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Um den Krieg mit England im Winter 1904/05. Zum Institut der „Krisenkonferenzen“ im Kaiserreich.

Mittwoch, März 11th, 2015

Durch den nahen und unmittelbaren Verkehr mit Tirpitz habe ich viel Neues gelernt und Einblicke gewonnen in Verhältnisse, die mir bisher unbekannt waren. Sehr erfreulich sind die nicht alle gewesen und der Einblick, den ich in die Art und den Wert unserer jetzigen Regierung gewonnen, war oft nicht erfreulich und hat manche Ideale bei mir zerstört. Es fehlt uns die feste Hand und ein klarer, mit der harten Wirklichkeit nüchtern rechnender Kopf an der Spitze. Dafür herrscht Zerfahrenheit, Personen- und Parteieninteresse.

Kapitän z[ur].S[ee].. Hopman (Reichsmarine-Amt), 31.12.1912.

Vorbemerkung:

Das Kaiserreich und Rußland, eingekeilt zwischen den Flügelmächten im Osten und Westen,
als Modell genommen für die Entscheidungsprozesse, die momentan, zuvor und künftig, in
Washington und Moskau ablaufen. Nach den Erwägungen um die Jahre 1854-1914-2014 nun
der Verweis auf das Institut der „Krisenkonferenzen im Kaiserreich“; und dies am Bespiel des
„decision making process“ im Herbst und Winter 1904/05. Der Hintergrund der Marokkokrise
1904 bietet Einsichten in Themen, Verlaufsformen – wie „technische Details“ – derartiger Stunden
der Entscheidung im internationalen System. Der verfassungspolitische Überbau des Reichs
und Rußlands mag unterschiedlich ausfallen, entscheidend bleibt jedoch der am Beginn (ob
1854 in London, 1914 in Berlin …) stehende Entschluß jeweils einer Seite, die anstehenden
Konflikte mit Gewalt zu lösen.

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Die Krisenkonferenz vom 18. November 1904.

Am Freitag, dem 18.11.1904 abends, rief Kaiser Wilhelm II. den Reichskanzler Bernhard von Bülow, den Generalstabschef Alfred Graf von Schlieffen und den Chef des Admiralstabes, Vize-Admiral Büchsel, zu sich. Anlass zu dieser Besprechung waren kritische Artikel in der Londoner Fachpresse zum deutsch-englischen Flottenantagonismus. Es ging um den vom Admiralstab entwickelten “Operationsplan II” für die Flotte, der bereits Gegenstand eines Schriftwechsels zwischen dem Admiral- und dem Generalstab der Armee gewesen war. Dabei spielte der Gedanke des Admiralstabes eine besondere Rolle, im Falle des Krieges mit Großbritannien die dänischen Belte für die Grand Fleet zu sperren und dazu aktive Verbände der Armee heranzuziehen. Bislang wurde offensichtlich für den Fall einer Ausweitung des Konfliktes mit England, auch auf Frankreich, von einem intensiveren Einsatz der Armee gegen Dänemark abgesehen. Gegenstand der Lagebesprechung bei Wilhelm II. war damit die von Seiten des Admiralstabes betriebene

“erweiterte Verwendung von Armeetruppen…an den Operationen der Marine”.

An Stelle des Admiralstabschefs, der sich bereits in Kiel befand, nahm auch der Leiter des Reichsmarine-Amts teil, Admiral von Tirpitz. Der Chef des Marinekabinetts, Senden-Bibram, und der Kriegsminister Karl von Einem, fehlten.

An diesem 18. November im Berliner Schloss, und am darauf folgenden Tage in Kiel, kam es zu dem Auftrag Wilhelms II. an Vize-Admiral Büchsel, “alle Vorbereitungen…zu treffen für die Besetzung dänischen Gebiets”. Diese Weisung des Obersten Kriegsherrn wurde zum Ausgangspunkt detaillierter interner Vorbereitungen des Admiralstabes, die sich von der Beobachtung der englischen Presse und Marine, über die Steigerung der deutschen Kriegsbereitschaft, bis auf die Vorbereitung des “Handels- und Kreuzerkrieges”, erstreckten. Erkennbar war bereits in diesem Stadium, der Admiralstab verfolge eine Doppelstrategie. Einerseits sollten möglichst frühzeitig vollendete Tatsachen geschaffen werden, indem Büchsel die “Vorbereitungen für die Ausführung des O[perations].P[lans].II bis zum 1.3.[19]05″ fertig zustellen suchte. Diese Taktik bestätigt eine Aufzeichnung vom 19. November in welcher der Admiralstabschef festhielt:

“Hiermit ist also die Entscheidung so gefallen wie wir es wünschen und es kommt nun darauf an, das Eisen zu schmieden solange es warm ist”.

Im selben Atemzuge entwarf Büchsel den Wortlaut einer Kabinettsorder des Kaisers, die alle weiteren Schritte in die Hand des Admiralstabes legen würde. Büchsel unterstrich:

Haben wir diese Ordre[,] so ist damit der Betrieb der Sache in unsere Hand gelegt”.

Andererseits sollte der Einfluss des Generalstabes in Grenzen gehalten werden. Grund für die Eile des Admiralstabes war die offensichtliche Zurückhaltung Schlieffens, sämtlichen Absichten gegenüber, bedeutendere Kräfte der Armee für eine Verteidigung von Sperren der Flotte in dänischen Gewässern einzusetzen. Dass die Armee keinesfalls gesonnen war, derartige Pläne zu unterstützen, bestätigte auch der Kriegsminister Einem am 23. November. Neben der Belastung des Armeeetats durch zusätzliche Kosten, ging es Einem vordringlich um die an sich nachgeordnete Prestigefrage, wer in diesem Falle Zugang zum Kaiser habe. Aus dem Selbstverständnis der Armee, und deren Vertretern, konnte dies in keinem Falle ausschließlich der Admiralstab sein.

2

Die Konferenzen vom 30. Oktober und 21. Dezember 1904.

Mit dem bekannt werden der “entente cordiale” zwischen Großbritannien und Frankreich wurde in Berlin die Frage diskutiert, wie diese Verbindung auseinandergebracht werden könne. Offensichtlich wurde nicht erwartet, dass England und Frankreich Deutschland angreifen würden. Dennoch ließ der Reichskanzler ermitteln, wie die Chancen bei einem Krieg Deutschlands mit Frankreich stünden. Schlieffen teilte am 19. April auf Befragen mit,

“daß Rußland zwar seine größeren Truppenverbände von seiner Westgrenze für den Krieg in Ostasien zurückgezogen habe, durch andere Umstände aber jedenfalls gegenwärtig sich in einer für einen westlichen Krieg [d.h.gegen Deutschland] höchst ungünstigen Lage befinde”.

Offensichtlich auf den Krieg mit Frankreich direkt angesprochen, bestätigte er

“wenn die Notwendigkeit eines Krieges mit Frankreich sich also für uns ergeben sollte, so wäre der gegenwärtige Augenblick wohl zweifellos hierzu günstig” (Hervorh.v.m., B.S.).

Geheimrat Holstein, der Gedankengeber des Auswärtigen Amtes, legte, angesichts des offensichtlich kriegswilligen Generalstabes, unvermittelt den Finger auf die Wunde:

“Bei einem etwa heute ausbrechenden deutsch-französischen Kriege würde also Rußlands Beteiligung unwahrscheinlich, Englands aber unberechenbarsein”(Hervorh.v.m., B.S.).

Vor dem Hintergrund des russisch-japanischen Krieges, entzündete sich damit in Berliner politischen und militärischen Führungszirkeln eine ausgedehnte Diskussion darüber, wie die momentane Chance, da Russland in der Mandschurei gefesselt schien, für einen europäischen Hegemonialkrieg, zunächst gegen Frankreich, zu nutzen sei. Anfang September fand im Berliner Schloss, ein Diner statt, in dessen Verlauf der Kaiser mit Tirpitz die weitere Finanzierung des Flottenbaus erörterte. Kaiser und Reichskanzler bestätigten bei dieser Gelegenheit die Erhöhung des Marineetats um nunmehr 23 Millionen Reichsmark. Just jenen Betrag, um welchen im Vorjahr gestritten worden war. Einen Augenblick später entzündete sich diese Diskussion jedoch erneut. Tirpitz suchte daraufhin umgehend die Unterstützung der Großherzöge von Oldenburg und Weimar. Der Staatssekretär, der wiederum darum bat, ihn “beim Gelde zu unterstützen”, wurde durch den Großherzog von Weimar beschieden,

“sein Land ginge ihm vor. Preußen und Reich seien eins. Preußen behandele [aber] die Staaten schlecht…“

Tirpitz bestritt,

„daß Preußen und Reich eins seien. Preußen [sei] für [die] Marine [ein] besonders schwieriger Bundesstaat. Es handele sich nicht um Neuforderungen, sondern um den [im Auftrage] des Kaisers beschlossenen Aufbau der Flotte; dazu habe [er]die Zustimmung S[einer].H[oheit]. des Großherzogs von Weimar auf der Wartburg persönlich eingeholt”.

Dass die Finanzfrage dennoch nicht in trockenen Tüchern war, beweist kurz darauf Tirpitz’ weitere Anfrage beim Großherzog von Mecklenburg. Auch hier wurde “um Unterstützung beim [Flotten-]Etat” geworben. An eben diesem 5. September – während der Parade des IX. Armeekorps in Altona – so notiert Tirpitz,

“sagt S[eine]. M[ajestät]. er habe mit [dem] Reichskanzler abgemacht, daß [der] Marineetat nicht gekürzt werden dürfe”.

Wie angespannt die internationale Lage noch war, bestätigt die Bemerkung des Staatssekretärs, er habe

“mit [dem] Reichskanzler später [ein] längeres Gespräch über [die] Kriegssituation [in Ostasien]”

geführt. Bereits zuvor in Berlin hatte Tirpitz darauf aufmerksam gemacht, der Verlust von “Wladiwostok und ganz Sibirien” sei für Russland in Ostasien Tatsache , was auch auf die deutsche Kolonie Tsingtau zurückwirken könne. In diesem Zusammenhang, trat das Problem eines englischen Präventivkrieges gegen Deutschland in den Gesichtskreis der politischen und militärischen Reichsleitung.

3

Der 31. Oktober 1904: Sicherheit gegenüber England.

