den aus dem Ruhestand geholten General von Hindenburg, sondern verlegte auch zwei Armeekorps von der West- an die Ostfront, was weitreichende Folgen für den Verlauf der Marneschlacht hatte. Wenn Riezler seine Aufzeichnungen nachträglich überarbeitet und neu geschrieben hat, dann im Wissen um den Kriegsverlauf im August und September 1914. Das macht es noch wahrscheinlicher, dass er „unhaltbar“ gemeint, als er „hinhaltbar“ geschrieben hat [der Generalstab plante, notfalls bis an die Oder zurückzugehen. Die „Zivilisten“ haben keine Vorstellung von der Radikalität des militärischen Denkens. Dass Moltke die Nerven verlor ist bekannt. Wenn das auch erst für 31.7./1.8.1914 und die Marneschlacht bekannt].

Aber es bleibt natürlich, dass im Autograph „hinhaltbar“ und nicht „unhaltbar“ steht. Lässt sich das erklären? Es ist klar, dass jeder Erklärungsversuch nur Plausibilität, aber keine Sicherheit für sich beanspruchen kann. Bethmanns melancholischer Fatalismus in den ersten drei Juliwochen, seine Selbstzweifel und die allmähliche innere Verabschiedung von der von ihm zuvor vertretenen Entspannungspolitik [Kaum: die Entscheidung war zwischen dem 28.6. und 5.7.1914 in Hohenfinow gefallen. Darüber wußte Dietrich von BH.Das Deutsche Reich von 1914 (2013). Alles was R. hörte, war nachträgliches Raisonnieren] bieten einen Hinweis: Was Riezler schildert, ist das Psychodrama des Reichskanzlers, der, das Scheitern der von ihm verfolgten Politik vor Augen, im Gespräch mit seinem Adlatus Riezler die Lage noch einmal durchgeht, sie dabei womöglich dramatischer darstellt, als sie tatsächlich ist, und sich so zu einem Politikwechsel motiviert, den er im Prinzip für falsch hält [? – und längst getroffen hat. R. ist nicht so wichtig, wie er sich selbst nahm; und, von dem au fond konservativen R. ist keine Kritik an dem Gesagten und dem Kanzler zu erwarten. Erst recht nicht in der Überarbeitung von 1929].

Die anschließenden Passagen in Riezlers Text, in denen es um die Schwäche des verbündeten Österreich [die Denkschrift Dietrich Bethmann Hollwegs, 24.6.1914] und den sich abzeichnenden Bündniswechsel Italiens geht, sind weitere Elemente einer Lagebeurteilung, die Bethmann in einen melancholischen Fatalismus führt [er entscheidet ich für das Risiko, um den Weltmachtstatus des Reichs, und die Option, vollwertige Weltmacht zu werden, offenzuhalten]. Er kommentiert das Geschehen, aber er handelt nicht [er wählt das Risiko, mit dem Krieg Österreichs gegen Serbien. Sein Vetter drückt auf Hoyos. Graf Stolberg auf den Ballhausplatz; die Deutschen führen den Österreichern die zitternde Hand]. Wahrscheinlich haben Bethmann und Riezler auch über die Möglichkeit des Zeitgewinns gesprochen. So sind die Risiken gegeneinander abgewogen worden, und von dieser Risikoabwägung ragt das „hinhaltbar“ wie die Mastspitze eines versunkenen Schiffes in den Text hinein [sie sprachen auch über die „Kriegsschuld“ (vgl. Th. Heuss-Toni Stolper). Also ging das Gespräch sehr viel weiter. Nämlich dieses erstreckte sich bis auf die Konsequenzen des Kriegsentschlusses. vgl. BH an Bülow, Tirpitz]. Sie erinnert an ein Projekt, dessen Beendigung wir in Riezlers Aufzeichnungen nachverfolgen können. Der Abzug der Libido vom Kooperationsprojekt, hätte der Wiener Zeitgenosse Sigmund Freud gesagt, war schon fast vollzogen, aber doch noch nicht ganz, und das „hinhaltbar“ ist das letzte Zeugnis des Psychodramas, das Bethmann durchschritt [nein: BH war sehr viel realistischer. Vgl. Wenniger: voller Aktionismus, als der Krieg erklärt ist, 1.8.1914. Bethmann läuft energisch durch mehrere Zimmer – agiert. Was sonst?].