Daraufhin fand am 31. Oktober eine Krisen-“Sitzung beim Reichskanzler” statt, an welcher der “Reichskanzler, Richthofen, v[on]. Holstein, [und der] Chef des Generalstabes” teilnahmen. Nach einer Randbemerkung, am Kopf des Dokuments, traten bei dieser Gelegenheit Befürworter und Gegner eines Bündnisses mit Russland auf:

“Holstein plädiert für [den] Versuch einer Allianz mit Rußland, Situation doch nicht mehr intakt. Darum Anschluß. Richthofen dagegen[.]Reichskanzler stimmte Holstein zu“(Hervorh.v.m., B.S.).

Am folgenden Tage machte Tirpitz sein Resümee dieser Sitzung zum Gegenstand eines Briefes an den Staatssekretär des Auswärtigen, Richthofen, der seine – Tirpitz’, Gedanken – dem Reichskanzler übermitteln sollte. Offenbar hatte diese Diskussion um die günstige Gelegenheit eines Präventivschlages gegen Frankreich, sowohl das Argument des Generalstabes für diesen Weg, nämlich die russische Schwächung zu Lande, als auch das gegen diesen Schritt sprechende Problem – eines dann wahrscheinlichen Seekrieges mit Großbritannien – ins Bewusstsein der Anwesenden gehoben.

Schlieffen hatte ausgesprochen, Deutschland werde “bis auf weiteres mit Landwehrformationen an der Ostgrenze” gegen Russland auskommen. Ein Gedanke, der sich in seiner Denkschrift vom Dezember 1905 wiederfinden sollte. Tirpitz wehrte dagegen das Argument für den Krieg gegen Frankreich weiter ab, indem er darauf verwies, nicht nur flottenpolitisch, sondern auch landstrategisch, werde ein Beitrag Russlands erstens sehr gering, und selbst wenn, dann zweitens äußerst zwiespältig in den Auswirkungen ausfallen. Vor allem aber erwartete er, ein Bündnis mit Russland werde England zum Präventivkrieg gegen Deutschland treiben, was niemand wünschte, schon gar nicht der Flottenprotagonist. Denn in der Diskussion des 30. Oktober mussten sämtliche beteiligten Politiker und Militärs zu der Erkenntnis gelangt sein, dass die Flotte nicht kriegsbereit sei, und damit politisch nutzlos.

Doch das Ziel war, durch eine “’Pression’ auf Frankreich”, welche jedoch “nur durch die Kriegsdrohung Deutschlands ausgeübt werden” könne, Frankreich von England abzusprengen, bzw. Frankreich dazu zu bringen, dass es England davon abhielte, gegen das Reich vorzugehen. Doch auch der Kriegsfall England-Deutschland wurde diskutiert. Hier behauptet Tirpitz ebenfalls den geringen Wert russischer Unterstützung für das Reich, da

“gerade der bestehende gegen uns gerüstete Zweibund zwischen Frankreich und Rußland die Freiheit unserer Entschlüsse Frankreich gegenüber”

behindere. Aber gerade darum ging es am 30. Oktober anläßlich der Diskussion um Krieg oder Nichtkrieg mit Frankreich. Schließlich offenbart Tirpitz seine grundsätzliche Opposition gegenüber Plänen zugunsten eines Krieg mit Frankreich. Dieser plädiert für einen “Kontinentalblock” gegen Großbritannien, der seinen Flottenplänen die notwendige ruhige Entwicklung gewährleisten würde. Der Admiral führt aus:

“Eine positive Wirkung für die Friedenschance hätte eigentlich nur die wirklich klare Defensivallianz Deutschlands, Frankreichs und Rußlands zusammen gegen England, und das ist doch durch das erwogene Konzept z.Z. nicht zu erreichen”.

Er betont:

“Im ganzen ist ja Zeitgewinn und Flottenbau unsere wichtigste politische Aufgabe” (Hervorh.v.m., B.S.).

Die Frage eines Krieges mit England stand nach der Krisenkonferenz vom 30. Oktober weiterhin im Raum. So beantwortete fünfzehn Tage später Schlieffen einen Fragebogen des Reichskanzlers. Bülow wollte Antworten auf die Fragen:

“1) Wodurch könnte sich im Falle eines englischen Angriffs auf DeutschlandRußland uns militärisch nützlich machen?
2) Wie viele Truppen könnte bei gutem Willen Rußland auch im gegenwärtigen Moment und trotz des japanischen Krieges gegen Indien in Bewegung setzen?
3) Wie lange Zeit würde Rußland brauchen, um Truppen gegen Indien in Bewegung zu setzen?
4) Welche Verpflichtungen wären für den Fall eines deutsch-russischen Defensiv-Abkommens Rußland in dieser Beziehung aufzuerlegen, damit England gezwungen würde, seine Kräfte zu verteilen und einen evtl. Vorstoß nicht allein gegen uns richtete?

5) Würden wir uns bei einem englischen Angriff gegen uns Engländern irgendwo unangenehm machen können, z.B. in Südafrika?“ (Hervorh.v.m., B.S.)

Bülow war bemüht, den erwarteten Stoß Englands gegen Deutschland, so gut es gehe, zu parieren. Dazu sollten Operationen der russischen Armee gegen Indien, die Türkei oder Tibet dienen. Das deutsch-russische Bündnis sollte dazu die Basis bilden. Doch Schlieffen widerriet dem Kanzler. Realistisch seien derart zeitraubende Operationen nicht. Und darüber hinaus entwarf der Generalstabschef ein dunkles Bild der militärischen Möglichkeiten des Reichs in einem Krieg mit England:

“Deutschland kann gegen England einen Krieg in der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes nicht führen. Unsere Flotte ist zu schwach, um sich mit der englischen einlassen zu können. Sie wird sich dem Angriff der überlegenen Gegnerin zu entziehen suchen. Unsere Armee vermag nicht nach England hinüberzugehen, die englische wird höchstens als Hilfsmacht eines anderen Feindes Deutschlands auf das Festland herüberkommen. Zunächst stehen die beiden Flotten wie die beiden Armeen sich gegenüber, ohne sich angreifen zu können” (Hervorh.v.m., B.S.).

Schlieffen konzedierte, es sei möglich, die englischen Armee durch einen russischen Angriff auf Indien abzulenken. Doch würden zunächst die deutschen Kolonien weggenommen und sodann die deutschen, niederländischen und belgischen Häfen blockiert werden. Der deutsche Überseehandel, und damit die deutsche Industrie, würden “vernichtet” und jeglicher Warenzustrom nach Deutschland abgewürgt. Der Generalstabschef erwartete ferner gewaltige Einbussen auf deutscher wie englischer Seite. Die neutralen Mächte würden den Nutzen davontragen. Ein Angriff Russlands auf Indien schien ihm allerdings geeignet, England daran zu hindern, zum Mittel des Handelskrieges zu greifen. Schlieffen schloss:

“Da England nicht angegriffen werden kann, so bleibt nur übrig, einen seiner Verbündeten anzugreifen“(Hervorh.v.m., B.S.)

Am 29.11.1904 bat Holstein den Generalstabschef, für den 30. November um 17.00 Uhr, zu sich. Gewappnet mit der Information Schlieffens, vertrat Bülow seinerseits gegenüber Holstein die Position, ein Bündnis mit Russland – wenn es nun gewollt werde – sei grundsätzlich zu erreichen, wenngleich klar sei, dies würde nur ein Bündnis auf Zeit sein und von Frankreich stets beargwöhnt7. Holstein antwortete, es sei entscheidend zu klären, ob

“im Falle eines englischen Angriffs auf uns Frankreich mit in den Krieg hineingezogen werden” (Hervorh.v.m., B.S.)

solle. Ebenfalls erörterte er die Frage des Einmarsches in Dänemark – wie jene der propagandistischen Vorbereitung des Volkes auf einen Krieg mit England. Den Diskussionsstand zwischen Politik und Militär, innerhalb der Führungsspitze des Reiches, fasst Holstein zusammen. Er attackiert Bülow mit Hilfe der von Schlieffen geäusserten Argumente:

“Dagegen spricht, daß nach der Ansicht des Generalstabs Frankreich ein sehr ernsthafter Gegner ist, ernster als 1870, daß ein Vorgehen gegen Frankreich uns Rußland auf den Hals laden könnte, wenn wir mit diesem nicht vorher irgend etwas erreicht haben; daß vielleicht selbst Italien mit England plus Frankreich gehen würde. Dafür, daß wir, wenn der Krieg auf uns und England isoliertbleibt, England gegenüber so gut wie ohnmächtig sind, das uns durch Wegnahme unserer Kolonien und Schiffe, Vernichtung unserer Marine und unseres Handels und Lahmlegen unserer Industrie in absehbarer Zeit zu einem nachteiligen Frieden zwingen kann, während wir, wenn Frankreich mit im Spiel ist und namentlich wenn wir auch Belgien und Holland mit hineinziehen, zwar das Risiko steigern, aber wenigstens die Möglichkeit erwerben, Waffenerfolge zu haben, Pfänder in die Hand zu bekommen und unsererseits einen Druck auszuüben” (Hervorh.v.m.,B.S.).

Damit umreißt Holstein die besondere Funktion des deutschen Aufmarschplanes gegen Frankreich im deutschen politischen Kalkül, der über den Durchmarsch durch Belgien, eben diese politischen Komponenten berücksichtigt. Auch zu Dänemark legt er die Pole der vorher geführten Diskussion um den “Büchsel-Plan” offen. Holstein fragt:

“Ist es angezeigt, unsere öffentliche Meinung und das deutsche Volk allmählich darauf vorzubereiten, daß von England her eine schwarze Wolke droht, damit uns nicht später Mangel an Voraussicht und Leichtsinn vorgeworfen wird” (vgl. Admiral v. Müller zum „Kriegsrat“ am 8.12.1912)?

Am folgenden Tag erklärt Bülow daraufhin dem deutschen Botschafter in London:

“Unsere Absichten gegenüber England sind absolut friedliche”.