Herfried Münkler lehrt Theorie der Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Im vergangenen Jahr erschien sein Buch „Der Große Krieg. Die Welt 1914 bis 1918“.
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I have taken the liberty to comment Münkler as Jäger / Feulliton/FAZ (again) was little open for my supplements.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2014, no. 155, p 13
 
The Chancellor was not an irresponsible gambler [of course not]
 
Insights into an inner struggle: The notes Kurt Riezler illustrate otherwise as the psychodrama of Chancellor Bethmann Hollweg on the way in the First World War [?]. A Reply to Bernd Sösemann.
 
By Herfried Münkler
 
The course of the crisis in July 1914 has been subjected in recent weeks and months, a renewed discussion. The Berlin historian Bernd Sösemann has introduced an edition philological aspect with far reaching conclusion in the debate: He points out that in the dated on July 7, 1914 entry Kurt Riezler, a man from the closest vicinity of Chancellor von Bethmann-Hollweg, the situation is not known in Poland as „untenable“ how to read in the edition of the diaries by Karl Dietrich Erdmann, rather than „hinhaltbar“ (FAZ, June 25).
 
Sösemann concludes that the Chancellor had not felt the weighing on him for decision and action pressure so dramatically illustrated how often [yes, not necessarily in 1914 as the beginning of the war] : His conclusion is, Bethmann had in July 1914 „an irresponsible gamble „driven and Germany deliberately led into a war, of whose inevitability he was not convinced [Sösemann now lets out what he 1983 would not for career reasons, cf. my conversations with him in 1984 / The German Reich (1914, 2013f.) / and its diffuse contact with fishing behind my back!] .
 
In his argument, Sösemann also relates to a in the seventies [80 ‚] years debate about the value of the source Riezler diaries. The originals show in fact that there are the passages in question to the July crisis in the [existing] diary, but apparently later, presumably on the basis of later annihilated diary notes [Journals XXXa and XXXXb, world power have been made ​​through the back door, 2003] . So this is not about snapshots of the historical moment, but a retrospective [smoothed, BS: The falsification of RiezlerTagebücher, 1985] representation of the action. Sösemann points out, but then he forgets again, because otherwise he could not have so draw far-reaching conclusions from its decipherment. Meticulous source work combines with a generous source package to the read-out vacillation Riezler – but still gain between a pessimistic and an optimistic assessment of the Chancellor relevance for the interpretation of the way in the war [sic]
 
As an alternative to Sösemann be wondering which assessment is found excluding the word in question in Riezler entries to what extent these with the political constellations in July 1914 as we know it today, matches and what we learn thus on the horizon of perception and judgment Bethmann. In light of the question would be to ask whether Riezler possibly „hinhaltbar“ written, but has „unsustainable“ meant and what it could mean in terms of the psychodrama Bethmann in July 1914. It is noticeable that the Chancellor does not occur in Riezler notes during the first weeks of July as a designer of events, but rather as the observer and commentator [it was a conversation that was used as the basis of the block leaves, return hesitation and re-determining , 2000] . This could be due Riezler specific perspective, who himself was only an observer. But this is unlikely, because Riezler even stated the end of July a change Bethmann, which resulted in the Chancellor had become again a political actor [M. uninformed: from 5-25.07.14 Bethmann was on vacation. The phase of „inner-preparation task was to keep silent outwardly] .
 
So there is much to suggest that we Riezler records provide a view of an inner struggle Bethmann, in the course of which the Registrar has withdrawn its previous rejection of war and embarks on the position of those that keep the war as inevitable and cheap it one for Germany want lead time [new German doctrine of the responsibility of the military (see Fig. Blasius in the FAZ) , the „persuaded“ the Kanzer]. This position had represented for a long time Chief of Staff Helmuth von Moltke d. J.. Under the impact of extended military service in France and gradually coming into motion magnification army of Russians he insisted to carry on the war as soon as possible [but you had time to 1918]. „Better sooner than later,“ was his mantra war. Bethmann had seen things differently: Germany had become powerful and prosperous in peace. It had no immediate claims against its neighbors, and the role of a maverick who had played the empire in the first decade of the twentieth century, was abandoned by a rapprochement with Great Britain [Strangely, there were: Bosnia (8.9) , Morocco (11), the Balkans (12), Liman crisis (13), press feud with Russia (3/14)!] have been, with bridging the hardened constellations of the opposing alliances, or at least should be softened [no: Entrevue of Potsdam: „England zuzwingen on us,“ BH 11.02 = very much militant] .
 