Es geht dem Reichskanzler um die Frage, ob trotz vorsichtiger deutscher Flottenrüstung “Gefahr vorhanden” sei, dass Deutschland “in absehbarer Zeit” von England angegriffen werde. Immer wieder wird erwogen, ob “die Gefahr eines englischen Angriffs…durch den Abschluss irgendwelcher Abmachung zwischen Deutschland und Russland erhöht oder verringert” werde. Auch wird ein englischer Angriff auf Russland für möglich gehalten. Abgewogen wird, ob ein deutsch-russisches Defensivbündnis oder ein Neutralitätsabkommen weniger gefährlich sein würde. Bülow fragt expressis verbis:

“Welche Art von Abkommen würde uns mehr Sicherheit gegenüber Englandgewähren?” (Hervorh.v.m., B.S.).

Und schließlich gelangt er zum Kern der Frage:

“Ist Gefahr vorhanden, daß England, wenn es von Allianzverhandlungen zwischen uns und Rußland hört, uns plötzlich überfällt?”(Hervorh.v.m., B.S.)

Metternichs Antwort aus London bezeichnet am 18. Dezember, die “politische Atmosphäre [als] vergiftet”. Doch, so der Botschafter, “weder das englische Volk noch die leitenden Kreise” würden “einen Angriffskrieg gegen Deutschland wünschen oder beabsichtigen”. Auch glaubt er nicht, der Flottenbau werde eo ipso den Krieg mit Großbritannien provozieren. Metternich nimmt eher an, “planmäßige Agitation”, im Vorfeld der parlamentarischen Diskussion, werde “eine ernste Kriegsgefahr mit England bedeuten”. Selbst ein Defensivbündnis mit Russland werde diese Gefahr vermehren. Das Zarenreich sei zu Wasser und zu Land geschlagen, könne also Deutschland kaum nützlich sein. Erst recht, seitdem seine Ostseeflotte über alle Meere verstreut sei. Andererseits, eine “englisch-französisch-russische Abmachung zu verhindern”, sei –  so Metternich – im Ergebnis kaum möglich, da Frankreich stets die Verbindung mit England suchen werde.

4

Die Krisenkonferenz am 21. Dezember 1904.

Am 21. Dezember trafen Bülow, Richthofen, Metternich, Schlieffen, Büchsel und Tirpitz erneut zusammen, um wiederum die von England ausgehende Gefahr zu erörtern. Offenbar lief die Diskussion – um Metternichs Warnung vor einer umfassenden Flottennovelle – ausschließlich zwischen Tirpitz, dem Botschafter und Bülow. Dabei verwahrte sich der Staatssekretär gegen die Behauptung, in der “Begründung des II. Flottengesetzes” sei ausdrücklich davon die Rede, Deutschland wolle “England der Suprematie auf der See berauben”. Mittelbar griff Wilhelm II. in die Diskussion ein, indem Bülow dessen Warnung kolportierte, eine Küstenverteidigung vor Kiel und Hamburg sei praktisch nicht vorhanden. Tirpitz unterstrich noch einmal den Kern seines Flottenbauplanes, indem er darauf verwies,

“daß diese Verteidigungsforderungen nebenher liefen, Bagatelle seien, daß es auf Schiffsforderungen allein ankomme”.

Bülow gelangte, nach einer Unterredung mit dem englischen Botschafter Lascelles, zu dem Schluss, es komme “England gegenüber alles darauf an, dass wir mit Geduld und Spucke über die nächsten Jahre wegkommen, keine Zwischenfälle hervorrufen, [und] keinen sichtbaren Grund zu Argwohn geben”. Was hieß: den beschlossenen Weg weiter beschreiten, bis die englische Suprematie zur See unterlaufen ist, und das mit allen Konsequenzen (Hervorh.v.m., B.S.).

5

Vorarbeiten der Flotte: mit Russland gegen England.

Im Reichsmarine Amt wurde dazu Ende November eine Studie “über einen englisch-deutschen Krieg” angefertigt. Ausgangspunkt waren die “zwickmühlenartige kontinentale Lage” Deutschlands einerseits und “das Bedürfnis nach überseeischer Weiterentwicklung” andererseits. Eine Entlastung der deutschen “Ostgrenze” wurde erwartet und die Verschlechterung der politischen Stellung des Reiches in Asien, gegenüber England-Japan-Amerika, konstatiert. Frankreich habe “den maritimen Wettkampf mit England aufgegeben” und habe zugleich

“mit dieser Schwenkung seinen Offensivgedanken gegen Deutschland endgültig aufgegeben. Nur an der Seite Englands wird es zum Gegner Deutschlands, dann aber mehr defensiv als offensiv. Das russisch-französische Bündnis ist gegen den Dreibund geschlossen oder wenigstens unter politischen Voraussetzungen, die den Kontinentalkrieg zur Basis hatten. Steht in einemenglisch-deutschen Konflikt Russland auf Seite Deutschlands, so wird Frankreich durch sein Bündnis mit Russland nicht zur Parteinahme gegen England verpflichtet.Als Gegner Russlands gibt es indessen seine hier investierten Kapitalien (9 Milliarden Fr[ancs]) verloren” (Hervorh..Tirpitz, B.S.).

Zusammenfassend wird festgestellt, Frankreich und Deutschland hätten ihre Wahl unter den “drei selbständigen Weltmächten England, Amerika und Russland getroffen”,

“Frankreich hat unter Aufgabe seiner kontinentalen Aspirationen die Seemacht England gewählt, Deutschland die Landmacht Russland”.

Das Ergebnis eines englisch-deutschen Krieges werde der wirtschaftliche Ruin des Reichs sein; selbst mit russischer Unterstützung. Die durch eine englische Blockade der Zufuhr des Reichs ausfallenden Mengen, welche “in Friedenszeiten 50 bis 60 Prozent an Lebensmitteln” betrage, könne Russland nicht ausgleichen. Selbst die Besetzung Hollands und Dänemarks werde “nur zu einer geringen Küstenerweiterung und damit Erleichterung” führen. Die Blockade, als für Deutschland gefährliche Waffe, wird gesehen und eingestanden, “ein gleichzeitig geführter Landkrieg auf französischem Boden…[werde] diese Verhältnisse” nicht “günstiger gestalten” können. Als Ausweg erscheint ein Angriff Russlands auf Indien. Doch dieser Weg wird ins “Reich der Utopie” verwiesen. Ein gleichzeitiger Krieg Deutschlands mit Frankreich werde dessen Kräfte binden. Im Jahre 1904 sei Russland nicht fähig, eine derartige Operation zu unternehmen. Obwohl Amerika unter dem Handelskrieg Englands mit Deutschland leiden würde, werde das Inselreich

“alle politischen Rücksichten gegen andere Staaten der einen unterordnen: der wirtschaftlichen Vernichtung seines Gegners”.

Gefragt wird: “Wie kann ein deutsch-englischer Krieg verhindert werden?” “Ein Schutzbündnis mit den Vereinigten Staaten” erscheint als “Präventivmaßregel”, da “England in Bezug auf seine Lebensmittelzufuhr ganz von Amerika abhängig” sei. Um die Unterstützung der USA zu erkaufen, werden

“Koncessionen…b[e]z[ü]gl[ich]. Südamerikas,…im Stillen Ocean (Karolinen, Samoa, Neu Guinea) und schliesslich…in Ostasien”

vorgeschlagen. Der sich anschließende Vergleich zwischen der Lage Deutschlands und jener der “junge[n] amerikanische[n] Kolonie 1778 England gegenüber” bezeichnet plastisch den Ernst der Situation Ende 1904. “Jeder Zeitverlust” werde den “Kaufpreis höher stelle[n]” und die Gefahr vergrößern. Die verlässliche amerikanische Zusage werde ausreichen,

„um den gegenwärtigen Druck solange auszuhalten, dass die politische Hetze in England an Boden verliert, während wir in dieser Zeit die Freiheit maritimer Weiterentwicklung, die wir jetzt nicht haben, wieder erlangen und nutzen können“ (Hervorh.v.m., B.S.).

6

Admirale Pendemann und Heeringen: Das Hauptübel die unfertige Flotte.

Das Memorandum zur Flottenvorlage des Jahres 1900 hatte eine offene Sprache geführt – zu Zielen und Methoden des deutschen Flottenbaus:

“Um des Reiches Seehandel und seine Kolonien zu beschützen – im Hinblick auf die gegenwärtigen Umstände kann nur eine Methode nützen – muß Deutschland eine Kriegsflotte haben, so stark, daß der Gegner, der im Besitz der größten Seemacht steht, sie nur mit ernster Gefahr für sich selbst angreifen kann.
Für unsere Zwecke ist es nicht unerläßlich notwendig, daß die deutsche Kriegsflotte so stark sei, wie die der größten Seemacht: denn in der Regel wird eine große Seemacht nicht imstande sein, ihre ganzen Streitkräfte auf uns zu richten. Aber sogar wenn es ihr gelingen sollte, uns mit beträchtlicher Überlegenheit der Kräfte entgegenzutreten, so würde die Vernichtung einer großen deutschen Flotte den Feind so stark schwächen, daß, trotz des errungenen Sieges, seine eigene Weltstellung nicht länger mehr von einer gleichwertigen Flotte gesichert werden würde“.

Admiral von der Goltz bestätigte im Reichstag noch einmal dieses deutsche Kalkül:

“Die vorläufig noch beherrschende maritime Überlegenheit Großbritanniens wird auch in Zukunft beträchtlich bleiben, aber sie ist gezwungen, ihre Kräfte über die ganze Welt zu zerstreuen. Zweifellos würde bei einem Kriege in heimischen Gewässern der größere Teil der auswärtigen Geschwader zurückgerufen werden; doch würde dies Zeit kosten und überdies dürften nicht alle Überseestationen entblößt werden. Die deutsche Flotte, viel kleiner zwar, könnte in den europäischen Gewässern konzentriert bleiben. Mit den jetzt vorbereiteten Erhöhungen wäre sie in der Lage, ihre Kraft mit den gewöhnlichen britischen Flottenkräften in heimischen Gewässern zu messen” (Hervorh.v.m., B.S.).

Anfang Dezember 1904 macht sich Admiral Pendemann (Flottenkommando Wilhelmshaven) “Gedanken über die augenblickliche kritische Lage”. Auch er sieht den Kriegszweck Großbritanniens in der Vernichtung von deutschem “Handel und Industrie”. Doch um das Reich “ganz niederzuwerfen”, habe “dies so viel Lebenskraft, um sich sehr bald wieder zu erholen”. Das wisse England. Momentan sei die “politische Lage…die denkbar günstigste”.

“Deutschland ist allein England maritim noch nicht entfernt gewachsen”.