This policy had produced in the Balkan War of 1912 fruits, as it was Bethmann succeeded in cooperation with the British Foreign Minister Grey to localize the war and thus contribute to its early termination [variation of the above Theme, however: the fact that BH army and navy continue arming, the settlement with England was a mere chimera. Yes: even the attempt to gain time in order to then strike the surer can] . Obviously, these guys, calm acting on the Danube Monarchy and the Czarist Empire, both of which had already mobilized their troops. Against the competition paradigm that took Moltke, Bethmann sat on the [intermediary] cooperative paradigm, and he was convinced that the latter was best suited to the German interests. Why Bethmann negotiated in July 1914 not in the same spirit?
 
The passage in Riezler notes, in which place the picked out of Sösemann „unsustainable“ or „hinhaltbar“ could also provide information: First Riezler mentioned the recent death of Bethmann’s wife and brings the melancholy mood of the landscape around Hohenfinow, the Good Bethmann , therewith. But in the very next line is about the political situation, „the Anglo-Russian negotiations on a Convention Navy, landing in Pomerania“. Even more than the later reflections strategic in Russian Poland to the development is the dieSchlüsselpassage [fraud allegation, s. Schröder, the German historical profession, BH should exculpieren and Grey put into the target] of Riezlerschen text. By a German spy in the Russian embassy in London [Benno v.Siebert] Bethmann had heard of these secret negotiations. Among other things, it came to an interaction of British and Russian naval forces in the Baltic Sea, which should secure the landing of Russian marines on the Pomeranian coast in the event of war [new / surprising not, has been the focus of the Imperial maneuvers in 1911 in Pomerania / see. Colonel à Court Repington / Times] . Thus Germany threatened a third front. Contrary to expectations, the encirclement Bethmann had not loosened to Germany, but joined now also in the north [where is it?] . Bethmann was faced with the question whether Moltke might was right and it was just a matter of when – and not whether – one led war [was decided that the Emperor in December 1913 Mrs von Bethmann, see my essay in. Free world] .
 
Even more worryingly, Grey, as one German hand insisted on a statement of the British, had declared that it would be held no discussions. Thus Bethmann trust [sic] was in the man whom he had regarded as his partner détente, destroyed. The subsequent text in Riezler remarks on the „gullibility“ Lichnowsky, the German Ambassador in London, are to be read in this context. „The could be fooled by the English,“ Riezler [quoted differently: who was conceived as a „smokescreen“ of the „good“ Germans before their true aims, see BH-Goshen, 03/08/1914 – BH. „Scrap of paper „] . Bethmann would no longer be fooled [ Brand: „huff“, which was not Bethmann!] . Accordingly repellent he has behaved in the July crisis of British negotiating deals [then a fortiori: how stupid !, It was these administrators of German policy elite „not pacifists“, see BWvBülow / Bethmann circle.] . The trust to which a policy of balance and relaxation is dependent, was gone. That was one of the crucial differences between the curves crisis of 1912 and 1914 [No: no modern „compensation“ – and détente, M. Bethmann not understand. Instead of Bismarck’s diplomacy coining the enticement, seduction, Übertölpens].
 
„And the location at a strategic expansion of Poland hinhaltbar / untenable Austria becoming weaker and immovable Russia’s military power growing fast..“: Immediately After that then follow the comments on the situation in Poland Sösemann feels obliged to explain its true decipherment, which does not fit the general scheme of the passage, and refers to the project of a third railway line in the east, on the German troops moved faster and could be used more effectively. But in the text cited by Sösemann is mentioned, as in the note Riezler from „Eastern“ and not of „Poland“. What Riezler says, is namely the construction of Russian railway lines in the Tsar Empire belonging to Poland (and only Russian Poland in 1914 when Poland was called) could and concern associated, as a result, strong Russian forces earlier than expected in the Schlieffen Plan, the major offensive against Germany compete [right] .
 