Pendemann unterstreicht, da “an eine strategische Offensive gegen die englische Flotte” nicht zu denken sei, “müsse die Defensive stark entwickelt sein”. Ein Krieg mit England würde “alles bisher zur See erreichte mit Wahrscheinlichkeit wieder vernichten”. Die zwei Wege, die blieben, seien einmal der Vorstoß in die Nordsee, der die strategische Defensive – “einen augenblicklichen taktischen Erfolg” vorausgesetzt – nur aufschieben würde, und der Verzicht auf jegliche Aktion, womit die Flotte “als kriegsbrauchbares Instrument” ausscheide. Damit sei “die Kriegsflotte lahm gelegt und blockiert”. Der Admiral merkt an, er

“wüsste nicht, was die Engländer dann veranlassen sollte, in die Ostsee hineinzulaufen und unsere Flotte anzugreifen, wenn wir uns dort freiwillig blockieren lassen. Sie sind auch nicht der französischen Flotte in ihre Häfen gefolgt/es genügte ihnen, sie dort lahm zu legen”.

Damit bezieht Pendemann eindeutig Stellung gegen die Planungen des Admiralstabschefs Büchsel, und dessen Operationsplan II.

Mitte Dezember, die Krise bestand unverändert fort, erörtert ein weiterer Marinevertreter das Ergebnis der Beratungen der Rüstungskommission. Obwohl eine “unmittelbare Kriegsgefahr” nicht bestanden habe, sei “den für die Politik des Reiches verantwortlichen Stellen” diese Möglichkeit besonders scharf vor Augen getreten”, so wird von Heeringen behauptet. Er führt aus, Voraussetzung des Flottenbaus sei “bisher” gewesen, “den Frieden” bis zur Fertigstellung der Schlachtflotte “erhalten zu können”. Im Angesicht der Problemlage zu Ende des Jahres 1904, unterstreicht Heeringen diese zugrunde liegende Prämisse. Er führt aus:

“…das Verhalten der Grossmächte hatte seit Jahrzehnten eine so deutliche Abneigung gegen Übernahme der wirtschaftlichen Schädigungen eines grossen Krieges gezeigt, dass die Hoffnung berechtigt war, wir könnten bei genügender Vorsicht und vorläufiger Einschränkung unserer weltpolitischen Ansprüche den Krieg allein durch diplomatische Geschicklichkeit vermeiden” (Hervorh.v.m., B.S.).

Tatsächlich sei jedoch der Kriegsgedanke durch die Vorgänge in Ostasien wieder populärer geworden. So zum Beispiel plädiere eine Fraktion in England dafür, “zu seiner eigenen Sicherheit” Deutschland “zu schlagen, ehe wir unsere Flotte fertig haben”. Er setzt sich, angesichts auch der japanischen Kriegsbereitschaft, für ein “völlige[s]n Bereitsein[s] zum Kriege…vor allen übrigen Rücksichten” ein. Es sei damit für “die verantwortlichen militärischen Stellen” unabdingbar, “die Streitmittel des Reiches in der höchsten, ohne direkte Mobilmachung erreichbaren, Kriegsbereitschaft zu halten”. Der bleibende “Ernst der Lage England gegenüber” wird unterstrichen und die Verantwortung der militärischen Entscheidungsträger vor der Geschichte betont. Vorausgesetzt wird ein britischer Überfall auf die deutschen Seestreitkräfte, analog zu der Kriegseröffnung Japans gegen Russland 1904. Daraus ergebe sich, dass eine rechtzeitige Warnung durch die Diplomaten kaum zu erwarten sei. Es gelte einen zentralen Schwachpunkt auszuräumen, nämlich die Tatsache,

“dass wir während 21/2 Monat[en] im Jahr unsere sämtlichen Linienschiffe oder auch nur die Hälfte kriegsbereit liegen haben”.

Damit würde, so der Vorsitzende der Rüstungs-Kommission, der Gegner “genau auf den Zeitpunkt” hingewiesen, “zu dem er angreifen” müsse. Die deutsche Flotte sei “durch Wehrpflicht und ungesunden Wechsel weder im Oktober und November noch im März bereit”. Das sei

“ein weiterer Grund mehr für England den Krieg im Winterhalbjahr anzufangen”.

Auch strategisch sei die deutsche Flotte durch das Winterlager in Wilhelmshaven äußerst behindert, die “Zentralstellung Elbe-Kiel” einzunehmen. Heeringen gipfelte in der Feststellung,

“wir dürfen nicht pro Jahr über 200 Millionen für die Marine aufwenden und haben in dieser drohenden Zeit nur während 6 – 7 Monaten eine kriegsbereite Flotte” (Hervorh.v.m., B.S.).

Ein Wandel des Bewusstseins war offenbar eingetreten. Denn nun, so Heeringen, gelte es nicht mehr nach der “ferneren Zukunft” zu fragen, sondern nach dem “Jetzt”. Er votiert dementsprechend gegen Detachierungen ins Ausland, plädiert dafür, die Geldmittel zu konzentrieren – und dies für die möglichst unauffällige “Hebung der Kriegsbereitschaft”. Ihm scheint verbürgt, dass selbst bei den “grössten Verlusten”, in dem dann durchzukämpfenden Krieg, “das deutsche Volk” dennoch “willig sein” werde, erneut Geld für den Flottenbau aufzuwenden. Die Haltung, von vornherein einen Erfolg auszuschließen, würde zudem dazu führen, “bei Ausbruch des Krieges nicht das Letzte für den Erfolg” aufzuwenden. Immerhin könne die deutsche Flotte im “Frühsommer 1906 auf zwanzig Linienschiffe” angewachsen sein. “Das letzte Wort” sei somit “noch lange nicht…gesprochen”.

Tirpitz merkte an, er verstände “diese Vorschläge nicht ganz, da sie zu abstrakt gehalten” seien. Er wehrte sich zudem dagegen, in den Jahren seit 1898 nicht genug erreicht zu haben. Allerdings registrierte er, was viele dachten und auch schon sagten, die Flotte sei eben nicht fertig, und das sei der Fehler. Allerdings der Weg, besser an Hand “konkreter Vorschläge” zu diskutieren, erscheint eher als Ablenkungsversuch gegen aufkeimende Kritik, denn als ernst zu nehmender Hinweis. Mitte Januar 1905 berichtet der deutsche Botschafter in London, die englischen Blätter würden einen “englischen Angriff…als ungeheuerlich zurückweisen”. Gleichzeitig sei in “Daily Mail “, „Daily Telegraph“ und „Daily Graphic” eine Wandlung zugunsten Deutschlands zu erkennen. Nach Metternichs ausführlichem Bericht, scheint die deutsche Befürchtung, ein englischer Überfall stehe unmittelbar bevor, als bloße Chimäre.

Dass Ende Januar die Entscheidung über Krieg und Frieden noch in der Diskussion war, bestätigt Tirpitz´ Äußerung gegenüber dem deutschen Militärbevollmächtigten in Petersburg, Hintze. Der Leiter des Reichsmarine Amts schränkte Direktiven, die konkrete Maßnahmen für einen Krieg mit Frankreich und England enthalten hatten, auf “Anweisung” des Reichskanzlers ein. Der Ende 1904 in der deutschen Führungsspitze diskutierte Krieg mit Frankreich und England war zu diesem Zeitpunkt vertagt. Tirpitz erläutert bei dieser Gelegenheit die Verfahrensweisen der Abstimmung zwischen Politik und Militär in Berlin, die demnach durchaus im Clausewitzschen Sinne geregelt war:

“Die Direktiven, welche ich Ihnen mündlich gegeben habe gemäß Anweisung des Herrn Reichskanzlers, beziehen sich nicht auf die Frage, ob Krieg oder Frieden. Sie rechneten nur mit der Tatsache, daß der Kriegszustand besteht und auch für Waffenerfolge unseren Interessen am meisten entsprechen. Die Frage Krieg oder Frieden ist jedenfalls rein politischer Art und außerhalb meiner Kompetenz” (Hervorh.v.m., B.S.).

Wenige Tage darauf leitet das Auswärtige Amt Tirpitz “einen ganz vertraulichen Privatbrief des Botschafters Grafen Metternich” zu, den dieser an Bülow gerichtet hatte. Darin äußerte sich Metternich zur “Gestaltung der Beziehungen zwischen Deutschland und England während der letzten Monate”. Dort habe sich der Diplomat “nochmals nachdrücklich…über die Befürchtung” geäußert, dass England kriegerische Absichten gegen uns hege”. Dieses Schreiben heizte die Diskussion zwischen den Befürwortern des Flottenbaus und deren Kritikern innerhalb der deutschen Führungsspitze erneut an. Anfang Februar referiert Admiral von Müller, Tirpitz gegenüber, zustimmend über die These,

“daß diejenigen, auf die Zukunft des deutschen Volkes verzichteten, welche aus Angst vor England von jedem schnelleren Vorgehen in unserer Flottenentwicklung absehen wollen”.

Müller plädiert für die Beschleunigung der Ersatzbauten und gegen ein “drittes Doppelgeschwader”. Er fragt: aber wenn England daraufhin ernste “politische Konstellationen” veranlasse? Die Antwort, so Müller, müsse für Deutschland dann im Angesicht des Krieges heißen:

“dann der Weltkrieg, der unsere Heere nach Indien führt und nach Egypten” (Hervorh.v.m., B.S.).

Rüstungspolitisch-strategisch sieht Müller die “Beschränkungen” des Nord-Ostsee-Kanals, und die Typenfrage, an erster Stelle rangieren. Er übt, wenn auch eingeschränkt, gegenüber Tirpitz Kritik an den großen Schlachtschifftypen:

“Ich ziehe die strategische Konzentrationsmöglichkeit durch den Kanal der taktischen Konzentration über den großen Typ vor, und erst wenn die innerpolitische Möglichkeit gegeben ist, den Kanal umzubauen, würde ich auf den großen Typ gehen. Bis dahin also müßte das möglichst große Linienschiff, das eben noch durch den Kanal gehen kann, gebaut werden”.

Daraufhin hält Tirpitz, in einer Notiz für die Budgetkommission des Reichstages, fest:

“Der Herr Reichskanzler hat für die Ausarbeitung eines Entwurfes für eine in Herbst d[ieses]. J[ahres]. einzubringende Novelle zum Flottengesetz den zuständigen Reichsressorts folgende vorläufige Direktiven gegeben:
1. Eine Vermehrung der etatsmässigen Zahl der Linienschiffe soll nicht stattfinden.
2. Die Zahl der jährlich auf Stapel zu legenden grossen Schiffe – seit 1897 pro Jahr 3 – nicht erhöht aber auch nicht vermindert werden.
3. Als Neuforderung sind von den seiner Zeit vom Reichstage abgelehnten Auslandsschiffen 6 grosse Kreuzer wieder einzubringen. An Stelle der damals geforderten 7 kleinen Kreuzer sind 7 Torpedoboots-Divisionen zu fordern.
4. Für die Linienschiffe und Panzerkreuzer soll nach Vorgang aller anderen Nationen vom Jahre 1906 ab ein grösserer Typ vorgesehen werden.
Die Durchführung des vorstehend skizzierten Programms würde nach den angestellten Berechnungen den Marineetat bis zum Jahre 1910 einschliesslich gegen den Etatsentwurf 1905 jährlich um durchschnittlich 15 Millionen Mark steigern. Von 1911 ab würde sich der Etat ungefähr auf der Höhe des Etats von 1910 halten. Verhandlungen zwischen den Verbündeten Regierungen über die im Herbst einzubringende Novelle haben noch nicht stattgefunden” (Hervorh.v.m., B.S.).

Tatsächlich hielt Tirpitz im Reichstag eine flammende Rede über die Grundsätze des deutschen Flottengesetzes, welches von der kriegsentscheidenden Seeschlacht ausgehe und die großen Schiffe bevorzuge, so lange die Kanone die schlachtdominierende Waffe sei.

Am 4. Februar rief Wilhelm II. den britischen Botschafter Lascelles zur Ordnung, nachdem der Kaiser von der – nach seiner Meinung –

“geradezu verblüffenden Rede des Civil Lord of Admirality mit der offenen Kriegsdrohung gegen uns”

erfahren hatte. Am 18. Februar überschritt die Krise deren Zenit. Vize-Admiral Büchsel teilte Tirpitz mit, der Kaiser habe “neuerdings befohlen, dass die Marine in der strategischen Defensive bei ihren Operationen in den Belten mit einer Unterstützung von Seiten der Armee nicht zu rechnen habe”. Nicht zuletzt der Reichskanzler habe diese Entscheidung Wilhelms II. bewirkt, indem er “vom politischen Standpunkte aus neuerdings wesentliche Bedenken dagegen zum Ausdruck gebracht hat, andererseits weil die Armee die für die Besetzung dänischen Gebiets erforderliche Truppenmacht nicht hergeben kann, ohne den Erfolg an anderer Stelle fraglich zu machen”. Und schon anlässlich der Enthüllung des Kaiser-Friedrich III.-Denkmals in Bremen bemühte sich der Kaiser darum, die an sich revolutionäre Grundidee deutscher Politik in gemäßigter Verpackung zu bieten:

“Das Weltreich, das Ich Mir geträumt habe, soll darin bestehen, daß vor allem das neuerschaffene Deutsche Reich von allen Seiten das absoluteste Vertrauen als das eines ruhigen, ehrlichen und friedlichen Nachbarn genießen soll und daß, wenn man dereinst vielleicht von einem deutschen Weltreich oder einer Hohenzollern-Weltherrschaft in der Geschichte reden sollte, sie nicht auf Politik gegründet sein soll durch das Schwert, sondern durch gegenseitiges Vertrauen der nach gleichen Zielen strebenden Nationen” (vgl. K.Lamprecht-Bethmann Hollweg, in: Bernd F. Schulte: Das Deutsche Reich von 1914, Hamburg 2013).

Wenngleich Wilhelm II. damit kein Jota von dem bisherigen Weltmacht-Kurs zurückwich, so blieb dennoch Raum für verschiedenste Versuche, aus der Kalamität eines Zwanges zum Krieg mit Frankreich herauszukommen, bei gleichzeitig offener Flanke gegenüber Großbritannien. Holstein betonte diese Lösung, indem er für den Konferenzgedanken eintrat, und gleichzeitig – im Angesicht der englischen Rivalität – für den Ausgleich mit Frankreich plädierte. Er schrieb am 28. Juni an den deutschen Botschafter in Paris:

“In Wirklichkeit haben wir den entgegengesetzten Plan, nämlich die Gelegenheit zu benutzen, um bessere Beziehungen für die Zukunft mit Frankreich anzubahnen”.

Ein Weg, den Bülow übernahm. Er glaubte mit Hilfe Marokkos als Kompensation, Frankreich zum “Anschluß an die deutsch-russische Verständigung” zu bringen. Der Kanzler hielt in einer Notiz fest:

“1…Eine bessere Verwendung könnte Marokko für uns nicht finden…

3. Es erscheint mir ratsamer, die Marokkofrage bis auf weiteres versumpfen zu lassen, als sie zu brüskieren”.

7

Admiralstab gegen Generalstab.

Es war nicht leicht, Schlieffen auch nur die Zusage der Fortsetzung kommissarischer Verhandlungen zwischen Vertretern der Stäbe von Armee und Marine abzuringen. Es bedurfte dazu eines persönlichen Gespräches zwischen Büchsel und Schlieffen. Wie gering das Interesse des Generalstabes an einer Diversion stärkerer Kräfte der Armee im Norden war, zeigten die Verhandlungen mit dem Vertreter des Generalstabes, Oberstleutnant Stein, der spitz fragte,

“ob es nun gegen England allein auf eine Beteiligung der Armee ankomme”.

Büchsel erklärte, es handele sich “um einen Angriff Englands auf uns [Deutschland] überhaupt”. Womit klar gemacht war, von Seiten der Flotte sei “die planmäßige Teilnahme” der Armee im Falle auch nur eines deutsch-englischen Krieges geplant. Stein betonte demgegenüber, “wie sehr unangenehm” dies für die Armee sei, “weil man ja garnicht voraussehen könne, was daraus werden würde”. Gemeint war damit, jeder Verlust an Kräften für den Landkrieg mit Frankreich, den der Generalstab grundsätzlich erwartete, sei unbedingt zu vermeiden. Büchsel berief sich postwendend auf den Reichskanzler, dieser sei

“der Ansicht…, dass die ganze Besetzung dänischen Gebiets nur möglich sei bei einer wohlwollenden Neutralität Rußlands”.

Der Hinweis auf das Votum des verantwortlichen Politikers ließ Stein schließlich einlenken und den Kräfteansatz der Armee auf eine Division, eine Landwehr-Brigade, zwei 12cm-Artillerie-Batterien und zwei Beleuchtungstrupps beziffern. Im Sinne der Beschleunigung weiterer Schritte, kündigte der Admiralstabschef an, “am 2.12. S[einer].M[ajestät]. dem Kaiser Vortrag über den Fortgang der Vorbereitung des O[perations). P[lans]. II halten” zu müssen.

Angesichts dieser Zielstrebigkeit des Admiralstabes ließ Schlieffen mitteilen, der Kriegsminister habe ihn ersucht, “in eine weitere Behandlung der zur Berathung stehenden Angelegenheit nicht einzutreten”. Büchsel antwortete, unter Hinweis auf den “Befehl S[einer].M[ajestät].d[es].Kaisers”, und hielt daran fest, er erwarte vom Generalstab nach wie vor eine Stellungsnahme dazu, “wie der Bedarf an Truppen d[er]. Armee sich” vergrößere. Die Dinge trieben der Entscheidung zu, als Büchsel am 2.12.1904 sich für den Vortrag bei Wilhelm II. vorbereitete. Am folgenden Tage war der Admiralstabschef beim Kaiser zum “Spaziergang befohlen”, was bedeutete, dass weder der Chef des Kaiserlichen Hauptquartiers, Generaloberst von Plessen, noch der Chef des Marinekabinetts, Admiral von Senden Bibram, teilnehmen würden.

Büchsel führte in diesem Vortrag aus, die Verhandlungen mit dem Generalstabe hätten ergeben: für die “Besetzung Dänemarks, wie sie nötig” sei, reiche “zur direkten Verteidigung der Sperren im grossen und kleinen Belt” eine verstärkte aktive Division der Armee aus. Allerdings würden zwei Divisionen dann nötig, wenn Dänemark die “Besetzung seines Gebietes durch eine Kriegserklärung” beantworte. Das hieß: mindestens zwei Heeres-Divisionen würden in einem „Kriegsfall England“ im Norden gebunden werden. Der Generalstab vertrete allerdings die Position, so Büchsel, “dass selbst wenn der Krieg zunächst durch eine Ueberraschung Englands allein eingeleitet” werde, dann “doch das Hineinziehen Frankreichs folgen” müsse. Immer wieder habe Schlieffen betont, “in diesem Falle” würden “die besten Armeekorps bei den Operationen gegen Frankreich fehlen”. Dass der Generalstabschef sämtliche Operationen ablehne, die zu einem “Zurückhalten von zwei aktiven Armeekorps an der Küste im Kriege mit England” führen würden, kam ebenfalls deutlich zur Sprache. Damit war die im Operationsplan II der Flotte niedergelegte Grundidee in Frage gestellt, nämlich die Belte zu sperren, um so die englische Hochseeflotte im Kampf um die Beltsperren zahlenmässig abzunutzen und einen Schlachterfolg der quantitativ unterlegenen deutschen Seestreitkräfte in der Ostsee erst möglich zu machen. Hier sollte der Kaiser entscheiden, wer – der General- oder der Admiralstab – mit seinen Vorstellungen durchdringe. Büchsel enthielt sich ausdrücklich der Entscheidung über die Frage, ob der Vorteil, den Krieg in Dänemark und in der Ostsee gegen England führen zu können, den Nachteil überwöge, an der französischen Grenze mit um zwei Armeekorps geschwächten Kräften aufzumarschieren. Er unterstrich jedoch, in jedem Fall müsse die Armee sowieso die Verteidigung der deutschen Nordgrenze gegen die dänische, und möglicherweise die englische Armee sicherstellen. Wie auch immer sich Deutschland in einem kommenden Konflikt verhalte, Dänemark werde, ob mit deutschem Einmarsch, und damit Neutralitätsbruch, oder ohne, ob unterstützt durch England, oder von diesem besetzt, möglicherweise Deutschland, “in any case”, den Krieg erklären.