It was announced in Berlin that the French invaded the construction of railway lines and also the necessary funds were provided for. The construction of strategic railway lines in Poland would worsen the geostrategic situation in Germany dramatically. This suggests that the evaluation conducted by Karl Dietrich Erdmann tacit correction, need not be discussed on the editorial inadmissibility, the writing has approached the obvious what is meant, while Sösemanns correct deciphering it, however it away. This problem is not solved by the traditional Riezler remark Moltke, after which you’ll manage to stop the Russians in the east. This remark was referring namely to the „wedding“ and not the „Later“.
 
In fact, the military situation in the East for the Germans developed in August 1914 so dramatic that the commander of the 8th Army was considering temporarily withdraw its troops over the Vistula and East Prussia thus revealing the Russians. This would not only psychologically, but also strategically had far-reaching consequences. Because then the flank threat of the Russians would have removed out from East Prussia and chief of staff Zhilinsky could implement his plan a major attack on the Silesian industrial areas and from there to Berlin. To prevent this, Moltke not only solved Colonel General of Prittwitz, the commander of the 8th Army, and replaced it with the fetched out of retirement, General von Hindenburg, but also moved two army corps from the Western to the Eastern Front, which is far-reaching consequences had for the course of the battle of the Marne. If Riezler has his notes revised later and rewritten then in the knowledge of the course of the war in August and September 1914 That makes it even more likely that he was „untenable“ meant when he wrote „hinhaltbar“ [the General Staff planned , if necessary, go back to the Oder. The „civilians“ have no idea of ​​the radical nature of military thought. That Moltke lost his nerve is known. If known only for 31.7. / 08/01/1914 and the Battle of the Marne] .
 
But it is natural that in the autograph „hinhaltbar“ and not „untenable“ position. Can this be explained? It is clear that any attempt at explanation can only claim plausibility, but no security for themselves. Bethmann’s melancholy fatalism in the first three weeks of July, his self-doubt and the gradual adoption of the inner previously represented by him détente [Hardly: the decision was between 28.6. and 07.05.1914 fallen in Hohenfinow. In Dietrich knew of BH.Das German Empire of 1914 (2013) . Everything R. heard was, subsequent Raison kidneys] offer a hint: What Riezler describes the psychodrama of the Chancellor of the failure of it pursues policy in mind, talking to his aide Riezler the situation again goes through, she knows, maybe dramatic represents, as it actually is, and so motivated to a change in policy, which he holds in principle for false [? – And has long since taken. R. is not as important as he took himself; and, by the au fond conservative R. is not a criticism of the said and the chancellor expected. Especially not in the revision of 1929] .
 
The subsequent passages in Riezler text in which it [the memorandum Dietrich Bethmann Hollweg, 24/06/1914] and the emerging alliance Italy’s change comes to the weakness of the allied Austria , are more elements of a situation assessment, Bethmann in a melancholy fatalism leads [I he decides to risk in order to keep open the superpower status of the empire, and the option to become full-fledged world power] . He commented on the events, but he does not act [he selects the risk, with the war of Austria against Serbia. His cousin pushes Hoyos. Count Stolberg on the Ballhausplatz; Germans lead the Austrians trembling hand] . Probably Bethmann and Riezler also talked about the possibility of gaining time. So the risks are weighed against each other, and of this risk assessment dominates the „hinhaltbar“ as the top of the mast of a sunken ship into the text [they also talked about the „war guilt“ (cf.. Theory. Heuss-Toni Stolper). So the conversation went much further. Namely, this extended even to the consequences of the war decision. cf. bra Bülow, Tirpitz] . Reminds you of a project whose completion we can track records in Riezler. The withdrawal of the libido from the cooperation project, the Viennese contemporary of Sigmund Freud would have said, was almost completed, but not quite, and the „hinhaltbar“ is the last testimony of psychodrama, the Bethmann walked through the [no: BH was very much more realistic. See Wenniger. Activism full when war is declared, 01/08/1914. Bethmann running energetically through several rooms – acts. What else?] .
 
Herfried Münkler teaches Political Theory at the Humboldt-Universität zu Berlin. Last year his book „The Great War. The World 1914-1918“ appeared.