Im Einzelnen begründete der Admiralstabschef die so für die Kriegführung der Flotte eintretenden Nachteile. Er fasste zusammen, wenn nun die Armee nicht genügend auftrete, dann würde

“der Zweck , welchen Eure Majestät mit derselben verfolgen, dem Feinde Schiffsverluste beizubringen, welche so hoch sind, dass die hinter der Sperre stehende Schlachtflotte Aussicht hat, die angreifende Flotte vollends zu vernichten, in wesentlich geringerem Masse erreicht werden, ja die Verluste auf der eigenen Seite würden, da die Verteidigung der Sperren älteren Schiffen übertragen werden muss, wesentlich größer sein, als auf Seiten des Gegners, und ein Aufräumen der Sperre würde sich nicht verhindern lassen”(Hervorh.v.m., B.S.)

Angesichts dieser Ausführungen Büchsels sprach sich Wilhelm II. “dahin aus, daß die beiden Korps (IXtes[Altona] und Xtes[Hannover]) im Norden bleiben müßten, bis die Verhältnisse dort geklärt seien”. Der Monarch bezog unter dem Eindruck des Vortrages damit eindeutig Stellung gegen den Generalstab und folgte seiner traditionell marinefreundlichen Haltung. Der Kaiser erklärte,

“die Besetzung dänischen Gebietes müsse erfolgen, auch schon wegen Esbjergs [Landung eines Britischen Expeditionskorps], ganz abgesehen von der Sperreverteidigung. Er sei der Meinung, daß die Armee diese Truppen entbehren könne und müsse”.

Büchsel gab anschließend die Parole aus: “Wir arbeiten also zunächst weiter in der Annahme, daß die Truppen gestellt werden”.

Um den Generalstab doch noch zu gewinnen, und offenbar in der Überzeugung, dass die momentane Willensäußerung des Obersten Kriegsherrn nicht lange tragen werde, bot Büchsel an, auf der Basis der am 9. Dezember abends durch den Kaiser “mündlich ertheilten Anweisungen” gemeinsam vor dem Monarchen festzulegen, “welche Truppen der Armee in Folge der geplanten Verwendung auf nicht deutschem Gebiet” zur Verfügung stehen würden. Schlieffen antwortete nach zehn Tagen und teilte mit, er sei nunmehr “zur Feststellung der Art und Zahl der erforderlichen Truppen in eine genaue Prüfung… eingetreten”. Den Vortrag Büchsels vor Wilhelm II. beantwortete er nun mit der Ankündigung, seinerseits “durch einen Immediatbericht die Grundlagen für eine Entscheidung” geben zu wollen. Am folgenden Tage erbat der mit den Verhandlungen betraute Oberstleutnant Stein Berichte, welche die Korvettenkapitäne Souchon und Hopman im Jahre 1902 zu den in Frage stehenden dänischen Gebieten angefertigt hatten.

Ende Januar 1905 nahm der Admiralstab diesen Faden wieder auf und betonte, daß Schlieffen den angebotenen gemeinsamen Immediat-Vortrag beim Kaiser nicht in Betracht gezogen habe. Wie gereizt Büchsel zunächst reagieren wollte, zeigt der erste Entwurf seiner Antwort. Der Admiralstabschef revidierte jedoch das Konzept, welches den Vorwurf enthielt, Schlieffens Verhalten in der Sache sei der Grund für “die großen Lücken” in den Vorarbeiten zum Operationsplan der Flotte, “die mangels einer Allerhöchsten Entscheidung[,] gerade für den wahrscheinlichsten Kriegsfall vorhanden” seien. In der Ausfertigung des Schreibens bezog sich Büchsel dann nur noch darauf, der Generalstabschef möge ihm mitteilen, wann er seinen Bericht zum Immediatvortrag an den Kaiser senden werde.

(Fortsetzung folgt)

Die USA wollen den „lokalisierten konventionellen Krieg in Europa“.

Sonntag, Februar 8th, 2015

 

Dieses Programm, das 1983 für die Nach-Afghanistan-UdSSR aufgestellt wurde, kommt nun, nach dem Niederbruch der UdSSR (1991), und der unverändert anti -„kommunistischen“ Politik der USA gegen Rußland bis heute, erneut zur Wirkung. Man vergesse nicht das Diktum des amerikanischen Kommandierenden NATO-Europa-Mitte gegenüber Herrn Schröder:

 

„Herr Bundeskanzler, Sie haben 15 Minuten, um zu entscheiden, ob Sie mitmachen. Gemacht wird es sowieso (der Luftkrieg gegen Serbien)“.

Zudem ein solcher Krieg die EU entscheidend treffen, und als Rivale um eine Weltmacht-Position entscheidend treffen könnte. Es gilt – aus der Sicht der US-Außenpolitik – darum

a) durch die Finanzwaffe und den Ukraine-Konflikt die EU zum Scheitern zu bringen,

b) die Nachfolgerin der UdSSR mit gleichen Zielen, Rußland, unverändert zu reduzieren, und als Großmacht zu demontieren.

Es steht dahinter Mackinders Theorie (1900), von der Aufgabe der britischen Politik des imperialistischen Zeitalters, ein Zusammengehen von Petersburg und Berlin zu verhindern. England folgte diesem Muster bereits 1852 mit dem Entschluß, geradezu „deliberately“, Rußland auf der Krim anzugreifen und durch Annektionen auf Dauer zurückzuwerfen.

 

Was die preußische Wochenblatt-Partei befürwortete, um Preußen durch Annektionen nach Osten zu vergrößern. Und was Bethmann Hollweg 1914 – entsprechend diesem Modell seines Großvaters, und Führers der Wochenblatt-Partei – zum Kriegsziel im Ersten Weltkrieg erhob, das zaristische Rußland zum Zusammenbruch brachte (1917), und für eine zunächst demokratische, und schließlich kommunisistische Entwicklung, öffnete.

Diese wollen nun offensichtlich die USA heute endgültig beenden, nachdem 1991 – in der einseitig anti-kommunistischen Sicht der USA – nur ein halber Erfolg erreicht wurde. Und das auf dem Rücken Europas. 

 

Lokalisierter konventioneller Krieg in Europa. Rußland sucht die USA in der Ukraine zu treffen

Dienstag, Februar 3rd, 2015

Autor der Meldung

Die USA gaben 1980 eine Studie in Auftrag, zu prüfen, wie lange eine Groß- und Supermacht Pressionen aushält, bevor diese zur militärischen Antwort greift. Gemeint war zweifelsohne die UdSSR, die im Nachgang zu Afghanistan, und dem Rüstungswettlauf zu Wasser (Admiral Gorschkow) und zu Lande (qualitativer Rüstungssprung von der Mechanik zur Elektronik), finanziell 1980 bankrott war. Auf die Landmacht Rußland zurückfielen, Pereststroika und deutsche Einheit. Selbstverständlich plante Moskau, in absehbarer Frist wieder vorzugehen. Rohstoffreichtum und Teil-Kapitalismus führten zu vorübergehender Blüte neuer Kräfte – im Verbund mit den überkommenen Eliten.

Getragen von falschem Selbstverständnis, rüstete Europa ab, und bereitete sich auf den ökonomischen Sprung auf Weltmachtstandard vor; verfeindete sich jedoch die USA. Diese kämpften weitgehend allein um deren Supermachtstatus der Vergangenheit und trafen im Gegenzug Europa mit der Währungswaffe.

Nun kommt das 1980 erörterte Konzept zur Ausführung, an NATO und EU vorbei, einen

                        l o k a l i s i e r t e n   k o n v e n t i o n e l l e n   K r i e g  (in Europa)

zu inszenieren, der die EU in direkte Mitleidenschaft zieht, kommerzielle Erfolge Europas (wirtschaftliche Konkurrenz im Weltmaßstab) nivelliert, um, verbunden mit der Ölschwemme, die USA zu alter Supermachtstärke zu führen.

Das erbringt die Analyse der Kriegsfälle 1852/54 (Krimkrieg-Phase), wie der Vorgeschichte des Kriegsausbruchs von 1914.

Vgl. http://www.freiewelt.net/auf-zu-preussisch-deutscher-groesse-10052896/
http://www.freiewelt.net/1854-1914-2014-2-10037600/
http://www.freiewelt.net/1854-1914-2014-10037597/
http://www.freiewelt.net/preussen-zwischen-west-und-ostoption-10041869/

(News4Press.com)

So what do mean 1854 the Crimean War phase, and in 1914 – the outbreak of World War I and the related goals of the war powers – for us today – namely 2015? Again and again, in the last 30 years, the feeling might come to live in a war. In the story – like 1815, 1918-19, 1945 – repeats the same process. The international system regrouping. Within a decade, is determining what will be the victorious powers of the conflict, and what will come in the end at the top?

Descending powers tend to military means, in order to stop the decline. This is true of the German Empire after 1871/1904/05, the British Empire in the 1930ies and again in 1956, as the Soviet Union of Afghanistan phase. During these periods was developed a special sensitivity of the ruling elites for the eventuality that may arise from such situations. In the 80ies, in the face of possible future  c o n v e n t i o n a l  w a r   i n   E u r o p e , the historical data were examined from the viewpoint of how emerged the great disasters of the 20th century. Not least, the political science approaches of the early 70ies led to reflect on the dangers that could arise from the oppression of the Soviet Union this year by the US, China and NATO. And this is shown from different sides, in the course of the 80ties again (Paul M. Kennedy); derived from the historical and political question, the „rise and fall of civilizations“ (G.P. Gooch).

We went with another analytical approach to the potentially successful blockade of military conflict between the United States and the UdSSR; and this, for example, explained by Henry Kissinger, on the supposedly perfect restitution of the world after 1815. Their ample function, however, by the repression of Russia, due to the Crimean War, lead in the end to this model.

However, till today, to the exclusion of military force found in the international system, it did not come. And, as expected, in science, the exclusion of war between the United States and the UdSSR could not change realities, in regard of the influence of resources, allocation etc. There was an assumption to refute after a conflict, fought as to the distribution of power, and the expectation that this would turn out better than before. A peaceful process will not produce as clear results. In the case of the German Empire, in this respect, one could mean that it would not have come to its foundation. Also, the Treaty of Frankfurt in 1871, prove to have been inconclusive. Germany reached but only a semi hegenonial position, and moved to 1914 before this next conflict between the powers might have cleared the parities between the European powers, according to their industrial, military and diplomatic-political priorities.

So even after 1945, wars between united States generally lead to clear hierarchies. These are, according to general opinion, even of „long durée“. But that these forces will develop as increasingly unstable, the leading power can recognize changes in it’s the economic, industrial and technological field. The „index of concentration“, like the full width of the various sectors, had an answer in the course of the 80ies, also in relation to the United States, and, above all, the USSR. The comparison of the abilities of the leading power and the competing large powers can lead to the realization that – in spite of trade and commerce – first differences occur. While the interest of the United States, during the 80ies toward the USSR, it came down to see to what extent the minor states tried in COMECON and the Warsaw Pact, to be released from this spheres of influence; but just since 1991, the United States underlie similar divergent trends in their system of alliances (NATO/EU).

Nevertheless, the result in the case of the Soviet Union resulted in:
– the processes of a closer union in the Alliance,
– as well as just to enforce the tendency to achieve greater freedom of mouvemet inn respect to the hegemonic power.

In addition, this will produce, in combination with decreasing control over the weaker powers, an increasingly weaker and more and more erratic safety policy. These expectations were mirrored by events that occurred in the western glacis of the sphere of influence of the Soviet Union. 1953, -56 and -68 Moscow in this process answered decreasing gravity by a regulatory fashion. According to the expectations after the end of victorious wars, this increasing abrasion of power in respect to Moscow’s position, corresponded under Andropov/Gromyko, Bethmann Hollweg/Moltke, Hitler/Ribbentrop, Stalin/Molotov.

Ever, an increasing lack of leadership was responsible, when the United States headed as well for a moment of weakness. The state-supporting forces find, in such situations, and in the result of the analysis of the last 150 years, no adequate response to the change in the general political conditions (including the Russian Tsar Nicholas I).

Unilateral reactions demonstrate the inadequate response of the (often) single minded, militarily dominated, ruling elites. Cramp-like search for new contacts alliance, the military ressurcen being strengthened, which achieved solely and unspoken a superficial effect of self-affirmation. For the United States are about to descend, and have, in comparison with the circumstances of the other countries, tried to compensate this by a reinforced military sector. At the same time this ailing power structure reaches a lower success than those states that operate at lower power means.

In addition succumb to the temptation of such powers to overreact militarily, and to be increasingly drawn into disputes. One of the main effects is the escalation of the use of power. Leading powers in particular are so inclined at the moment of falling from a previous power and size, short or medium term, less responsive flexible and adaptable. The effects of increasing militarization in governance and society, especially a militant view of general policy, in effect increasing mass failures, and connected to an escalating crisis management, result in greater readiness for war. This may fit in our latest times for the US, as for Russia, but also the EU. On a world scale. in any event, the northern hemisphere is no longer at the top of development. This has the rapid rise of China announced (stable growth of the gross national product, PMKennedy (1986), would lead China to world power standard in 1990). The German Empire of 1914 in any case trod this path.

The internationally more and more persuasive means of the militarization of internatioal relations, has resulted in today’s societies as to appear increasingly vulnerable, and less open minded to an more endangered state of the art and practical threat of war. The security risks, which now arise on the decision-making level in the United States and partners, also like to go back to miscalculations of the respective dominant elites security, and even exacerbating work into unilateral military characterized interational power- struggles. The more convincing the military expert elites, also due to technological development, these may predict what powers will be set up on which side and what that means as a whole, and where, to be united, the more convincing these elites argue, the outcome of such a war might become predicted (1854 Palmerston/ Clarendon, 1914 – Moltke/Jagow – 1940 Hitler/Blomberg-v.Brauchitsch).

But why do you want to fight? The weaker side – does not want, the stronger – not needs to fight. The compromise, checkmate or surrender. The road to war in the recitals of the ruling elites of descending powers can take place in the following steps:

1. becoming conscious of declining industrial skills, (1854, 1914, 1991 (2014), 
2. experience of easing the forces in relation to its own sphere of influence (1991ff.), 
3. reinforcing alliance commitments (1854, 1912-13, 2014), 
4. strengthen the military armor (1851/54, 1913/14, 2010ff.), 
5. increasing involvement in military conflicts (1848ff., 1991ff.), 
6. continuation of this trend, with aim towards the general war (1852ff., 1911/14, 2013).

As in the 1980ies, could science nowadays provide the answer to the question of how long such, more and more, autistic behaving powers and power blocs evoke in their minds an impression of the downturn of their development; hesitation, more and more brought into distress, and set by upgrading under pressure, resort to the war. And those powers of today are Russia and the United States.

This may help the careful analysis of the economy and industrial criteria, as related. Also for the years before 1870 there emerges a range of „young powers“ that seem suitable to displace the senior States. In modern wars, more than in the previous centuries, shows the extent of the military-financial commitment of the winner around the world, the degree of the high and mighty power of this state in the ascent to the summit – or their descent. In our days occurs this, and is now intensified as to the United States and in the focus of interest. A fatigue process of this previous superpower is unmistakably of interest since the Korea-, Berlin-, Cuba-, Vietnam-, Iran-Wars and crises on the one hand and the Kuwait-, Iraq-, Afghanistan-Wars, on the other hand. Today, adjunct: North Africa-, Egypt-, Syria- and Crime-crises.

Meanwhile, the contemporary historical developments of the basic questions of the 80ies also are advanced. These served the analysis of military spending and quantitative strength of the armies. For instance the famous „tank counting“ of the Peace Research Institutes. A more or less badly overestimated device, but it went on these fertile fields not so much about „peace-„, rather than war-research. Guide vectors of the analysis formed, among other things, for the period between 1816 and 1970/80, iron- and steel- production and industrial energy-consumption. The „young powers“ built a major result of these analyzes. Whether this is true of Prussia, France and Sardinia-Piemont in the 1850ies or for Germany and Japan in the 30ies of the 20th century.

It was, and is, the displacement of the senior States. The parameters of the circumference of the initiatives, investments and commitments, made after successful wars which should show, whether the particular winning of the United States was still in a state of the rise or already of decline. It went 1850/1914 (Czarist Russia), and is today to the determination of the moment, in the 1991/2014 a decrease in the ability of the main and leading powers (USSR 1978-82 / 2014, Russia) is given (was) relevant to influence, if this

a) shall implicate in an increasing number of military conflicts. A mere clash is unlikely to cause to go to the brink of war. However, this point could be exceeded if a call to arms, a parade of military force, violence or fighting one devices (Crimea, the Donets 2014/15). For the controllability of such escalations like for Russia in 1953, 1956, 1967 and 1968 speak. 
b) such militarized disputes are found more often within or on the edges of zones of influence of alliance and of political post-war developments, as outside of it. 
c) the results of such developments will make from time to time sobering (for the United States: 1952-53 Korea 1956 Suez 1958 Berlin 1962 Cuba 1978 Persia, 1963-1975 Vietnam; today: Kuwait, Iraq, Afghanistan, Syria / Isis Mosul). 

This is here displayed to see how explosive is the situation develops now; as US policy must be examined to determine whether, as a result of increased armor, the domestic political prestige drops correspondingly to moderate solutions and becomes less attractive; as well, an increasing militarization of foreign policy is given space. Asked empirically, it remains to be determined, whether increasing alliance-commitments have increased the result of military mobilizations.

Against this background, now also unstable, power position of the US, and the company resulting from the inferior position of power, the Russian offensive with limited objectives in the Donets Basin, are new potential hazards, because the conflicting parties both appear injured and capable of an, shown here, incorrect, armoured response. Whether it would now be obvious, as in the years 1853-55 between Britain, Austria, Prussia and France, conducted against Russia in order to negotiate in extenso and in continuity; probably this does not work, as to the conclusion that both sides still don’t further search to avoid the military conflict.

To the aim of reaching the verdict of history, the following questions may lead:

– How regularly a post-war hierarchy begins to unravel? 
– How fast, how largely will this happen? 
– Detect national security-elites the changing configurations of power and influence; and how early is this taking        place? 
– Recognising this exactly, and to what extent, the reality, or above of all, 
  underestimate these? 
– Answers this, as if hypnotized, with strengthening their alliance and military obligations or focus them on the        reinforcement of the army – or both? 

If the slope of sinking powers to militarized and less imaginative foreign policy, lower success rates in clashes, brings forth, the self-affirmation process is amplified and finally lead such experiences such powers to a more warlike than historical experience? This assumption was confirmed by no means yet. It was ultimately to investigate about the importance of the militarization of companies in connection with their decrease of power politics. Furthermore, there rests the question of the process in the space through which continue the nations the ravages of war, and recharge those, who expect peace from them.

Cause and reason for these considerations was the observation that between 1960 and 1980, both the UdSSR and the USA, faced with an extremely ambiguous decrease of their ability, looked to international events, influenced and controlled. A stressed increase of the militarization of foreign policy was observed, and the steady increase in military expenditures. It was the realization of interest in such studies, during the 1983-84 in the United States, if stress was laid on the concern if humanity were in the foreground from the effects of this development, or rather the tapping of the power-base of the UdSSR for possible military solutions in Central Europe. This question is now, made new in the face of the crises of the Crime and Donez. That it was about a possible confrontation between the two systems, and that the idea of „the war- frivolity of aging kingdoms“ were conducting in those years, according to the comparative cases of 1852-54 and 1914, by which the observer from Germany weren’t surprised then or now.

But the knowledge of 1989 is, by no means, the alliance political confidence-boosting. It is now Europe in a mess, even to become a world power, and the United States have decided to prevent this. A crack went accordingly through NATO. Provoked ultimately by a remote US foreign policy towards residual Russia, which is no longer recognized as a power-factor of remarkable significance. Decisive for everything seems that the US-policy – like England in the autumn of 1853 – has decided unilaterally that power-presence of Russia finally is to be reduced. And this in continuation of the blows that this 1991ff did suffer. The counter-movements in Russia are negligible in this bill. At the same time, this particular aggressiveness met in the US foreign policy a further condition for the hot conflict, namely in addition to the EU-policy of expansion to the east since 1991. But so that the EU pulls – led by US-American approach, to a localized conventional war in Europe as the result from the fact that Russia can only reach to the EU in Ukrain but not the US. The US may target and follow the expansionist England/Germany/Prussia in 1854 and 1914. So the generals in Moscow, on the question, „what can we do against the USA (?)“, may have replied the same as Moltke in crisis-meeting, held in June 1909:

„We can (only) fencebreak a war with Ukraine – but nothing more.“

All talk and entertainment activities, so all political science in history in being (Steinmeier) doesn’t, so to say, help, when war is decided in advance – like of England in the autumn of 1853 at Windsor Castle, and in Germany before 1914.

US-comittments around the world are obsolete since Paul M. Kennedy’s great work

Mittwoch, Januar 21st, 2015

  1. The priniciple of the Warrier-State has to be neglected since the merging of the Russian Empire (meant: UdSSR) in 1991.
    The weak Irakian Army and it’s US-defined instruction, weaponary and tactics remind me of the German instructors in Turkey between 1883 and 1912. Colmar von der Goltz-Pascha, one of the well known military thinkers of Wilhelminian Empire since 1870, built up an army of 700.000 bajonetts in the left flank of Russia, especially influencing the caucasus-border. This alike NATO-Strategy since 1949 till 2014!

    In October 1912 the Turkish presence in Europe became sweapt away. In consequence the French, English and Russian newspapers dealt, by severe critics, with the German artillery- and infantry-tactics (similar: Colonel À Court Repington’s Times-articles on the German Manouvers in 1911). Krupp-Artillery („96“) and Mauser-Rifles against Schneider-Creuzot Field-Artillery („77“) and French-instructed Bulgarian and Serbian infantry dessined the picture of a German Army, no longer „the best of the world“. This had been the heritage of the 1864-, 1866- and 1870-Wars of Prussia against Danmark, Austria and France.

    First in 1986 the US-reaction on P.M.Kennedy’s book was obstructive. But afterwards Kennedy became invited to any section of the Congress. In the following years, the USA drew back from those spheres, where war might uprise. – Even from Europe. With the Kuwait- and Irak-Wars the US fell back into the antiquated strategy of classic combined landwar-operations, followed by years of peace-keeping-policies. Nowadays, since Libyia, there seems to reign a new principle of restricted airwar- and intelligence-operations against light weaponed and very flexibal acting small groups of guerilla-similar forces. This might provoke some new thinking on the military concept of the future.

    The Germans didn’t react in 1913/14. The heavy losses of the it’s forces, in the attack on Belgium and France in August/September 1914, was shown quite clearly, by the German platoons passing the River Marne (Grand Morin, Petit Morin, Gond) with half of their initial strength. This was caused by the out of time German Military Instruction, Tactics and Battle-Conduct of combined forces (neglecting fire-power, the machine-gun, and using the field). After 1919 was laid stress upon again on the „elevated“ disciplines like strategy and the glorious past, further the former leaders in splendour.

    Supplementary:

    Bernd F. Schulte: Before the outbreak of war, 1914 Germany, Turkey and the Balkans. 184 S. Droste / Dusseldorf 1980, 38, – DM.

    The author (historian and political scientist, now a researcher at the University of the Federal Armed Forces Hamburg) investigated the importance of the German military cooperation with Turkey on the example of the military changes in the Balkan-Turkish space during the years 1911-1914 and this especially to the policy of the German Reich’s leadership in the years 1912-1913. Especially through the activities of the General Von der Goltz-Pasha, as the German military instructor and then 1909-1913 as Vice President of the Turkish Supreme Military Council was working for the reorganization of the Turkish army 1883-95, the German military influence in Turkey was so great that the Turkey as a potential alliance partner of the German Reich was obtained as a major factor against Russia / England and France in the strategic plans of the German General Staff. …

    Georg Stadtmüller (1909-1985 / Professor of Eastern and Southeastern Europe History at the University of Munich), in: The Historical-Political Book 1/1981, p 20th

ntv: 79% der Deutschen wollen Wulff gehen sehen.

Freitag, Februar 17th, 2012

Opel wird von GM in die Zange genommen. Genauso wie Mercedes und die Deutsche Bank juristisch. Die Rating Agenturen unterhalten weiter Sperrfeuer auf Europa. Die Bundeswehr ruft ihrerseits die Flugausbildung aus Arizona zurück. Amerikanische Truppen rücken aus Deutschland ab. Wohin?

Wird die Nato weiter stehen? Wird Wulff dem Sperrfeuer von bild, welt, spiegel, stern erliegen? Das wäre ein weiterer Stein, um Deutschland, Europa und den Euro zu destabilisieren.

Was planen die USA? Steht das State Department hinter den Rating Agenturen? Wir müssen, so scheint es, mit dem Schlimmsten rechnen. – Dem Auseinanderbrechen der Nordatlantischen Allianz.

Wie’s die USA sehen: Deutschlands „inoffizielles Wirtschaftsimperium in Mitteleuropa“.

Samstag, Januar 7th, 2012

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58233

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem „Small Wars Journal“ wird seit dem 29.11.2011 die Meinung vertreten, Europa solle durch Deutschland regiert werden wie das Deutsche Reich durch Preußen.

Deutschland, und damit Europa, stünden gegen die USA und China. Deutschland strebe, quasi durch Europa, „nach einer globalen Führungsrolle“. Diese Meinung vertritt, das ist nicht ohne Bedeutung, ein Amerikaner. Die Urangst der transatlantischen Bündnispartner USA und Großbritannien, Eurasien – das heißt Deutschland plus Sibirien, Zentralasien und Russland – sei nicht zu dominieren ( aus dem Jahre 1900/ Macinder), wird hier neu aufgenommen. Corn („langjähriger politischer Berater der Washingtoner Diplomatie“/Foreign Service Institute der US-Regierung) unterliegt, bei der Abwehr einer solchen Theorie, der Täuschung, die reine Zahl der Chinesen bedeute zugleich deren ökonomische und organisatorische Überlegenheit. Dass dies nicht so sein muß, gerade bezogen auf kommunistische Staatsgebilde, hat uns der Zusammenbruch der UdSSR 1991 demonstriert. Somit erscheint es durchaus nicht ausgemacht, dass die 82 Millionen Deutsche (plus den Rest Europas) nicht den Chinesen Widerpart leisten könnten.

Unzweifelhaft besitzt die Wirtschaft, beim Wiederaufstieg Deutschlands, eine zentrale Funktion. Es ist zugleich eine Plattitüde internationaler Beziehungen, dass Staaten ihren wirtschaftlichen Einfluss auch in der Außen- und Militärpolitik zur Wirkung bringen. Wenn Deutschland ein „Konzept der Geo-Ökonomie“ besäße, wäre dies nur zu begrüßen. Aber, das Funktionieren des europäischen wirtschaftlichen Bundes zu optimieren, als Bestreben hinzustellen, einseitig deutsche Exporte zu bevorzugen, und damit die deutsche Konkurrenzfähigkeit gegenüber China zu optimieren, dreht den Zusammenhang einseitig mit dem Gesicht gen Osten. Erzeugt also eine Konkurrenz Deutschlands mit China, die typischerweise – zum Leidwesen der Amerikaner und Engländer – nicht besteht. Dass die deutsche Europapolitik wirtschaftlich im Augenblick zu Härten gegenüber Staaten führt, die durch eigenes Wirtschaften in eine Überschuldungs-Lage geraten sind, ist nicht zu leugnen, stellt aber die bittere Medizin dar, die Europa insgesamt schlucken muss, wenn es künftig bestehen will. Deutschland zahlt dafür, nicht zuletzt, mit verloren gegangenen Exporten.

Dass die Amerikaner die Entwicklung der Europäischen Union zu einer zentral organisierten und geführten Fiskalunion stört, liegt auf der Hand, denn eine politische Union Europas (mag diese auch von Berlin „geführt“ sein) bildet eine Konkurrenz für den Weltmachtstatus der USA. Hierfür das Beispiel der Verpreußung Deutschlands nach 1871 anzuführen, bleibt blass. Interessanter erscheint hier schon der Hinweis auf die „enge außenpolitische Kooperation (Berlins) mit Moskau“ (vergleiche wiederum Macinder 1900 – und Bismarcks Außenpolitik 1871-79, wie Bethmann Hollwegs, Nov. 1910 bis Febr. 1914), denn diese würde den außenpolitischen Interessen Washingtons prinzipiell zuwiderlaufen. Erneut blickt Corn mit besonderem Interesse, auf die vermeintliche Konkurrenz zwischen Deutschland und China. Auch sucht er die Beziehungen Deutschlands zu den übrigen EU-Staaten ganz unter dem Bild eines Gewaltverhältnisses zu problenatisieren. Das Bild vom „Zwang“, dass hier benutzt wird, steigert sich sogar zu der Assoziation vom „sanfteren, freundlicheren ‚Anschluss'“. Es wird geradezu anrüchige Nähe zum historischen Beispiel erreicht – und damit eine Grenze des Geschmacks berührt.

Was allerdings das State-Departement als Leitbild für die weitere Gestaltung Europas vorschwebt, enthüllt Corn, indem er auf das Habsburgerreich von 1866 bis 1918 hinweist, das „den Geist Europas [ge]atmet[e]“ habe. War es doch Österreichs Inkontinenz, die im Juni 1914 in Berlin bewußt wurde, und zu Entscheidungen veranlaßte. Ganz in die Diktion der USA von 1916/18, und 1941/45 verfällt er, wenn von „dem brutal germanisierenden deutschen Kaiserreich“ geschrieben, und davor gewarnt wird, in Berlin das von den USA gefürchtete Phantom zu verfolgen, „aus der Europäischen Union ein größeres Kaiserreich“ machen zu wollen.

Weit entfernt davon, die Augen vor den Gefahren einer weiteren Ausgestaltung und Entwicklung der Europäischen Union, hin zu einem Bundesstaat, verschließen zu wollen, denn dies würde endgültig bedeuten, dass Europa als mögliche Weltmacht „den Handschuh in den Ring“ würfe, ist doch zu sehen, dass wir uns bereits mitten im Konflikt mit den USA um den Weltmachtstatus Europas befinden. Dies zeigen die hier behandelten Artikel, die als Mahnung davor, diesen Weg weiter zu verfolgen, interpretiert werden können. Soll doch auf diese Art offenkundig Sand in das anlaufende Getriebe von Reformen der EU, hin zu einem zielgerichteter organisierten Staatenverbund, gestreut werden. Abgelebte Animositäten, zwischen den Mitgliedern der Europäischen Union wiederzubeleben, erscheint Washington dafür offenkundig geeignet.